Storchenküken lag tot am Boden

Im Werratal brüten wieder Weißstörche – dieses Jahr geht viel schief

Wächst schnell: ein Storchennestling steht im Nest auf dem Rittergut in Schwebda. Das Foto entstand in dieser Woche.
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Wächst schnell: ein Storchennestling steht im Nest auf dem Rittergut in Schwebda. Das Foto entstand in dieser Woche.

Die von Naturschützern gefeierte Rückkehr des Weißstorches in das Werratal steht in diesem Jahr unter keinem guten Stern. Erst gab es Streit, dann Tote und zuletzt gab ein Brutpaar ganz auf.

Schwebda/Nesselröden – Mit Spannung wurde das Brutgeschehen eines Weißstorchpaares auf dem Steinernen Haus in Schwebda verfolgt, das sich in erbitterten Kämpfen im Frühjahr seinen Horst vom Vorjahr zurückerkämpft hatte. 2020 eine Sensation, war es doch das erste Paar, dass sich seit 30 Jahren im Werra-meißner-Kreis zur Brut niedergelassen hatte.

In der letzten Maiwoche dieses Jahres stand die Storchenmutter immer länger auf dem Nest. „Wir gingen davon aus, dass ein erstes oder auch schon zweites Küken geschlüpft war“, sagt Rolf Semmelrodt, der den Horst täglich beobachtet.

Weil die Schwebda Störche den Horst enorm vergrößert hatten, ließ sich nicht mehr beobachten, was hinter den Zweigen geschah. „Erstmals zeigten sich drei Jungstörche Mitte Juni“, erzählt Semmelrodt. Einige Tage später waren es plötzlich nur noch zwei Jungtiere, die ab und an über den Rand des Nestes zu sehen waren.

Storchenküken liegt tot am Boden

Am 18. Juni wurde eines der Storchenkinder tot am Fuß des Steinernen Hauses gefunden. „Entweder ist das Küken wenige Tage nach dem Schlüpfen gestorben und von der Mutter entsorgt worden“, so der Naturschützer. Eine andere Möglichkeit sei, dass die Mutter ihr Junges aus Nahrungsmangel lebend aus dem Nest geworfen habe. Das sei Praxis in Zeiten der Futterknappheit, dass Störche das letztgeschlüpfte, schwächlichen Küken aus dem Nest werfen, um das Überleben der älteren, stärkeren und gesunden zu sichern.

Auch das feuchte Wetter mit Starkregen und schweren Gewittern sei für die Aufzucht alles andere als optimal in diesem Jahr. Semmelrodt schließt nicht aus, dass auch ein Küken aus dem Horst gespült wurde und abstürzte, als dieser sich bei einem starken Gewitter mit Wasser gefüllt habe.

Storchenpaar aus Nesselröden verlässt Eier und verschwindet

Ähnlich traurig war die Nachricht aus Nesselröden. Dort hatte sich ebenfalls ein Storchenpaar niedergelassen, das erste seit 70 Jahren. Am 18. Juni wurde das Nest verlassen gefunden, das Storchenpaar war weg und hatte zwei Eier im Horst zurückgelassen. Weil die Störche dort mehrere Tage lang nicht gesichtet worden waren, war ein Nachbar auf einen nahe gelegenen Baum geklettert und hatte sich von oben ein Bild über das Inneres des Nestes verschaffen können.

„Vermutlich hat es sich um ein junges Paar gehandelt, dass noch keine Erfahrung mit der Brut hatte“, mutmaßt Semmelrodt. „Wir wissen nicht, warum sie weg sind“, sagt auch Stephan Boschen, Gutverwalter auf Hohenhaus. „Wir überlegen jetzt, weitere Nisthilfen anzubringen.“ (Stefanie Salzmann)

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