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Immer mehr Kneipen im Werra-Meißner-Kreis schließen

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Von: Tobias Stück

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Ratskeller in Großalmerode
Der Ratskeller in Großalmerode steht seit 2015 leer. © Gudrun Skupio

Für die verstärkten Schließungen von Gaststätten im ländlichen Raum gibt es viele Gründe. Auch die Pandemie beschleunigt den Trend und steigende Energiepreise werden zusätzlich zum Problem.

Werra-Meißner – Das Kneipensterben der klassischen Gaststätten auf dem Land geht weiter und wurde durch die Coronapandemie noch verstärkt. Das geht aus Zahlen der Dehoga und des Statistischen Landesamtes hervor. Demnach sind während der Pandemie mehrere Hundert Gaststätten in Hessen verschwunden.

„Die beiden Lockdowns mit Schließungszeiten von insgesamt sieben Monaten war ein Schlag ins Gesicht der Wirte“, sagte Christian Pelikan, Vorsitzender der Dehoga Werra-Meißner im Gespräch mit der Wirtschaftsförderung. Jetzt macht den Gastronomen der Personalverlust zu schaffen. „Erst wilderte der Einzelhandel bei uns, jetzt die Industrie“, sagt Pelikan.

Die Pandemie ist aber nicht der Hauptgrund für das Verschwinden der klassischen Kneipe.

Ländlicher Raum ist besonders betroffen

In den vergangenen Jahren sind die Zahlen bereits signifikant gesunken. 2002 gab es in Hessen noch rund 3000 Kneipen. 2015 waren es 1800, heute zählt der Dehoga noch 1200 Gaststätten. Regionale Zahlen für einzelne Landkreise weist die Statistik nicht aus. Der Werra-Meißner-Kreis sei aufgrund seiner ländlichen Struktur aber in besonderer Weise betroffen, so der Geschäftsführer Hessen, Julius Wagner.

Die Gründe für die Aufgabe der Gastronomen seien vielschichtig. Der Bevölkerungsrückgang auf dem Land sowie Nachfolgeprobleme und Investitionsstau gehörten dazu. Auf diese Weise sind beispielsweise klassische Kneipen wie der Stern in Frankenhain, der Ratskeller in Großalmerode oder der Grüne Baum in Rommerode in den vergangenen Jahren verschwunden.

Kneipen nehmen eine wichtige Rolle ein

Dabei seien die Dorfkneipen „die Herzkammern des dörflichen Zusammenlebens“, wie Landtagsabgeordnete Lena Arnoldt für die Landesregierung anmerkt. Hier treffen sich Nachbarn und Freunde auf ein Bier, Vereine und Stammtische richten regelmäßige Treffen aus, es werden Geburtstage und Hochzeiten gefeiert.

Zusammen mit der Hessischen Landesregierung hat die Dehoga nun ein 10 Millionen Euro schweres Förderprogramm ins Leben gerufen. Betriebe können mit dem „Gaststättensonderprogramm“ jeweils bis zu 200 000 Euro Zuschuss bei einer Förderquote von 45 Prozent erhalten, um sich zukunftsfit zu machen.

Pelikan sieht steigenden Energiepreise als die große Gefahr der Zukunft für die Gastronomie. In seinem Stammhaus kalkuliert er schon jetzt mit 15 Prozent Kostensteigerung. Der Dehoga rechnet bis Jahresende mit einer Verdoppelung der Kosten. (Tobias Stück)

250 000 Euro durch Speisen und Getränke

Zur Kategorie der ländlichen Gaststätte zählt: Dorfgasthaus oder Kneipe, geführt von einer Inhaberfamilie mit Essensangebot. Im Schnitt erlöst laut Dehoga im Jahr solch eine Gaststätte 250 000 Euro durch Speisen und Getränke. Nach Abzug von Warenkosten (75 000 Euro), Personalkosten (75 000), Energie (12 500 bis 15 000), blieben nach weiteren Abzügen im Schnitt zwischen 20 000 und 25 000 Euro Gewinn.

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