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In das Leben des 18. Jahrhunderts eintauchen im Heimtamuseum Ulfen

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Von: Julia Henniges

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Die Geige wurde bereits 1835 gebaut und gehörte einer Frau, die in Ulfen eingeheiratet hat, erklärt Ortsvorsteher Michael Stein.
Die Geige wurde bereits 1835 gebaut und gehörte einer Frau, die in Ulfen eingeheiratet hat, erklärt Ortsvorsteher Michael Stein. © Julia Stüber

Heimatmuseen bergen alte Schätze aus der Region. Wir stellen in loser Reihenfolge besondere Ausstellungsstücke und die Museen unseres Werra-Meißner-Kreises vor. Heute das Heimatmuseum in Ulfen.

Ulfen – Wer den Heimathof in Ulfen besucht, sieht und spürt direkt, wie viel Arbeit und Liebe zum Detail in den Räumlichkeiten steckt. Hier werden Exponate aus dem 18. und 19. Jahrhundert ausgestellt – alle mit Bezug zu Ulfen. Sie zeigen auf, wie Menschen zu dieser Zeit gelebt haben. So entdecken Besucher zum Beispiel in der hergerichteten Wohnstube eine Tracht aus Ulfen, die etwa aus dem Jahre 1890 stammt. Aufwendig verziert, trugen Frauen diese zu feierlichen Anlässen.

Auch eine Geige ist Teil des Wohnzimmers. Gebaut wurde sie schon 1835 in Eisenach, sie gehörte später einer Frau, die in Ulfen eingeheiratet hatte. „Für eine einfache Frau war es damals schon etwas Besonderes, ein solches Instrument zu besitzen“, sagt Ortsvorsteher Michael Stein. Das Ausstellungsstück hatte die Familie der Frau dem Heimatverein übergeben.

Schwertnarbe im Kroatentisch

Besonders interessant ist auch der „Kroatentisch“ – die Geschichte soll sich während des 30-jährigen Kriegs zugetragen haben. Kroaten fielen in den Ort ein, zerstörten die Blindenmühle, plünderten die Rietmühle und verletzten unter anderem Müller Kurt Fritzen und seinen Sohn schwer. Letzterer erzählte im Ort von den Taten und flüchtete. Doch die Kroaten suchten den Sohn – so umstellten sie die Herberge Pippart und erhofften sich dort Informationen. Ein Offizier soll in diesem Zusammenhang den Säbel gezogen und dem Wirt gedroht haben, ihm den Kopf zu spalten, wenn dieser nicht den Aufenthaltsort des Flüchtigen nenne. So schlug der Kroate aber dann doch wütend auf den Tisch ein – und hinterließ eine Narbe in ihm, die bis heute im Museum zu bestaunen ist.

Und wer sich in der Kunstszene auskennt, dem wird auch der Name Johann Georg Pforr etwas sagen. Er war ein Maler – und stammt aus Ulfen. Dort wurde er 1745 geboren. Bekannt wurde er für seine Pferdemalereien, das Museum zeigt einige Kopien seiner Bilder und berichtet aus dem Leben des Malers. „Er ist wohl der berühmteste Bürger Ulfens“, sagt Michael Stein.

Das Anwesen mit mehreren Gebäuden und direkt am Premiumweg 20 in Ulfen gelegen, hat der Heimat- und Förderverein nach und nach restauriert. 2009 war der Bewohner des Wohnhauses verstorben, viele Jahre stand es am Johannesberg leer. Ursprünglich wurde das Wohnhaus im Jahre 1800 erbaut. Ein neuer Käufer schenkte das Anwesen 2019 schließlich samt Inventar dem Verein. Dort befindet sich übrigens auch eine gut erhaltene Schuhmacherwerkstatt aus dem Jahre 1900. „Bis in die 50er-Jahre haben hier drei Schuhmacher in Vollzeit gearbeitet. Bis Ende der 80er wurden dann nur noch Reparaturen vor Ort gemacht“, erklärt Stein.

Museum zum Anfassen

Besucher können in diesem Raum unter anderem Schuhe aus vergangenen Tagen entdecken und erfahren, wie hier gearbeitet wurde. „Wir sind ein Museum zum Anfassen, alles ist hier erlebbar.“

Service: Mit Saisonbeginn Ende März hat der Heimathof sonntags von 14 bis 18 Uhr geöffnet. Infos gibt es unter 01 51/63 44 85 73 oder auf der Facebook-Seite unter „Heimathof Ulfen“. (Julia Stüber)

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