Eine Achterbahn über den Ringgau

In einer Zukunftswerkstatt am Bildungshaus Röhrda formulieren Kinder und Jugendliche ihre Wünsche

Mit großer Ernsthaftigkeit schreiben Aurelius (links) und David auf, was sie in ihrem Leben und Umfeld stört. Die Jungs aus dem Ringgau nahmen an der Zukunftswerkstatt des Bildungshauses Röhrda teil.
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Mit großer Ernsthaftigkeit schreiben Aurelius (links) und David auf, was sie in ihrem Leben und Umfeld stört. Die Jungs aus dem Ringgau nahmen an der Zukunftswerkstatt des Bildungshauses Röhrda teil.

In einer Zukunftswerkstatt des Bildungshauses in Röhrda haben knapp 60 Kinder und Jugendliche ihre Wünsche und Vorstellungen von einem glücklichen Leben in ihrer heimat zusammengetragen. Nun muss aus den Idee die Umsetzung erwachsen.

Röhrda – Eine Werkstatt mit 55 Kindern und Jugendlichen ist keine leise Angelegenheit – aber sie ist lebendig, ehrlich, kreativ und vor allem auch lustig. Eingeladen hatte das Bildungshaus Röhrda am vorigen Montag zu einer Zukunftswerkstatt mit dem Titel „Übermorgenwelt“, die ein Baustein der Aktionswoche zum Thema Kinderrechte bildet. Und weil es das Hygienekonzept der Veranstaltung nicht zuließ, musste Organisatorin Carina van der Willik (Leiterin der Kita) die 60 Erwachsenen, die sich angemeldet hatten, kurzerhand wieder ausladen, sodass die fast 60 Kinder und Jugendlichen sich ganz ungestört auf ihre Bedürfnisse konzentrieren konnten. „Ihr sagt, was ihr wollt und was euch glücklich macht“, sagte Carina van der Willik.

Erstmal Kritik üben

Torge Peterson, Fachreferent für Kinder- und Jugendarbeit der Kirche Kurhessen-Waldeck, der den Abend moderierte, stellte den Kindern das Konzept vor. Punkt eins: Kritik üben. Und die reichte von ganz pragmatischen Punkten wie schlechten Busverbindungen und schlappem Mobilfunknetz, zu hohem Geräuschpegel in der Schule, der Existenz von Hausaufgaben überhaupt, über die störende Maskenpflicht bis zur Tatsache, dass es in der Gemeinde mehr Parkhäuser geben solle und eine den kompletten Ringgau überspannende Achterbahn fehle. Ein Kind schrieb aber auch auf seinen Zettel. „Mich stört nix!“

Der Fantasie freien Lauf lassen

In der zweiten Werkstattphase ging es darum, der Fantasie freien Lauf zu lassen. Rosalie wünscht eine Hüpfburg, Stella sechs Rutschen in zwei Sandkästen, Lennard möchte eine kleine Achterbahn (aber eine echte). Lang war die Liste der Wünsche: Outdoorspielplatz, Skaterbahn, Aquarien, Kletterwald, Einkaufsladen, Buchladen, Eisdiele und Schwimmbad für Lüderbach, eine neue Bushaltestelle und ein Zoo. Die Fünftklässler wollten mehr Englisch und dafür weniger Hausaufgaben, und dass „man überall mit dem Rollstuhl hinkommt“.

Am Ende steht ein Gerüst an ideen

Und dann ging es daran, zu sehen, wo sich Faden aufnehmen ließ. Am Ende stand ein Gerüst an Ideen. Mit den Ortsvorstehern sollen die kaputten Spielanlagen angeschaut werden, die Buslinien überprüft und ein Relaxbereich für die Betreuung in der Schule geschaffen werden. Und ganz wichtig: Kindern soll mehr zugehört werden und sie nach ihrer Meinung gefragt werden. Weitere Treffen mit Akteuren aller Ebenen soll es geben, um aus den vielen Ideen, Anregungen und Wünschen etwas wachsen zu lassen.

„Mir ist bei all dem wichtig, dass diese Wünsche und Bedarfe der Kinder, die Ideen und Anregungen von Jugendlichen, die an diesem Abend deutlicht wurden, nun weiter verfolgt werden“, so Carina van der Willik. Mit der Zukunftswerkstatt sei ein Anfang gemacht. Um aber wirklich etwas zu bewegen, brauche es nun mal ein ganzes Dorf, und neben der Kommunalpolitik auch die Vereine, Kirchen, Schulen und Kitas, um Kinder zu beteiligen und ihre Ideen und Wünsche eines kinderfreundlichen Ringgaus auch umzusetzen.

„Als Veranstalter der Zukunftswerkstatt wünschen wir uns, dass das Format in dem man Kinder und Jugendliche zu Wort kommen lässt, sie beteiligt, und ihr Engagement mit Wertschätzung und respektvollem Zuhören ,belohnt", als Anfang gesehen wird“, so Carina van der Willik. (Stefanie Salzmann)

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