Sauber Rohr in Rohr verlegt

In Grandenborn wurde Abwasserkanal verlegt ohne ein einziges Loch in der Straße

Mensch und Maschine: Andreas Breul von der Firma Aarslef kann mittels des kleinen Kameraroboters sämtliche Arbeiten in den unterirdischen Kanälen unter Tage per Video überwachen. 
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Mensch und Maschine: Andreas Breul von der Firma Aarslef kann mittels des kleinen Kameraroboters sämtliche Arbeiten in den unterirdischen Kanälen unter Tage per Video überwachen. 

Praktisch still und leise, ohne Schmutz und Löcher und in einer Rekordzeit von vier Wochen hat in Grandenborn die Straße Am Gau auf einer Länge von 250 Metern einen nagelneuen Abwasserkanal bekommen. Am Freitag hat Bürgermeister Mario Hartmann das Projekt abgenommen.

Grandenborn - Bei der notwendigen Sanierung des Abwasserkanals hat sich die Gemeinde gegen die sogenannte offene Bauweise entscheiden – das heißt Straße komplett aufreißen und neue Rohre legen. Stattdessen wurde hier mittels Schlauchlinerverfahren das neue Abwasserdruckrohr verlegt. Das beauftragte Unternehmen hat über die Abwasserschächte zunächst noch formbare Schläuche in die maroden, alten Betonrohre eingeführt. Das Material härtet dann aus und soll nun für die nächsten 40 Jahre halten. Kleine Roboter filmen das Geschehen unter Tage nicht nur, sodass alle Arbeiten per Video überwacht werden können, sondern haben zugleich sämtliche Hausanschlüsse wieder hergestellt, ohne das die Straße auch nur einen Kratzer abbekommen hat.

Offene Bauweise bis zu fünfmal teurer als Rohr-in-Rohr-Verfahren

„Immer mehr Gemeinden schätzen dieses Verfahren inzwischen“, sagt Stefan Gier vom Planungsbüro Roter & Partner aus Eschwege. Denn zu den Vorteilen gehört nicht nur der Verzicht auf Tiefbauarbeiten, sondern auch die Kosten. In offner Bauweise hätte die Erneuerung des Abwasserohres die Kommune zirka eine halbe Millionen Euro gekostet, das Schlauchlineverfahren kostet sie jetzt 71 000 Euro. Ursprünglich kalkuliert waren knapp 100 000 Euro dafür.

Angeboten habe sich zudem das Verfahren, weil die Straße am Gau erst von 20 Jahren saniert worden und in tadellosem Zustand ist. „Wir hätten bei offener Bauweise hier einen Flickenteppich hinterlassen müssen“, sagt Aldo Listemann vom Planungsbüro.

Hochagressive biogene Schwefelsäure zerstört Rohre

Notwendig war die Sanierung, weil hochagressive biogene Schwefelsäure aus der Abwasserleitung aus Renda in den Kanal gedrückt wird. Die entsteht, weil das Rendaer Abwasser auf dem Weg nach Grandenborn eine lange Steigung zu überwinden hat und deshalb zu lange in den Rohren steht. Die Folge davon ist, dass die Betonrohre, die eigentlich 80 Jahre halten sollten, von der aggressiven Flüssigkeit zersetzt wurden, zudem die Grandenbörner unter erheblichen Geruchsbelastungen litten.

Laut Gier seien die neuen Kunststoffrohre, die jetzt liegen und die aus einer Art Harz bestehen, von der Säure nicht angreifbar. Erste Leitungsabschnitte waren bereits 2019 auf einem deutlichen kürzerem Abschnitt an der Breitauer Straße in Grandenborn erneuert worden, allerdings in offener Bauweise. Die Kosten beliefen sich seinerzeit auf 360 000 Euro. Stefanie Salzmann

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