Indienpartnerschaft

Indien: Evangelischer Kirchenkreis Werra-Meißner unterstützt Gemeinde Bellary

In der neuen Kirche: Pfarrer Punnappa Bandi (links) und zwei Kirchenvorsteher während der Sanierung der Kirche, nachdem sie vom Monsun zerstört wurde.
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In der neuen Kirche: Pfarrer Punnappa Bandi (links) und zwei Kirchenvorsteher während der Sanierung der Kirche, nachdem sie vom Monsun zerstört wurde.

Kirchen wieder aufbauen, Spenden beschaffen: Der Evangelische Kirchenkreis Werra-Meißner unterstützt seine Partnergemeinde in Indien.

Werra-Meißner – In der Pandemie hat auch der Evangelische Kirchenkreis Werra-Meißner zu kämpfen. „Dennoch wollen wir unsere Partnerschaften in dieser Zeit nicht vergessen, sondern dort helfen, wo wir können“, sagt Ludger Arnold, Präses der Kreissynode. So führt der Kirchenkreis seit 1983 eine Partnerschaft mit einer christlichen Gemeinde in Bellary im Bundesstaat Karnataka in Südindien, die seinerzeit über kirchliche Missionswerke geknüpft wurde.

In den 1990er-Jahren half der Kirchenkreis, dort eine Motorradwerkstatt als Ausbildungsstätte für junge Leute aufzubauen, um diesen eine Perspektive zu geben. Im Jahr 2000 war Ludger Arnold selbst zum ersten Mal in Indien und konnte Eindrücke sammeln. Vor allem, dass es wichtig ist, einzelne Projekte direkt zu unterstützen, damit das Geld nicht in korrupten Kanälen verschwindet.

Heutiger indischer Bischof arbeitete auch in Waldkappel

Der heutige Bischof der Diözese Karnataka Nord in Bellary, Ravikumar J. Niranjan und seine Frau, Pfarrerin Hanna Niranjan, arbeiteten von 1993 bis 2000 bei Pfarrer Rolf Hocke in Waldkappel mit. Dadurch könnten die Kontakte nach Indien heute nicht enger sein.

Erst 2019 hat eine Delegation des Kirchenkreises Werra-Meißner Bellary besucht, ein Gegenbesuch war 2020 nicht möglich gewesen. Dennoch sollen Projekte in Bellary unterstützt werden, etwa die Sanierung der Dorfkirche in Ravihal („Morgenrötehausen“), die vom Monsun zerstört worden war. Hier hilft der Kirchenkreis bei der Finanzierung. Viele der Arbeiten werden in Eigenleistung erledigt.

Pfarrer Rolf Hocke ist mit dem dortigen Pfarrer, Punnappa Bandi, in Kontakt und erzählt eindrücklich über dessen Arbeitsbedingungen: „Wir kennen uns seit meinem Studiensemester in Mangalore 2010. Er hat eine für deutsche Verhältnisse unzumutbare Pfarrstelle“, erzählt er.

In Bellary, der Bezirkshauptstadt, ist Punnappa Bandi Heimleiter oder beziehungsweise Hausvater des kirchlichen Jungenwohnheims, in dem christliche und muslimische Jungen aus weit entfernten Dörfern, die in Bellary auf weiterführende Schulen gehen, wohnen und betreut werden.

„Neben diesem Vollzeitjob ist er für die beiden Dörfer Bommalapur und Ravihal zuständig.“ Von Bellary fährt Punnappa Bandi zu den Gottesdiensten ziemlich schnurgerade mit seinem Motorrad 55 Kilometer auf der Fernverbindungsstraße bis Siruguppa, ab da die letzten zehn Kilometer eine Art Feldweg. „Damit er sich vor Ort waschen, umziehen und auch übernachten kann, bekommt die Kirche auch ein Gästezimmer als Pfarrhausersatz“, sagt Pfarrer Rolf Hocke.

Pfarrer Hocke aus Waldkappel: Christen wurden in Indien diskriminiert

Die Kirche in Ravihal besitzt etliche Türmchen, da sie zu Beginn des 20. Jahrhunderts entstanden ist, als sich die Unberührbaren massenhaft zum Christentum bekehren ließen. In 40 Dörfern der Region Siruguppa entstanden damals christliche Gemeinden.

Die Taufe bedeutete für diese Christen aber keinesfalls ein Ende der Diskriminierung durch Kasten-Hindus, erzählt Rolf Hocke.

Auch in Ravihal sei es 1990 zu vielen gewaltsamen Ausschreitungen gegenüber der christlichen Minderheit gekommen. Diskriminierende Maßnahmen seien weiter häufig. Tagelang würden keine christlichen Tagelöhner eingestellt, sie erhielten keinen Zugang zum Brunnen, Lebensmittel dürften nicht an Christen verkauft werden. Bis in die 90er-Jahre seien sexuelle Übergriffe gegenüber Dalit-Frauen von den Großgrundbesitzern als ihr gutes Recht angesehen worden.

„Aber gerade, weil sich an der Situation der christlichen Dalits jetzt langsam etwas zum Positiven verändert, steigt der Gegendruck, der genau das verhindern will“, sagt Pfarrer Rolf Hocke. Vor diesem Hintergrund erinnere die Fassade der Kirche von Ravihal ihn von ferne an Martin Luthers „Ein feste Burg ist unser Gott“.

Corona trifft die Menschen in Indien hart: Lockdowns bedeuten keine Arbeit und nichts zu essen

Der coronabedingte Lockdown habe die Menschen in dieser Region besonders hart getroffen, berichtet Pfarrer Rolf Hocke weiter. Die Ausgangssperre bedeutete für sie, keine Arbeit zu haben und damit auch, nichts zu essen zu haben. Lange Zeit habe es in der Region nicht geregnet, viele Dorfbewohner seien auf der Suche nach Arbeit in die weit entfernten Städte gezogen – und hatten bei Ausbruch der Pandemie von heute auf morgen sehen müssen, wie sie nach Hause kamen, ohne Proviant, Wasser und ohne Geld. „Die Kirche von Südindien half und hilft deshalb mit Nahrungsmittelspenden und unterhält auch eigene Corona-Pflegestationen“, sagt Hocke.

Sanierte Kirche wird bald eingeweiht

2021 besteht die Diözese Karnataka Nord der Church of South India seit genau 50 Jahren. In Indien begeht man Jubiläumsjahre aber immer schon ein Jahr im Voraus. 2020 wäre also das Jubiläumsjahr gewesen. Wegen der Pandemie wurde der Eröffnungsgottesdienstes im Frühjahr aber nur digital gefeiert. Kurz vor Weihnachten gab es dann eine Feier als Dankeschön für Pfarrer und ehrenamtlich Engagierte.

Die neu aufgebaute Kirche im indischen Dorf Ravihal: Evangelischer Kirchenkreis half bei der Sanierung. Die Kirche wird am 18. Januar in Indien eingeweiht.

Die Kirche in Ravihal wird am 18. Januar eingeweiht. Anstelle einer Orgel schenkt der Kirchenkreis Werra-Meißner ein Keyboard und ein Conga-Drum-Set für den Gemeindegesang im Wert von 500 Euro, von denen 300 durch Spenden zusammengekommen sind. Weitere Spenden würden immer benötigt, damit die Indien-Partnerschaft des Kirchenkreises und die Unterstützung der Gemeinden vor Ort auch in Zukunft weitergeführt werden könnten, sagt Präses Ludger Arnold. (Von Kristin Weber)

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