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Inklusion am Arbeitsplatz bei der Firma Sahm

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Von: Emily Spanel

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Beruflicher Wiedereinstieg: Patrick Hinzen an seinem Arbeitsplatz bei Sahm in Eschwege. Eine seiner Aufgaben: Zählen und Wiegen von verschiedenen Bauteilen.
Beruflicher Wiedereinstieg: Patrick Hinzen an seinem Arbeitsplatz bei Sahm in Eschwege. Eine seiner Aufgaben: Zählen und Wiegen von verschiedenen Bauteilen. © Lars Winter

Patrick Hinzen ist glücklich. Seine Praktikumsstelle beim renommierten Eschweger Unternehmen Sahm erfüllt ihn mit Stolz. „Ich fühle mich sehr wohl hier und möchte am liebsten für immer hierbleiben“, sagt der 32-Jährige.

Eschwege – An Arbeit war im Leben von Patrick Hinzen allerdings lange nicht zu denken. Nach einer schlimmen Erkrankung war er über Monate hinweg arbeitsunfähig, musste seine einstige Arbeitsstelle bei einem Unternehmen in Hessisch Lichtenau aufgeben. Die Krankheit hat er überwunden, eine Beeinträchtigung blieb.

Im Berufsbildungsbereich der Werraland Lebenswelten schaffte er einen Neuanfang. Dort können beeinträchtigte junge Menschen eine berufliche Qualifizierung absolvieren. Eine Maßnahme zur Teilhabe am Arbeitsleben, Kostenträger ist die Agentur für Arbeit.

„Für mich stand aber von Anfang an fest, dass ich sehr gerne wieder in einem Unternehmen arbeiten möchte“, sagt Patrick Hinzen. Diese Möglichkeit bietet ihm seit mehr als einem Jahr die Firma Sahm. „Wir beschäftigen mit Uwe Schick und Stefan Kothe bereits zwei Menschen mit Beeinträchtigung aus der Werkstatt der Werraland Lebenswelten und haben mit ihnen sehr gute Erfahrungen gemacht. Daher haben wir nach der Anfrage aus dem Berufsbildungsbereich gemeinsam mit dem Team entschieden, Patrick Hinzen im Rahmen eines Praktikums einen beruflichen Wiedereinstieg bei uns zu ermöglichen“, sagt Katharina Gernhardt, Leiterin der Abteilung Lager und Logistik.

Doch der Start lief alles andere als reibungslos. „Patrick musste sich erst an die Arbeit und die Geschwindigkeit gewöhnen. Das ging nicht von heute auf morgen“, sagt sein Gruppenleiter Stefan Hoßbach. Die Kommissionierung von verschiedenen Teilen und Baugruppen fiel ihm schwer. „Wir haben ihm daher erst einmal kleinere Aufträge mit geringeren Stückzahlen gegeben“, sagt Stefan Hoßbach.

Einige Wochen habe die Frage im Raum gestanden: Schafft er es – oder schafft er es nicht? „Die Entscheidung lag beim Team. Pro und Kontra wurden besprochen und dann war klar: Wir ziehen das durch, wir bekommen das hin“, sagt Katharina Gernhardt.

Mit der Zeit habe Patrick Hinzen Routine in seinen Aufgaben gewonnen, wurde immer mehr zu einem festen Bestandteil des Teams. „Mittlerweile macht er seinen Job super, das ist ein Selbstläufer geworden“, lobt Stefan Hoßbach.

„Wir sind der Firma Sahm und speziell der Abteilung von Katharina Gernhardt zu großem Dank verpflichtet. Ohne die großartige Unterstützung und Geduld seitens ihres Teams wäre ein Verbleib von Patrick Hinzen nicht denkbar gewesen“, sagt Michaela Harnge, Geschäftsbereichsleiterin Arbeit der Werraland Lebenswelten. Sahm sei ein Paradebeispiel für praktizierte Inklusion. „Was dort für beeinträchtigte Menschen möglich gemacht wird, ist mehr als vorbildlich“, so Michaela Harnge.

Vorbildlich ist auch der Arbeitseifer von Patrick Hinzen. „Man muss ihn zu Pausen und Urlaub schon fast zwingen“, so sein Gruppenleiter Stefan Hoßbach lachend. Das zeige, wie motiviert er sei.

Patrick Hinzen selbst sagt, er verspüre eine tiefe Dankbarkeit, dass ihm diese Teilhabe am Arbeitsleben ermöglicht wurde. „Ich war krankheitsbedingt lange raus, jetzt bin ich wieder drin“, sagt er. Und „drin“ will er auch in Zukunft bleiben. Am liebsten genau da, wo er jetzt ist. Bei seinem Team.  

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