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Inkubator für Kinderklinik: Carsten Hantelmann bringt Hilfsgüter nach Lviv

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Im Keller der Kinderklinik in Lemberg wurde ein provisorischer Schutzraum errichtet.
Im Keller der Kinderklinik in Lemberg wurde ein provisorischer Schutzraum errichtet.  © Foto: Carsten Hantelmann

Eschwege/Lemberg – Bereits zum fünften Mal ist der Bad Sooden-Allendorfer Carsten Hantelmann mit Unterstützung des Vereins „Eschwege hilft“ zu einem humanitären Transport in das ukrainische Lviv (Lemberg) aufgebrochen.

Im Gepäck hatte er einen dringend benötigten Inkubator und Hilfsgüter für ein Waisenhaus. Die Spenden abzugeben gestaltete sich schwieriger als zunächst angenommen. Immer wieder wurde die Lage als nicht sicher eingestuft. Gegenüber unserer Zeitung berichtet Carsten Hantelmann von einem Land zwischen Kriegszustand und Normalität.

Die ersten Schwierigkeiten begannen an der polnisch-ukrainischen Grenze: Vier Stunden Wartezeit waren vorausgesagt. Der Inkubator, ein Brutkasten für Frühchen, musste aber so schnell wie möglich in die Kinderklinik. „Jede Minute Verzögerung hätte hier das Leben eines Neugeborenen kosten können“, sagt Hantelmann. Ein Gespräch mit den Grenzern beschleunigte den Übertritt.

Hilfstransporte

Anfang Mai hatten Hantelmann und „Eschwege hilft“ öffentlich nach einem Inkubator gesucht. Mit der Spende und weiteren Hilfsgütern wie Lebensmitteln, Verbandsmaterial oder Desinfektionsmittel war Hantelmann, der sich seit dem Ausbruch des Krieges in der Ukraine für das Land engagiert, die mehr als 1000 Kilometer lange Fahrt angegangen. Bei seinen vorherigen Hilfstransporten hatte er die Kinderkrankenschwester Katja kennengelernt. Auch jetzt war sie wieder seine Kontaktperson.

Der Inkubator und anderes medizinisches Material wurden in der Kinderklinik dankend entgegengenommen. Hantelmanns Auto war aber noch zur Hälfte gefüllt mit Lebensmitteln und anderen dringend benötigten Gütern für ein Waisenhaus, das rund 150 Kilometer östlich von Lwiw liegt. Am nächsten Tag sollte es dorthin weitergehen. Zweimal musste die Fahrt verschoben werden. „Uns wurde mitgeteilt, dass das Gebiet im Moment nicht sicher sei“, berichtet Hantelmann. „Der Grund für die Warnungen ist mir bekannt, ich wurde aber gebeten, nichts darüber zu berichten.“ Zwei ukrainische Soldaten brachten die Spenden schließlich einige Tage später zu dem Waisenhaus.

Ständige Alarme

Die Situation in der Stadt im Westen der Ukraine sei eigenartig, beschreibt Hantelmann die Lage. Immer wieder gebe es Luftalarm, schrillen die Warn-Apps auf den Smartphones. Die Einheimischen gehen aber gelassen damit um und wüssten die Gefahr einzuschätzen. Bei einem Luftalarm vor der Kinderklinik hat das gesamte Personal alle Neugeborenen sowie die Mütter und sich selbst in Minutenschnelle im „Bunker“ – ein mit Sandsäcken von außen provisorisch gesicherter Keller mit halbhohen Fenstern – in Sicherheit gebracht. In anderen Alarmfällen schalteten die Einheimischen die Alarme einfach aus und gingen weiter ihrem Alltag nach. Auch wenn es in Lwiw die meiste Zeit ruhig sei, müsse man auf alles gefasst sein, sagt Hantelmann. Er hat nach fünf Reisen aber auch erkannt: „Der Mensch ist wirklich ein Gewohnheitstier. Es ist erstaunlich, wie schnell Menschen sich an so eine Lage gewöhnen.“ Hantelmann selbst hatte zwischenzeitlich seine Warn-App gelöscht. Oftmals könne man doch nichts ausrichten.

Der Alltag

Durch die Verzögerungen hatte Hantelmann die Gelegenheit, sich die Stadt anzuschauen. Lemberg sei wunderschön. In einem Land, in dem Krieg herrscht, saßen die Menschen in einem Café, tranken Kaffee und aßen Kuchen. Von seinen ukrainischen Bekannten wurde Hantelmann zu einem Grillabend eingeladen. Zum Einkaufen besuchten sie ein großes Einkaufszentrum. Die Versorgungssituation habe sich zumindest in Lemberg stabilisiert. „Man bekommt fast alles.“ Extreme Versorgungslücken bestünden jedoch bei medizinischem Material und vor allem bei Treibstoff. „Wenn eine Tankstelle kurzfristig beliefert wird, bilden sich kilometerlange Schlangen.“ Hantelmann verschenkte am Ende seinen Reserve-Diesel.

Weitere Spenden

Hantelmann verließ das Land mit gemischten Gefühlen. Die Einheimischen seien entschlossen, ihr Land nicht aufzugeben. „Wir werden weiter Unterstützung leisten müssen“, sagt er.  Wer „Eschwege hilft“ unterstützen möchte, kann sich unter eschwegehilft.de/donate/ informieren. ts Foto: privat/NH

Carsten Hantelmann
Carsten Hantelmann © Carsten Hantelmann

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