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Interview mit Dr. Peter Schott vom Klinikum Werra-Meißner über Herzkrankheiten

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Von: Tobias Stück

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Dr. Peter Schott ist seit 2009 Chefarzt der Kardiologie und internistischen Intensivmedizin am Klinikum Werra-Meißner.
Dr. Peter Schott ist seit 2009 Chefarzt der Kardiologie und internistischen Intensivmedizin am Klinikum Werra-Meißner. © Florian Künemund/nh

Herzkrankheiten zählen zu den häufigsten Erkrankungen bei Männern. Kardiologe Dr. Peter Schott spricht über Herzkrankheiten und Vorsorge.

Werra-Meißner – Männer sind Vorsorgemuffel. Eine Erhebung des Robert Koch-Instituts zeigt beispielsweise, dass nur 40 Prozent der Männer die empfohlenen Untersuchungen zur Krebsfrüherkennung regelmäßig in Anspruch nehmen.

Ähnlich sorglos gehen sie mit ihrem Herz um. Koronare Herzkrankheiten gehören zu den häufigsten Erkrankungen bei Männern. Die Sterberate ist hoch. Wir sprachen mit Kardiologe Dr. Peter Schott, Chefarzt am Klinikum in Eschwege.

Um es vorweg zu klären: Was versteht man unter koronarer Herzkrankheit eigentlich?

Man versteht darunter eine Verengung der Herzkranzgefäße, die den Herzmuskel mit Blut versorgen. Durch die Verengung kommt es zur Minderversorgung des Muskels mit Sauerstoff und Nährstoffen. Verläuft die Verengung langsam über Jahre fortschreitend, kommt es zu einer Brustenge (Angina pectoris) – zunächst unter Belastung, im Verlauf dann auch in Ruhe mit erheblich eingeschränkter körperlicher Leistungsfähigkeit.

Was kann schlimmstenfalls die Folge sein?

Kommt es akut zu einem Verschluss einer Herzkranzarterie, stirbt der Herzmuskel innerhalb der ersten sechs Stunden ab. Es besteht absolute Lebensgefahr. Die Mortalität in den ersten zwölf Stunden liegt bei 30 Prozent.

Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass mich als Mann eine koronare Herzkrankheit trifft?

Jeder Mann und jede Frau kann sein/ihr individuelles Risiko, beispielsweise mit dem Framingham Risiko-Score für koronare Herzerkrankung berechnen. Hier stehen einige Online-Rechner im Netz zur Verfügung: scores.bnk.de/framingham.html. So errechnet sich zum Beispiel für einen 55-jährigen Mann mit Nikotinkonsum und einem erhöhtem Cholesterin ein Zehn-Jahres-Risiko für einen akuten Herzinfarkt von 29 Prozent, für eine 55-jährige Frau mit gleicher Risikokonstellation ein Risiko von 13 Prozent.

Warum sind Männer besonders prädestiniert für einen Herzinfarkt?

Genetisch fixierter Nachteil lautet das Stichwort. Es gibt aber auch Herzerkrankungen wie zum Beispiel eine spezielle Herzschwäche bei Bluthochdruck, die häufiger bei Frauen auftritt und dort mit einer ungünstigeren Prognose verläuft. Erstaunlich ist zudem, dass Männer zwar häufiger Herzinfarkte bekommen, diese dann aber bei Frauen häufiger tödlich verlaufen.

Inwieweit hat der Lebensstil eines Einzelnen Auswirkungen auf diese Problematik?

Der Lebensstil ist der entscheidende und von uns am besten zu beeinflussende Risikofaktor. Also nicht Rauchen, auf die Blutfette achten, an gesunde Ernährung denken und wenigstens dreimal pro Woche 20 bis 30 Minuten Ausdauersport wie Walking, Radfahren oder Joggen anstreben.

Ist eine koronare Herzkrankheit vererbbar? Sollte ich auf Risikopatienten in der Verwandtschaft achten?

Es gibt eine sogenannte familiäre Disposition. Ein Herzinfarkt bei einem der Elternteile erhöht das eigene Risiko.

Welche akuten Symptome kündigen einen Herzinfarkt an?

Sobald ein Engegefühl im Brustkorb oder Luftnot in Ruhe länger als 15 Minuten besteht, sollte ein Notarzt mit Verdacht auf akuten Herzinfarkt gerufen werden.

Ist es richtig, dass Erektionsstörungen Vorbote für einen Herzinfarkt sein können?

Nein. Es kann aber als Symptom einer späteren Arteriosklerose auftreten.

Was kann ich zur Vorbeugung koronarer Herzkrankheiten tun?

Alle beeinflussbaren Risikofaktoren wie Nikotin, Blutfette, Bluthochdruck, Diabetes mellitus, fehlende körperliche Aktivität oder Übergewicht sollten minimiert werden.

Auch wenn ich mich fit fühle: Ab welchem Alter sollte ich zur Vorsorgeuntersuchung gehen?

Hier gibt es keine Definition. Eine kardiologische Check-Up-Untersuchung macht aber durchaus ab dem 40. Lebensjahr Sinn.

Übernehmen die Krankenkassen die Kosten zur Vorsorge?

Die Krankenkassen übernehmen die Kosten zur Vorsorge in der Regel ab dem 35. Lebensjahr. Alle zwei Jahre haben Männer dann die Chance, beim Hausarzt die Möglichkeit zur Früherkennung von Herz-Kreislauferkrankungen, Diabetes und Nierenerkrankungen abzuklären.

Von Tobias Stück

Matinee zu Fürsorge und Hypochonder

Zum internationalen Männertag am Samstag, 19. November, lädt das Gleichstellungsbüro Werra-Meißner-Kreis in Zusammenarbeit mit der Männerberatung der Awo zu einer Film-Matinee ins Cinemagic- Kino in Eschwege ein. Gezeigt wird die französische Komödie „Super-Hypochonder“.

Los geht es am kommenden Samstag, um 10.30 Uhr. Ralf Ruhl, Männerberater der Awo-Beratungsstelle, wird den Zuschauern einen Einblick in das Thema Männergesundheit geben und dabei den Fokus besonders auf die „Selbstfürsorge“ richten. Der Eintritt beträgt fünf Euro.

(esp)

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