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„Kinder dürfen nicht benachteiligt werden“

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Von: Eden Sophie Rimbach

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Bildung und Gleichberechtigung zählen zu den Themen, die Klassensprecher Ben Kniese (10) und der stellvertretenden Klassensprecherin Marielle Breitbarth (10) aus der 5a der Anne-Frank-Schule wichtig sind.
Bildung und Gleichberechtigung zählen zu den Themen, die Klassensprecher Ben Kniese (10) und der stellvertretenden Klassensprecherin Marielle Breitbarth (10) aus der 5a der Anne-Frank-Schule wichtig sind. © EDEN SOPHIE RIMBACH

MONTAGSINTERVIEW mit Klassensprecher Ben und Marielle von der Eschweger Anne-Frank-Schule sprechen über Kinderrechte und mehr.

Eschwege – Kinder haben Rechte. Daran erinnert unter anderem der Internationale Tag der Kinderrechte beziehungsweise der Kindertag der Vereinten Nationen am 20. November. Denn an diesem Datum wurde 1989 die UN-Kinderrechtskonvention von der UN-Generalversammlung angenommen. Wir haben mit Klassensprecher Ben Kniese und seiner Stellvertreterin Marielle Breitbarth gesprochen. Die beiden Zehnjährigen besuchen die 5a der Anne-Frank-Schule in Eschwege.

Was wisst Ihr über Kinderrechte?

Ben: Kinder dürfen nicht benachteiligt werden, nur weil sie noch Kinder sind. Kinderrechte müssen genauso respektiert werden wie alle Rechte.

Inwieweit spielen sie für Euer Leben eine Rolle?

Ben: Es spielt eine große Rolle. Ohne Kinderrechte ginge es den Kindern wie einem Gegenstand. Das betrifft zum Beispiel den Schutz vor Gewalt. Wenn es Kinderrechte nicht gäbe, dürften Eltern ihre Kinder schlagen. Das ist ja auch nicht gut für die Seele des Kindes. Vor allem, wenn Eltern ihre Kinder wegen schlechten Noten schlagen. Dann haben die Kinder noch mehr Angst, können sich schlecht konzentrieren und verschlechtern sich in der Schule noch mehr. Eltern sollten mit Ruhe und Liebe rangehen. Wichtig ist außerdem der Schutz vor wirtschaftlicher Ausbeutung.

Das ist ja aber nicht in allen Ländern gegeben.

Ben: Ja, wir haben es eigentlich ganz schön gut in Deutschland. Wir haben Handys, wir haben Bildung, wir haben Zugang zum Internet.

Marielle: Wir sagen ja ab und zu, dass wir die Schule nicht mögen ...

Ben: ... aber bei anderen Kindern ist es der größte Wunsch, in die Schule zu gehen.

Marielle: Und das können manche von uns hier gar nicht wertschätzen. Außerdem hat nicht jedes Kind genug zu essen oder zu trinken, damit es sich gesund ernähren kann. Manche Kinder in anderen Ländern haben auch keine Schlafplätze.

Ben: Ja, kein Bett, kein Zimmer. Das ist traurig. Und die Kinder müssen teilweise für ihre Familie sorgen und früh arbeiten.

Ihr habt gerade auch gesagt, dass es Euch gut geht, weil ihr Zugang zum Internet habt.

Ben: Das haben viele nicht. Genauso ist es mit ärztlicher Versorgung.

Marielle: Wir haben auch großes Glück mit dem Frieden. Wir haben auch eine IKL-Klasse an der Schule.

Also bekommt Ihr auch mit, wie es Kinder geht, die erlebt haben, dass es bei ihnen zuhause keinen Frieden gibt?

Ben: Wir haben auch zwei Schülerinnen in der Klasse, die noch kein Deutsch sprechen können. Eine von ihnen musste aus Syrien fliehen, weil da Krieg war und immer noch ist. Das andere Kind kommt aus der Ukraine.

Marielle: Wir haben uns gerade eben noch einmal unterhalten. Ein Mädchen hat erzählt, dass ein anderes Kind seine Familie verloren hat. Es musste sich selbst mit sieben Jahren durchbringen. Familie ist das Wichtigste, was die Kinder in betroffenen Ländern haben können.

Ihr seid die Klassensprecher de 5a. Gibt es einen Bereich, in dem sich Eure Mitschüler mehr Mitbestimmung wünschen?

Ben: Eigentlich nicht. Aber wenn es etwas gibt, sprechen wir die Lehrer darauf an. Ich wusste auch gar nicht, dass im Alltag eines Klassensprechers so viel los ist. Am Donnerstag waren wir auf einer Konferenz, auf der wir mit der gesamten Schülervertretung über die Schulregeln gesprochen haben, und jetzt sitzen wir hier und reden über Kinderrechte.

Wie ist es für Euch, Klassensprecher zu sein?

Ben: Es ist eigentlich cool, weil man eine Aufgabe hat, die sonst eigentlich niemand hat.

Marielle: Ich finde es sehr schön, weil ich mehr dafür tun kann, dass es weniger Streit in der Klasse gibt. Manche Klassensprecher sind nicht verantwortungsbewusst. Sie haben sich einfach wählen lassen und setzen sich dann nicht weiter ein.

Ben: Ein wichtiges Thema für uns ist, dass sich alle respektieren und niemand ausgeschlossen wird.

Welche Themen sind Euch im Hinblick auf Schule wichtig?

Ben: Wenn man für eine Hausaufgabe einen Computer braucht, muss auch jedes Kind Zugriff zu einem haben, damit es sie erledigen kann.

Marielle: Manche Eltern, die kein Deutsch sprechen können, haben es viel schwerer, ihr Kind beim Schulportal Lanis anzumelden.

Ben: So ein Portal sollte sich an mehrere Sprachen anpassen lassen.

Marielle: Genau, das passt zum Recht auf Bildung. Die Eltern möchten ihren Kindern beim Thema Schule helfen. Aber wenn sie es selbst nicht umsetzen können, müssen sie unterstützt werden.

Ben: Das ist auch wichtig für die Zukunft der Kinder: Gute Bildung. Dann können sie später auch mehr Geld verdienen.

Wenn Ihr einen Tag lang bestimmen dürftet, was würdet Ihr tun?

Ben: Ich würde mehr Polizeikontrollen machen. Denn es gibt viele Menschen, die Kindern etwas Schlimmes antun.

Marielle: Ich würde mich dafür einsetzen, dass Schulen mehr Klassenräume für IKL-Klassen bekommen.

Ben: Ja, damit die Kinder, die nach Deutschland kommen, schneller Deutsch lernen können. Umso besser können sie dann hier leben.

Mariele: Deswegen würden wir uns dafür einsetzen, dass es mehr Lehrkräfte gibt, die in ihrer Ausbildung Russisch lernen.

Wieso ist das Erlernen der deutschen Sprache aus Eurer Sicht so ein wichtiges Thema?

Ben: Weil es gut ist, wenn wir uns miteinander unterhalten können.

Marielle: Wir haben auch Mitschüler, die noch kein Deutsch können. Zum Glück gibt es andere Mitschüler, die Russisch sprechen und ihnen helfen können. Aber es gibt Familien, in denen die Eltern auch noch kein Deutsch sprechen können.

Also würdet Ihr euch vor allem für andere Kinder starkmachen?

Marielle: Auch die Werbung sollte sich verändern. Wenn man zum Beispiel auf YouTube unterwegs ist, sollte weniger Werbung für Banken und Geschäfte gezeigt werden. Stattdessen sollte man auf Spendenaktionen hinweisen. Das ist im Gegensatz zu den anderen Dingen, für die geworben wird, wichtig. Man könnte auch mehr dafür werben, dass Familien, die Platz haben, geflüchtete Familien aufnehmen.

Ben: Oder dass kleinere Unternehmen anstelle von großen wie TikTok mehr Werbung bekommen, damit sie wachsen können.

Was wäre euch außerdem wichtig?

Marielle: Dass Menschen andere nicht wegen ihrer Herkunft oder ihrer Hautfarbe verurteilen.

Ben: Ich würde das Recht auf Gleichberechtigung durchsetzen und auch ein Recht auf Freunde und Familie. Und das Recht, zu spielen und rauszugehen. Das ist auch gesund.

Und für welche Themen von Kindern würdet Ihr gern mehr Aufmerksamkeit unter den Erwachsenen schaffen?

Marielle: Ganz groß: Kinderrechte!

Ben: Mir wäre aber auch wichtig, dass sich die Kinder gegenseitig mit Respekt behandeln und sich zum Beispiel nicht schlagen. Kinder sollten fairer zueinander sein. (Das Interview führte Eden Sophie Rimbach)

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