Am 29. Oktober ist Welt-Schlaganfall-Tag

Interview mit Neurologin: „Bei einem Schlaganfall zählt vor allem die Zeit“

Blutdruckmessgerät
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Herzschwäche, Vorhofflimmern, Schlaganfall: Ursache ist häufig ein über Jahre unbemerkter Bluthochdruck. Wer früh genug handelt, kann etwas dagegen tun.

Heute (29. Oktober) ist Welt-Schlaganfall-Tag. Im Ernstfall zählt für Betroffene und Angehörige jede Sekunde.

Werra-Meißner – Über alles Wichtige zum Thema haben wir mit Dr. Yvonne Bauer, Chefärztin der Neurologie am Klinikum Werra-Meißner, gesprochen.

Woran merken Angehörige oder Betroffene, dass sie einen Schlaganfall haben? Stichwort FAST-Regel.
Der Schlaganfall ist durch sein plötzliches und unerwartetes Auftreten für Betroffene und ihre Angehörigen im wahrsten Sinne des Wortes ein „Schlag“. Es kann zu Läh-mungen, Gefühlsstörungen, Sprachstörungen, Schwindel, Fallneigung oder Sehstörungen im Sinne von Doppelbildern und Gesichtsfeldausfällen kommen. Die Symptome eines Schlaganfalls sind sehr vielfältig und manchmal für den Laien nicht einfach zu erkennen. Ein sehr einfacher Test, der angewandt werden kann und die häufigsten (nicht alle) Symptome erfasst, ist der Fast-Test. Der Buchstabe F steht für Fazialis, das ist der Nerv, der unter anderem unseren Mund versorgt. Bei einem Ausfall im Rahmen eines Schlaganfalls kann der Betroffene einen Mundwinkel nicht mehr zum Lächeln anheben. Der Mund wirkt schief. Der Buchstabe A steht für Arm. Bittet man den Betroffenen, beide Arme vor den Körper zu heben. Ist dies nicht mehr oder nur sehr schwer möglich oder besteht eine Ungeschicklichkeit des Arms, dann ist dies ein weiteres Symptom für einen Schlaganfall. Das S steht für Sprache. Wenn der Betroffene einen vorgesprochenen Satz nicht und nur sehr undeutlich nachsprechen kann, ist auch hier die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, dass es sich um einen Schlaganfall handeln könnte. T steht für Time, was deutlich machen soll, dass keine Zeit zu verlieren und schnellstmöglich die Rettung zu verständigen ist.
Warum ist es so wichtig, bei Rufen des Notarztes nicht zu zögern?
Die Frage ist einfach zu beantworten. Durch einen Schlaganfall erhalten die Nervenzellen im Gehirn zu wenig Sauerstoff und Nährstoffe, sodass sie zugrunde gehen. Das Gehirn schaltet sozusagen in einen Notfallmodus und versucht, so viel Gewebe wie möglich noch zu durchbluten. Das ist das Gewebe, das wir als rettbar beschreiben. Um dies auch retten zu können, muss der Patient so schnell wie möglich ins Krankenhaus, bestenfalls in eine spezialisierte Schlaganfallstation, einer sogenannten Stroke-Unit, wie sie in unserem Haus in Eschwege vorhanden ist.
Wie wird ein Schlaganfall behandelt?
Die Behandlung richtet sich nach der Art des Schlaganfalls. In 80 Prozent der Fälle ist ein Gefäß verstopft. Hier kann der Arzt, falls keine relevanten Gegenanzeigen vorliegen und der Patient rechtzeitig in der Klinik eintrifft, eine sehr starke Blutverdünnung, eine sogenannte Lysetherapie durchführen. Bei einem Verschluss eines sehr großen hirnversorgenden Gefäßes kann das Blutgerinnsel auch mit einem kleinen Katheter aus dem Gefäß entfernt werden. Hierfür verlegen wir die Patienten in ein dafür spezialisiertes Zentrum, meisten in die Neuroradiologie der Uni Göttingen. Bei 20 Prozent ist die Ursache des Schlaganfalls aber eine Blutung. Je nach Größe und Lokalisation muss hier eine Operation durchgeführt werden. In jedem Fall ist jedoch eine schnelle Einweisung in ein Krankenhaus notwendig. Hier erfolgt notfallmäßig die nötige bildgebende Diagnostik. Somit können wir sofort feststellen, um welche Art des Schlaganfalls es sich handelt und die nötigen therapeutischen Schritte sofort einleiten.
Wie sind die Genesungschancen nach einem Schlaganfall?
Das kommt auf die Größe und die Lokalisation des Schlaganfalls an. Der Patient erhält auf der Schlaganfallstation die bestmögliche Behandlung durch alle Berufsgruppen: durch erfahrenes Pflegepersonal, Physiotherapeuten, Ergotherapeuten, Logopäden und Ärzte. Sollte im Anschluss an den Krankenhausaufenthalt eine Rehabilitation nötig sein, kümmern wir uns gemeinsam mit der Sozialarbeiterin darum. Durch die modernen Therapien kann häufig bereits im Krankenhaus eine Besserung der Schlaganfallsymptome erreicht werden.  red/salz

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