Falls Lage unverändert bleibt, droht im Kreis Ausgangssperre

Corona-Inzidenz ist erstmals über 200

Auf zwei hellblauen Schildern wird darum gebeten, den Laden nur einzeln zu betreten und eine Maske zu tragen.
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Symbolbild zur Corona-Maskenpflicht

Erstmals hat der Werra-Meißner-Kreis die kritische Inzidenz von 200 Neuinfektionen binnen sieben Tagen überschritten: Sie liegt bei 202. Einen neuen Hotspot gibt es laut Kreissprecher Jörg Klinge nicht, das Infektionsgeschehen sei diffus.

Werra-Meißner- „Falls in den kommenden drei Tagen die Inzidenz weiterhin über 200 liegen wird, sind wir nach dem Eskalationskonzept des Landes Hessen gezwungen, ab Samstag ein nächtliches Ausgangsverbot zu erlassen“, kündigen Landrat Stefan Reuß und sein Stellvertreter Dr. Rainer Wallmann an. Die Parkplätze auf dem Hohen Meißner könnten kurzfristig gesperrt werden, um Menschenansammlungen zu vermeiden. Laut Polizeisprecher Jörg Künstler wird die Polizei ihre Kontrollen und Streifenfahrten zur Einhaltung der Pandemieregeln fortsetzen.

Man habe zudem die Bundeswehr gebeten, die verpflichtenden Schnelltests für Personal und Besucher in den 30 Senioreneinrichtungen zu unterstützen. „Wir gehen davon aus, dass das klappt“, so Klinge. Hilfe bei der Kontaktnachverfolgung durch Soldaten habe man nicht beantragt, das Land habe dafür Personal bereitgestellt.

Reuß und Wallmann fordern alle Bürger dazu auf, auf Kontakte zu verzichten. Bei unvermeidbaren Kontakten müssten Abstandsregeln eingehalten und medizinische Masken getragen werden, besondere Vorsicht müsse im Supermarkt gelten. Kinder sollten nur in Kitas und Schulen geschickt werden, wenn es unbedingt notwendig ist.

Der allergrößte Teil der Menschen halte sich an die Vorgaben, sei sehr vorsichtig und trage die Einschränkungen mit. Man habe Verständnis dafür, dass diese anstrengend seien und die Akzeptanz nachlasse. Doch anders könne man die hohen Fallzahlen nicht reduzieren. Die gemeinsame Anstrengung sei nötig. „Dennoch gibt es offensichtlich einen kleinen Teil der Bevölkerung, der sich nicht an die Vorgaben hält und so zur weiteren Verbreitung der Erkrankung beiträgt. Das ist ärgerlich, unsolidarisch und gesundheitsgefährdend.“ Reuß und Wallmann fordern explizit dazu auf, Menschen darauf hinzuweisen, die ihre Masken falsch tragen: „Es geht um unsere gemeinsame Gesundheit.“

Um die Folgen der Pandemie zu mildern, sind verschiedene weitere Maßnahmen im Kreis ergriffen worden.

Lage im Klinikum

Im Klinikum Werra-Meißner bleibt es beim allgemeinen Besuchsverbot. Wie Janina Schopper, Assistentin der Geschäftsführung, mitteilt, wurden extra Mitarbeiter ein- und abgestellt, um am Eingang zu kontrollieren und Fieber zu messen. Zudem müssen weiterhin Kontaktformulare ausgefüllt werden.

Die wenigen Besuchsausnahmen, etwa bei sterbenden Patienten oder werdende und frisch gebackene Väter, werden vom eigenen Personal getestet, das auch Schnelltests an Mitarbeitern durchführt und Abstriche bei Neu-Aufnahmen macht.

Auch angesichts der hohen Inzidenz im Kreis ist eine weitere Aufstockung der Intensivbetten auf der Corona-Station in Witzenhausen laut Schopper nicht notwendig. Bereits zur ersten Covid-Welle wurde die Anzahl der Intensivbetten auf zwölf erhöht, „aktueller Regelbetrieb sind circa acht Intensivbetten“. Das reiche aus, dass weiterhin Patienten aus Kassel übernommen werden konnten, ohne die Versorgung im eigenen Kreis zu gefährden.

Masken für Senioren

In Witzenhausen sollen Personal in den Kindergärten, Angestellte der Verwaltung, Feuerwehren, Wahlhelfer und andere Ehrenamtliche sowie Senioren über 75 Jahre jetzt von der Stadt mit FFP2-Masken ausgestattet werden. 23 000 dieser Schutzmasken hat die Stadt gekauft, davon 12 000 für Senioren.

In den Ortsteilen werden sie von Ortsvorstehern, Kirchengemeinde und Seniorenrat verteilt. Etwa 2000 Über-75-Jährige sollen Anfang Februar je sechs Masken bekommen. „Für Senioren gibt es zwar bereits die Gutscheine der Bundesregierung, aber wir wollen sicher gehen, dass auch wirklich alle über ausreichend Schutzmasken verfügen“, so die Beauftragte für Gleichstellung und Integration, Katja Eggert. Senioren aus der Kernstadt sollen angeschrieben werden, wo und wann sie ihre Masken abholen können. „Verschicken können wir sie leider nicht“, sagt Hauptamtsleiter Michael Zimmermann. Der finanzielle Aufwand sei zu groß. Bürgermeister Daniel Herz versichert, dass aber jeder an seine Masken kommen wird, denn die Stadt sehe den Bedarf. „Wir wollen dazu beitragen, dass eine langfristige Versorgung gesichert ist.“

Derweil fordern Sozialverbände auch die Verteilung von Schutzmasken an Empfänger von Sozialleistungen. Das sei aber Sache des Bundes, „da kann der Landkreis nicht einfach vorpreschen“, sagt Kreissprecher Jörg Klinge auf Anfrage.

Grundsätzlich habe zwar der Kreistag die Hoheit über den Haushalt – er könne aber nur über die ohnehin nur im geringen Umfang vorhandenen freiwilligen Leistungen selbst verfügen und dürfe keine Pflichtaufgaben zur Finanzierung anderer Maßnahmen – wie dem Kauf von Masken – streichen. Immerhin, so Klinge: Mit Geld vom Land habe man vor Weihnachten die Tafeln und ihre Kunden mit Schutzmasken ausstatten können.

Hilfe für Hospizarbeit

Der Ambulante Hospizdienst Großalmerode/Hessisch Lichtenau hat vom Land vier Tablets erhalten, um Menschen in der letzten Lebensphase virtuellen Kontakt zu ihren Angehörigen zu ermöglichen.

Die Leiterin des Hospizdienstes, Petra Lautenbach, freut sich über die neuen, digitalen Möglichkeiten: „Unser Ziel ist es, dass Menschen, die ihre Angehörigen nicht mehr persönlich treffen können oder aufgrund der Pandemie treffen dürfen, dennoch in den letzten Stunden Abschied nehmen können.“ Wie Thomas Lange, der Sprecher von Lichtenau e.V., mitteilt, dürfen die ehrenamtlichen Begleiter des Hospizdienstes Sterbende betreuen.

Keine Gottesdienste

In den Kirchen sollen Präsenzgottesdienste wegen der gestiegenen Inzidenz bis zum Ende des jetzigen Lockdowns am 14. Februar ausfallen, bittet Dekanin Ulrike Laakmann. „Die Entscheidung liegt nach wie vor bei den Kirchenvorständen.“

Laakmann wirbt dafür, erneut auf Alternativformate über Telefon, Video, Radio oder schriftliche Angebote zurückzugreifen. Beerdigungen und Trauerfeiern fänden mit möglichst kleiner Teilnehmerzahl weiter statt; bei mehr als zehn Teilnehmern müssten sie beim Ordnungsamt zwei Tage zuvor angemeldet werden. (fst, hbk, nde)

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