1. Startseite
  2. Lokales
  3. Witzenhausen

Rebhuhn und Feldhase sollen nicht mehr bejagt werden dürfen

Erstellt:

Von: Tobias Stück, Carolin Eberth

Kommentare

In den meisten Hegegemeinschaften im Werra-Meißner-Kreis wurde auf eine Bejagung des Feldhasen in den vergangenen Jahrzehnten weitestgehend verzichtet.
In den meisten Hegegemeinschaften im Werra-Meißner-Kreis wurde auf eine Bejagung des Feldhasen in den vergangenen Jahrzehnten weitestgehend verzichtet. © Carolin Eberth

Nach dem Entwurf der neuen Hessischen Jagdverordnung sollen in Zukunft Rebhuhn und Feldhase nicht mehr bejagt werden dürfen.

Werra-Meißner – Erarbeitet wurde der Entwurf vom Hessischen Ministerium für Umwelt, Klimaschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz. Besonders in der heimischen Jägerschaft stößt der Entwurf aktuell auf scharfe Kritik.

Bisher wurde die Feldhasenbejagung unter wissenschaftlicher Leitung des Arbeitskreises Wildbiologie an der Universität Gießen durchgeführt – das sogenannte Feldhasen-Monitoring. Jäger haben im Frühjahr und Herbst in aufwendiger Weise den Hasenbesatz ermittelt. Nur bei einem deutlichen Zuwachs durfte der Feldhase dann bejagt werden. Im Durchschnitt hätten die Jäger in den vergangenen Jahren jährlich 20 000 Hasen in Hessen entnehmen können. Erlegt wurden jedoch nicht einmal 2000 Hasen. Das Monitoring bestätigt zudem, dass die Hasenpopulation seit 2016 sogar wieder deutlich angestiegen ist.

Die geplante Jagdverordnung entzieht nun den Hegegemeinschaften die Zuständigkeit für die Bestanderfassung und auch für eine eventuelle Bejagungsplanung. „Dies empfinden wir als einen Frontalangriff auf die ehrenamtliche Selbstverwaltung der Jägerschaft und auf das Ehrenamt insgesamt“, sagt Rainer Stelzner, der Vorsitzende des Jagdvereins Hubertus. In den meisten Hegegemeinschaften im Werra-Meißner-Kreis wurde auf eine Bejagung des Feldhasen in den vergangenen Jahrzehnten weitestgehend und auf eine Bejagung des Rebhuhns vollständig verzichtet.

„Steigende Populationen wurden wissenschaftlich festgestellt, trotzdem wird willkürlich durchgegriffen und ideologische Festlegungen getroffen. Für Wildbiologen, Jagdrechtsinhaber und die Jägerschaft ist das nicht ansatzweise nachvollziehbar“, kritisiert auch Wilfried Marschewka, Vorsitzender des Kreisjagdvereins Hersfeld.

Auch Jagdprüfung soll schwieriger werden

Die 2015 überarbeitete Hessischen Jagdverordnung läuft zum 31. Dezember aus. Spätestens bis zu diesem Zeitpunkt muss sie durch eine neue Verordnung ersetzt oder verlängert werden. Ein weiterer Kritikpunkt an der geplanten Jagdverordnung ist, dass die Jägerprüfung erschwert werden soll. „Die Anforderung für das jagdliche Schießen bei der Jägerprüfung wird beinahe auf das Niveau von Schießsportwettbewerben angehoben. Das ist völlig praxisfern“, sagt Stelzner. ebe/ts

Auch die Rebhuhn-Zählungen zeigen, dass es in Hessen Besätze gibt, die im Rahmen des jährlichen Zuwachses sogar nachhaltig bejagt werden können. In einigen Regionen wurden selbst bei intensivster landwirtschaftlicher Nutzung Frühjahrspaardichten von fünf bis sieben Paarhühnern auf 100 Hektar Offenland ermittelt. Solche Spitzenbesätze kommen nicht alleine vom Wetter und der Lage. Solche Besätze sind dort vorhanden, wo auch umfangreiche Hegemaßnahmen betrieben werden“, meint Dr. Dietrich Karpa. (Carolin Eberth und Tobias Stück)

Auch interessant

Kommentare