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Jagdhunde stecken in Abflussrohr fest - Tiefbaufirma muss anrücken

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Von: Stefanie Salzmann

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Nach geglückter Rettung: Ein Teil des Bergungsteams, das im Januar zwei Jagdhunde, die in einer Abwasserröhre festsaßen, rettete – in der Mitte Hundeführer Sebastian Ludwig mit Winnetou auf dem Arm.
Nach geglückter Rettung: Ein Teil des Bergungsteams, das im Januar zwei Jagdhunde, die in einer Abwasserröhre festsaßen, rettete – in der Mitte Hundeführer Sebastian Ludwig mit Winnetou auf dem Arm. © Stephan Boschen

Drei Jagdhunde tauchen nach einer Treibjagd nicht wieder auf. Sie stecken in einem Abflussrohr fest. Die Dorfgemeinschaft von Lüderbach beteiligt sich an der Befreiungsaktion.

Lüderbach – Mehr als 24 Stunden dauerte der Einsatz, bis Nala, Abahachi und Winnetou gerettet waren. Die drei Jagdhunde waren vor Kurzem bei einer Treibjagd im Revier Hohenhaus abhandengekommen; wie sich herausstellte, steckten die Bracken-Terrier-Mischlinge in einem 40 Meter langen Abwasserrohr bei Lüderbach fest. Unter Einsatz der halben Lüderbacher Dorfgemeinschaft konnten die Hunde in einer „irren Aktion“, so Hohenhaus-Gutsverwalter Stephan Boschen, am Nachmittag des folgenden Tages gerettet werden.

Noch heute, Wochen später, ist der aus dem Altmühltal stammende Hundeführer Sebastian Ludwig gerührt, was die Lüderbacher auf die Beine stellten, um seine Hunde zu retten. „Das war einfach überwältigend“, sagt er. In den 15 Jahren, die er als Hundeführer bei Treibjagden unterwegs ist, habe er dergleichen noch nie erlebt.

Was war passiert? Nach Jagdende am Samstagmittag fehlen aus der 20-köpfigen Hundemeute drei Tiere. Die Sender ihrer Ortungshalsbänder senden keine Signale mehr. Er und Stephan Boschen fahren zu der Stelle bei Lüderbach, wo das letzte Signal herkam. Doch von den Hunden fehlt jede Spur. Obwohl die beiden Männer auch im Laufe der Nacht immer wieder dort suchen, gibt es kein Lebenszeichen der Hunde. Erst am nächsten Morgen kommt Ludwig einer seiner Hunde entgegengelaufen, und er entdeckt die zugewachsene Öffnung eines Abwasserrohres, worin er seine Tiere vermutet. Ein Blick mit der Taschenlampe bestätigt das. Doch die Hunde reagieren weder auf Rufen noch Locken.

Mirko Lorbach organisiert den Bagger der Gemeinde, um die Hunde freizugraben. Doch schnell stellt sich raus, dass das Rohr acht Meter unter der Erde liegt. Deshalb wird eine Tiefbaufirma aus Nesselröden aktiviert, die mit schwerem Gerät anrückt und ebenfalls anfängt zu buddeln.

Dank Rohrkamera war zu erkennen, dass die Hunde in der Röhre unverletzt waren.
Dank Rohrkamera war zu erkennen, dass die Hunde in der Röhre unverletzt waren. © Stephan Boschen

Unterdessen hat sich um die Rettungsstelle das halbe Dorf versammelt. Männer schleppen Dachlatten an, schrauben sie zusammen, um die Hunde zu erreichen; Frauen bringen heiße Getränke und jemand organisiert eine Kamera samt Monitor, mit der sonst Abwasserkanäle befahren werden. „Damit konnten wir zumindest sehen, dass die Hunde nicht verletzt sind“, so Stephan Boschen.

Warum die Tiere das Rohr nicht verlassen haben, darüber kann auch Ludwig nur mutmaßen. „Vermutlich waren die total verängstigt“, sagt er. Er geht davon aus, dass die Hunde einem Fuchs in die Röhre gefolgt waren. Weil sich das alte Rohr aber an einer Stelle abgesenkt hatte, war zumindest den Hunden der Weg versperrt.

Lockversuch: Sebastian Ludwig ruft seine Tiere.
Lockversuch: Sebastian Ludwig ruft seine Tiere. © Stephan Boschen

Während der Hundeführer dann an einem Ende der Röhre liegt und immer wieder nach Abahachi und Winnetou ruft, versuchen die Männer von der anderen Richtung die Hunde mit den Dachlatten zu erreichen. Plötzlich dreht sich Abahachi und läuft aus der Röhre. Winnetou schafft das erst nach einem kleinen Stups mit der Latte. „Das ist der Lieblingshund meiner Kinder“, sagt Ludwig, als er Winnetou im Arm hält und dankt den Lüderbachern: „Das war mega.“ (Stefanie Salzmann)

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