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42 Wolfsnachweise bis Ende Oktober im Werra-Meißner-Kreis - die Zahl der Sichtungen liegt weit darüber

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Von: Stefanie Salzmann

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Die meisten Wolfsnachweise Hessens kommen aus Nordhessen. Der Jagdverband Hubertus fordert, dass der Wolf dem Jagdgesetz unterstellt wird.
Die meisten Wolfsnachweise Hessens kommen aus Nordhessen. Der Jagdverband Hubertus fordert, dass der Wolf dem Jagdgesetz unterstellt wird. © DJV

Der Werra-Meißner-Kreis hat die höchste Wolfsdichte Hessens. Täglich gibt es Sichtungen von einem oder mehreren Wölfen in der Region. Aus Sicht der Jägerschaft kollidiere die starke Ausbreitung der Wölfe mit der Landschaftspflege, aber auch mit den Rotwildbeständen. Daher fordern die Jäger, dass das Großraubtier dem Jagdgesetz unterstellt wird, um dessen bestände bei Bedarf regulieren zu können.

Werra-Meißner – Die Jägerschaft im Werra-Meißner-Kreis ist beunruhigt über die rasante Zunahme der Wolfsbeobachtungen in der Region. Der Jagdverband Hubertus Kreis Eschwege fordert daher, dass der Wolf in das Jagdrecht aufgenommen wird. Zugleich sollten Rotwild und Rehe in Wolfsgebieten nur noch sehr schonend und angepasst bejagt werden. Und schließlich, wo Mufflons leben oder wo sich Haustierrisse häufen, sollte auch eine Vergrämungsjagd auf Wölfe möglich sein.

Problem nicht klein reden und verharmlosen

Dabei schränkt Rainer Stelzner, Vorsitzender des Jagdvereins ein, dass die Jägerschaft die Wiederausbreitung der Wölfe als Teil der Tierwelt in Deutschland nicht grundsätzlich ablehne. Andererseits könne es aber nicht angehen, dass mit der Ausbreitung eines solchen Großraubtiers verbundene Probleme und Gefahren konsequent kleingeredet und verharmlost würden.

2022 gab es bis Ende Oktober 158 vom Land anerkannte Wolfsnachweise

Im Jahr 2022 hat es bis Ende Oktober in ganz Hessen 158 vom Wolfszentrum des Landes Hessen anerkannte Wolfsnachweise gegeben. Dies sind dokumentierte Sichtbeobachtungen und nachgewiesene Wolfsrisse. Davon entfallen allein 42 auf den Werra-Meißner-Kreis, der zusammen mit den Nachbarkreisen Hersfeld-Rotenburg und Schwalm-Eder den größten Teil aller Wolfsnachweise in Hessen liefert. Auch die Geburt von Wolfswelpen und damit die Bildung eines Rudels sind für das Stölzinger Gebirge bei Waldkappel inzwischen eindeutig belegt.

Bei den meisten Wildtierrissen handelt es sich um Rotwild

Das ausgerechnet die nordosthessischen Kreise am dichtesten von Wölfen besiedelt werden, sei laut Stelzner kein Zufall, denn hier gibt es ein nahezu geschlossenes Verbreitungsgebiet des Rotwildes. Seit sich Wölfe in Deutschland ausbreiten, folgen sie dem Rotwild, das eins ihrer Hauptbeutetiere darstellt. Bei 16 allein in diesem Jahr in Hessen anerkannten Wildtierrissen durch Wölfe war es in zwölf Fällen Rotwild, meist junge Hirschkühe oder Rotwildkälber, dreimal Rehe und einmal ein Muffelschaf. Bisher wurden in 2022 Haustierrisse in 17 Fällen anerkannt, 14 Schafe, zwei Kälber und eine Ziege.

„Diese Zahlen zeigen allerdings nur die Spitze des Eisbergs“

„Diese Zahlen zeigen allerdings nur die Spitze des Eisbergs“, ist Stelzner überzeugt. „Viele Wolfsbeobachtungen werden gar nicht mehr an das Wolfszentrum Hessen gemeldet und der absolut größte Teil der Wildtierrisse wird sicher nicht bemerkt und gemeldet.“

Die Zahlen belegen aber deutlich, wie wichtig das Rotwild als Beute des Wolfs ist. Leider habe das Land Hessen den Jägern in den letzten Jahren einen massiven Reduktionsabschuss des Rotwildes auferlegt. Der Grund sind die für untragbar gehaltenen Fraßschäden des Rotwildes an holzproduzierenden, forstlichen Nutzpflanzen.

„Hier aber wird es schwierig“, führt Stelzner weiter aus. „Einerseits will das Land Hessen, dass Wölfe in hoher Dichte in Hessen leben, andererseits aber soll die Zahl der Rothirsche stark vermindert werden. Damit steige die Wahrscheinlichkeit von Angriffen auf Nutztiere.

Wenn die Anzahl der Rothirsche und Rehe weiter vermindert werden muss, so ist mit einer Zunahme von Wolfsrissen bei Haustieren, vor allem Schafen, aber auch Rindern und Pferden, zu rechnen.

Dies treffe den Werra-Meißner-Kreis besonders hart. Gerade bemüht sich der Geo-Naturpark, die Schafhaltung, insbesondere die stark rückläufige Wanderschäferei, aus Gründen des Naturschutzes und der Landschaftspflege zu erhalten und zu fördern. Da treffen die verbliebenen Schäfereien auf eine neue Bedrohung ihrer Existenz, die Wölfe. ((Stefanie Salzmann)

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