Im Einsatz gegen Müll

„Das nächste Mal vier Tüten“: Erstklässler sammelt illegalen Müll hinter Jestädt ein

Im Einsatz gegen Müll: Der siebenjährige Henri aus Jestädt sammelt den Müll rund um das Kieswerk auf. Dort geht er oft mit Hündin Bella spazieren.
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Im Einsatz gegen Müll: Der siebenjährige Henri aus Jestädt sammelt den Müll rund um das Kieswerk auf. Dort geht er oft mit Hündin Bella spazieren.

Erstklässler aus Jestädt sammelt jeden Tag beim Spazierengehen mit Hündin Bella Müll in der Gemeinde auf.

Jestädt – Beinahe jeden Nachmittag ist der siebenjährige Henri mit Labradorhündin Bella und seiner Mutter in der Gegend um das Kieswerk bei Jestädt unterwegs – und jetzt auch mit einer Mission. „Da liegt so extrem viel Müll rum“, schimpft der Erstklässler. „Joghurtbecher, kaputtes Spielzeug, Blumentöpfe, angeschnaufte Taschentücher, McDonald-Verpackungen, alles schmeißen die Leute einfach dorthin“, erzählt er.

Deshalb haben Henri und seine Mutter Anja Schößler sich mit Tüten bewaffnet und sind dem Müll zu Leibe gerückt. Von einer früheren Schulteroperation hatte Anja Schößler noch eine Zange, die Henri nun zum Sammeln benutzt. Zwei große Säcke sind schon auf der ersten Tour zusammengekommen. „Ich finde das toll, das mache ich jetzt immer wieder“, sagt Henri, der als einer der wenigen Kinder noch jeden Tag in seine Schule nach Grebendorf geht. „Corona geht mir auf die Nerven, heute wäre eigentlich Schwimmtag mit Opa gewesen.“

Erstklässler sammelt Müll in Jestädt auf: Mutter unterstützt Vorhaben

Seine Mutter unterstützt das Vorhaben des Müllsammelns: „Gerade jetzt muss man auch ein bisschen erfinderisch sein, was man so unternehmen kann“, sagt sie. Auch Henri versteht, dass die Leute im Moment mehr Zeit zum Spazieren gehen haben. Aber dafür, dass sie alles wegschmeißen, dafür hat er kein Verständnis. Hündin Bella habe schon aufgeschnittene Blechdosen im Maul gehabt und Glasscherben.

Allerdings steht die Familie jetzt vor einem anderen Problem: „Wir haben den gesammelten Müll jetzt mit nach Hause genommen und der steht jetzt bei uns. In Meinhard gibt es ja keine öffentlichen Mülleimer mehr.“ Im Zuge der erst kürzlich vom Bauhof der Gemeinde entfernten Mülleimer hatte Bürgermeister Gerhold Brill gesagt, dass in der Botanik gesammelter Müll von Bürgern bei der Verwaltung im Rathaus Grebendorf abgegeben werden kann.

Anlass für die Demontage von insgesamt 103 öffentlichen Mülleimern in Meinhard war, so Brill, ein Übermaß an illegaler Entsorgung von Hausmüll und Hundekottüten in den Behältern. Die Meinharder Mülleimer, die derzeit auf dem Gelände des Bauhofes eingelagert sind und zum Teil noch aus den 1980er-Jahren stammen, sollen wieder in Schuss gebracht beziehungsweise ersetzt werden. Einen Termin, ab wann Meinhard wieder öffentliche Mülleimer hat, nannte Brill noch nicht.

Der siebenjährige Henri hat ebenfalls Feuer gefangen beim Kampf gegen illegale Müllentsorgung. „Das nächste Mal nehme ich gleich vier große Tüten mit.“ (Von Stefanie Salzmann)

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