Ende für kleines Traditions-Kino: Die Kurfürst-Lichtspiele haben geschlossen

Jetzt gehen die Lichter aus

Schwerer Schritt: Alfred und Christa Krauss, hier im Saal der Kurfürst-Lichtspiele, schlossen das Kino aus finanziellen Gründen. Foto: Bretzler

Grossalmerode. Ein kleiner weißer Zettel hängt neben den Filmplakaten hinter Glas: „Das Kino ist geschlossen!“ Für Alfred und Christa Krauss, die Betreiber der Kurfürst-Lichtspiele, eine schwere, aber endgültige Entscheidung. Über 70 Jahre lang gab es das kleine Kino in Großalmerode, seit drei Generationen ist es in Familienbesitz.

„Damals standen die Leute Schlange, um in die Vorstellung zu kommen“, erinnert sich Alfred Krauss. Damals – das war vor über 50 Jahren, als noch sein Großvater das Haus führte.

Doch die Zeiten haben sich geändert. Das hat das Ehepaar in den vergangenen Jahren schmerzlich erlebt. „Wir haben einfach zu wenig Gäste“, bringt es Christa Krauss auf den Punkt. „Das Kino ist nicht mehr wirtschaftlich zu betreiben.“ Von der Kinokarte zum Preis von sechs Euro blieben nach Abzug der Gebühren für Verleih sowie der Kosten für Urheber-Tantiemen (Gema), Strom und Öl nur noch zwei Euro übrig. Jetzt stehe zudem die kalte Jahreszeit vor der Tür. Und weitere Heizkosten können sich die Krauss’ bei den wenigen Besuchern nicht leisten.

Noch vor zwölf Jahren hatten Alfred und Christa Krauss fest an den Fortbestand der Lichtspiele geglaubt. 400 000 D-Mark investierten sie in den Brandschutz, bauten feuerfeste Türen ein und sanierten Wände, Decken und die Heizungsanlage. Doch bereits acht Jahre später, 2006, wurde immer deutlicher, dass das Kino ein Zuschussgeschäft ist. Damals wollten engagierte Großalmeröder das Kino retten – doch es gelang nicht.

Trotzdem liegt es dem Ehepaar bei aller Enttäuschung fern, Vorwürfe zu machen. Beide sehen der Relatität ins Auge und argumentieren sachlich: „Letzte Woche hatten wir von Donnerstag bis Montag sechs Besucher. Das reicht einfach nicht.“

Weh tut es den beiden trotzdem, dass eine Ära nun zu Ende geht. „Mein Mann war Filmvorführer aus Leidenschaft“, sagt Christa Krauss. „Das Kino war sein Leben.“

Beide wollen den Saal, der knapp 200 Menschen fasst, nun für Theatervorführungen, Vorträge oder andere Anlässe vermieten. Wer Interesse hat, kann sich bei Alfred Krauss, Tel. 0 56 04/62 80 melden.

Von Kathrin Bretzler

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