Kabarett-Konzert

Kabarett in Berkatal: Arnim Töpel eröffnet die Saison der Kulturinitiative Hängnichrum

In seinem Element: Töpel spricht in Mundart und berichtet vom Leben in der Kurpfalz.
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In seinem Element: Töpel spricht in Mundart und berichtet vom Leben in der Kurpfalz.

Nach zwei Verschiebungen fand der Künstler Arnim Töpel am Samstagabend doch noch den Weg zur Kulturinitiative Hängnichrum auf dem Hof der Kneipe Öx.

Frankershausen: Mit einem Kabarett, das jeder Klassifizierung entgeht, begeisterte der Künstler Armin Töpel zum vierten Mal das Publikum, weshalb ihn der Verein längst zum Inventar zählt. 55 Besucher waren zu dem ersten Open-Air-Kabarett dieser Art und gleichzeitig dem ersten Auftritt dieses Jahres zugelassen; unter angemessenen Hygieneauflagen genossen sie in kleinen Tischgruppen den amüsanten Abend auf dem Hof der Kneipe Öx.

In einem feinen anthrazitfarbenen Anzug durchleuchtete der ehemalige Radiomoderator die deutsche Sprache mit ihren Dialekten und Akzenten – und analysierte die aufreibende innerdeutsche Migration, die seine Kindheit prägte: Eine Berliner Familie mit hochdeutscher Zunge zieht in die tiefste Kurpfalz und kämpft in Schule und Freizeit ums Überleben. Wer denkt, dass Witze über Sprachgewohnheiten im Kabarett längst abgedroschen sind, wurde schnell eines Besseren belehrt. Mit charmanter, harmonischer Stimme entlockt der Heidelberger dabei jedem gesellschaftlichen Trend dezent-sarkastisch seine faulen Seiten: „Stammbäume neigen in der heutigen Zeit zur Heckenform. Mit etwas Glück werden Sie Ihre eigene Oma!“

Er verbindet spannende Piano-Einlagen mit kreativem Blues gepaart mit Pop-Einlagen und Witz.

Sein Markenzeichen: Spannende Piano-Einlagen, welche durch kreativen Blues gepaart mit Pop-Einlagen geprägt sind, fügen sich nahtlos in das Programm ein und ergänzen seine Geschichten – ohne dem Publikum im Geiste akrobatische Meisterleistungen abzuverlangen. Eine fast schon unikale Seltenheit. Zu Recht kann man sich als Besucher die Frage stellen: Ist das ein virtuoses Kabarett oder ein humorvolles Konzert mit sinnbehafteten Texten, die in unserer post-modernen Welt wie ein Schimmern vergangener Zeiten wirken? Eindeutig lässt sich das nicht beantworten, aber fest steht: Es ist Unterhaltung pur.

Nach einer seriösen Halbzeit mit Überlebenstipps für das Leben in der Kurpfalz packt der gelernte Rechtsanwalt auch noch seine verrückte Seite aus: Statt Arnim steht Günther aus Heidelberg mit bester Mundart auf der Bühne und eröffnet den Besuchern in A-cappella-Einlagen mit einem Backen-Konzert ein – womöglich – aufsteigendes Genre. Zum Abschluss setzt er dem sonst so tiefsinnigen Programm die Krone auf: Bei einer Bass-Einlage präsentiert er einen flotten „Knieschwung“ und sinniert über Allergien – und Steine. Fazit: charmant tiefgründig, überraschend abwechslungsreich und nicht zu vergleichen.

Von Lorenz Schöggl

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