Karl-Heinz Brill bringt sich seit über 50 Jahren in der Kirche ein

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Aktivposten in Werleshausens Kirchengemeinde: Karl-Heinz Brill, der beim Küsterdienst auch Nummern der Lieder anzeigt, die Gottesdienst gesungen werden.

Was wäre Werleshausen ohne Karl-Heinz Brill? Denn Kalle, wie ihn Freunde nennen, ist ein Multitalent in Multifunktion. Ganz besonders hat er es mit der Kirche.

Seit über einem halben Jahrhundert engagiert sich der 70-Jährige in der evangelischen Kirchengemeinde - geistig und körperlich.

„Einmal Kirche, immer Kirche“, weiß auch Ehefrau Anita, mit der er in drei Jahren goldene Hochzeit feiert. „Ich habe ihn so kennen gelernt.“ Und wenn sie ihn mal suchte, wusste sie genau, wo: „Karl-Heinz war beim Pfarrer.“ Aktuell heißt der Martin Laakmann und ist „für uns ein Glücksfall“, schwärmt Karl-Heinz Brill von dem Seelsorger, der im Dorf viel zu Fuß unterwegs sei und „immer ein offenes Ohr für Jeden“ habe.

Brill selbst ist aus ähnlichem Holz geschnitzt: In einem christlichen Elternhaus aufgewachsen, hatte er sein „Aha-Erlebnis“ mit der Konfirmation und engagierte sich schon als 14-Jähriger in der kirchlichen Jugendarbeit. Er leitete Kindergottesdienste, mischte in der Jungschar mit oder half bei Freizeiten. 46 Jahre lang war er als Lektor sowas wie ein Ersatzpfarrer, hielt über 350 Gottesdienste in Werleshausen, Neuseesen und Unterrieden, aber auch in Ermschwerd oder Neu-Eichenberg. Anfangs habe er Lampenfieber gehabt. Weil er nicht wie ein „echter“ Pfarrer den Talar, sondern einen dunklen Anzug trug, sagt Brill „da konnte jeder sehen, wenn mir bei der Predigt die Knie zitterten.“ Die war ihm stets von höherer Stelle vorgeschrieben, allerdings habe er „auch mal einen Satz weggelassen oder hinzugefügt. Ein bisschen Freiheit muss sein.“

Dem Kirchenvorstand gehört Brill seit 34 Jahren an. Sieht man vom Pfarrer ab, ist er in dem sechsköpfigen Gremium der „Hahn im Korb“. Viel Kraft brauchte er selbst, als zwischen 2003 und 2005 die Dorfkirche der 400-Seelen-Gemeinde von innen saniert wurde. Neben den professionellen Handwerkern hat er mehr als 500 Stunden investiert, Elektrokabel verlegt, die Holzvertäfelung angebracht und mit vielen Helfern den Boden über dem Kirchenschiff komplett entrümpelt. „Unmengen von Schutt“ wurden per Eimer herabgelassen - eine staubige Angelegenheit.

Seit drei Jahren besorgt er die Friedhofsverwaltung und hält mit seiner Rentnertruppe den Gottesacker in Schuss. In Werleshausen stirbt’s sich günstig. „Die Friedhofsgebühren“, sagt Brill, „sind 60 Prozent niedriger als in der Stadt“. So viel Ehrenamt sei aber nur leistbar, „wenn man eine Frau hat, die nicht meckert“, macht der 70-Jährige seiner Anita ein Kompliment. Die ist längst mit dabei, reinigt die Kirche und sorgt für frische Blumen.

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