Dämmplatten verbrannt?

Kein Gift im Gelstertal: Entsorgungsfirma weist Vorwürfe zurück

Werden hier giftige Dämmstoffe verbrannt? Die Fraktion der Freien Wähler will klären lassen, ob vom Ersatzbrennstoffkraftwerk von B&T eine Gefahr für die Gesundheit ausgeht. Foto: Archiv

Witzenhausen. Das Entsorgungsunternehmen B&T hat auf HNA-Anfrage den Verdacht zurückgewiesen, dass in ihrem Ersatzbrennstoffkraftwerk bei Witzenhausen im großen Stil giftige Dämmplatten verbrannt werden.

Das hatte ein Artikel der Süddeutschen Zeitung (SZ) über die schwierige Entsorgung von Dämmplatten nahegelegt, die das gesundheitsschädliche Flammschutzmittel Hexabromcyclododecan (HBCD) enthalten. Nun wollen die Freien Wähler in der übernächsten Stadtverordnetenversammlung den Witzenhäuser Magistrat damit beauftragen, die Aussagen des SZ-Artikels prüfen zu lassen, kündigt FWG-Vorsitzender Waldemar Rescher an.

FWG-Stadtverordnete Beate Oetzel weist in einer Pressemitteilung darauf hin, dass im Witzenhäuser Kraftwerk kein Bau- und Abbruchabfall entsorgt werden dürfe. „Es stellt sich somit die Frage, inwieweit der gesamte Abfallinput überhaupt auf seine Zulässigkeit geprüft wird und ob das Regierungspräsidium als Kontrollbehörde seiner Aufgabe nachkommt“, schreibt Oetzel.

Auf HNA-Anfrage bestätigte B&T-Prokurist Kurt Wengenroth, dass in Witzenhausen keine Dämmstoffe angenommen werden dürfen. B&T verbrenne in Witzenhausen nur Müll, der von der Entsorgungsanlage Deiderode zu so genannten „mittel-kalorischen Ersatzbrennstoffen“ aufbereitet werde. Aufbereitetes styroporhaltiges Dämmmaterial sei wegen des hohen Erdölanteils dagegen ein besonders energiereicher Brennstoff. Dieser würde wegen der hohen Hitzeentwicklung in anderen Anlagen verbrannt.

Es liege in der Verantwortung der Aufbereitungsanlage in Deiderode, den dort angelieferten Müll und Bauschutt in seine Bestandteile zu trennen und gefährliche Materialien über Abfallschlüssel zu kennzeichen, sagt Wengenroth. „Ich will aber nicht völlig ausschließen, dass auch in unserem Input in geringem Umfang Styroporreste enthalten sind.“

Dennoch müssten sich die Witzenhäuser keine Sorgen machen, dass bei der Verbrennung gefährliche Dioxine freigesetzt werden. „Zu den in dem Zeitungsartikel problematisierten möglichen Dioxin-Belastungen liegen wir nach den aktuellsten Messungen bei diesem Parameter um den Faktor 100 unter dem zulässigen Grenzwert“, so Wengenroth. Laut dem Emissionsbericht des Werkes für 2013 lag der Mittelwert des maximalen Messwertes bei 0,003 Nanogramm pro Kubikmeter, erlaubt wären 0,1 Nanogramm.

„Wir haben nichts zu verbergen“, betont Wengenroth. Jeder Interessierte könne sich melden und über die Anlage informieren. „Doch diese Anfragen bekommen wir nicht.“ (fst)

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