Ansturm für das Weihnachtsessen

Keine Gänse mehr fürs Fest: Direktvermarkter im Kreis sind weitgehend ausverkauft

Ein klassisches Gericht an den Weihnachtsfeiertagen: Klöße mit Rotkohl und Gänsekeule.
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Ein klassisches Gericht an den Weihnachtsfeiertagen: Klöße mit Rotkohl und Gänsekeule.

Mehr als drei Wochen vor den Feiertagen gehen den Direktvermarktern im Werra-Meißner-Kreis die Weihnachtsgänse aus.

Werra-Meißner - Wer jetzt noch eine Gans, die aus der Region kommt und vielleicht sogar noch aus einem Biobetrieb stammt, für das Weihnachtsfest ordern will, hat seit vorgestern schlechte Karten. „Das habe ich noch nie erlebt, das Telefon klingelt ohne Pause bei uns“, sagt Mike Dorsch vom gleichnamigen Geflügelhof bei Sontra.

Seit Dienstag dieser Woche seien sämtliche Gänse Dorsch" Haltung reserviert – und das sind immerhin um die 700 Stück. Nach dem „deprimierenden“ Ostern während des ersten Lockdowns habe er eher damit gerechnet, dass zu Weihnachten nicht alle Gänse weggehen. Deshalb habe er auch nicht mehr Küken als üblich zur Aufzucht bestellt. „Ich wollte nichts riskieren.“

„Doppelt so viele Gänse weggegangen wie in den Vorjahren“

Beim Gut Giesenhagen in Großalmerode, wo jährlich über 1000 Biogänse herangezogen werden, läuft seit gestern nur noch der Anrufbeantworter, der mitteilt, dass die Gänse alle sind. Einen nicht unerheblichen Teil der Tiere verkauft das Gut direkt ab Hof. „In diesem Jahr sind doppelt so viele Gänse weggegangen wie in den Vorjahren“, bestätigt auch Jonas Dorn, Schlacht- und Vertriebsleiter von Bioland Frischgeflügel in Witzenhausen-Unterrieden.

„Wir haben eigentlich erst am Wochenende Bestellschluss, mussten aber jetzt schon die Bremse ziehen“, sagt er. Enten und Puten aus der Tiefkühlung gebe es aber noch einige.

Bürger achten beim Kauf auf die Herkunft des Produkts

Auch das Öx in Berkatal-Frankershausen, das in diesem Jahr 800 Biogänse aufgezogen hat, stand am Mittwoch kurz vor dem Ausverkauf. „Die Nachfrage ist sehr groß“, sagt Jörg Kaiser, der für den landwirtschaftlichen Bereich des Betriebes zuständig ist. „Wenn die Leute selber kochen, achten sie darauf, dass die Gans aus Deutschland und nach Möglichkeit aus Freiland- oder Biohaltung kommt“, so die These zur großen Nachfrage auf die regionale Gans.

„Im Gegensatz zum Restaurant, wo man als Gast nicht immer Möglichkeit hat zu erfahren, woher das Tier kommt, ist den Leuten zu Hause die Herkunft wichtig.“ Foto: Tobias stück (Stefanie Salzmann)

Die Tradition der Weihnachtsgans

Gänseessen zu Weihnachten ist bei vielen Familien gesetzt. Der Ursprung dieser Tradition geht auf den katholischen Brauch der Martinsgans zurück, die vor Beginn der adventlichen Fastenzeit am 11. November gegessen wird. Am Heiligabend endet sie und es kommt wieder eine Gans als Festtagsbraten auf den Tisch. Dass Gänsebraten eine Besonderheit ist, beweist die Statistik: Der jährliche Pro-Kopf-Verbrauch von Gänsefleisch liegt bei uns bei gerade einmal 400 Gramm. 

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