Ausfall im Corona-Jahr

Sontra: Keine Karten für den Karneval - Hänselsänger hoffen auf Jubiläumsfeier

Zum ersten Mal 2015 auf der Bühne: Lars Walter (rechts) unterhielt die Karnevalsbesucher mit seiner Stimme.
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Zum ersten Mal 2015 auf der Bühne: Lars Walter (rechts) unterhielt die Karnevalsbesucher mit seiner Stimme.

Keine Klausurtagung, keine Proben, kein Kartenverkauf. Der Karneval macht coronabedingt für ein Jahr Pause. Die Hänselsänger hoffen aber auf das Jubiläumsfest im Mai.

Sontra – „Die Geschichte wiederholt sich“, sagte Günter Heese Ende Dezember leicht enttäuscht. Der 69-Jährige ist das Gesicht des Sontraer Karnevals und hatte schon im Jahr 1991 die schmerzliche Erfahrung gemacht, dass ein Jahr auch ohne Faschingsveranstaltung dahin gehen kann.

Die USA und ihre Verbündeten bombardieren Iraks Hauptstadt Bagdad. Täglich wurden im Golfkrieg hunderte schwerer Bombenangriffe geflogen, während in Deutschland die Karnevalszeit Fahrt aufnahm. „Darf man in einer solchen Situation feiern wie immer?“, lautete die Frage, die von allen Städten mit Nein beantwortet wurde. „Damals haben wir bis zum letzten Moment geprobt, ehe der Karneval abgesagt wurde“, erinnert sich Heese, der als Vorsitzender, Redner und Sänger den Veranstaltungen in den Folgejahren seinen Stempel aufdrückte.

Die Hänselsänger aus dem Jahr 1992: (h.l.n.r.) Günther Schleicher, Wolfgang Kraft, Rainer Marquardt, Karl-Heinz Sauermann, Jürgen Baurhenne, Bernd Weißmantel, Peter Hoffhenke, Silke Göpel, (v.l.n.r.) Volker Hühnert, Günter Heese, Günther Kühnert, Rolf Weber, Karsten Weißmantel, Jörg Sobek, Karl-Heinz Bill. Repro: Marvin HEinz

In diesem Jahr ist es wieder so, nur etwas anders. Heese darf sich schon von Beginn an zurücklehnen. Keine Klausurtagung, keine Proben, kein Kartenverkauf. Der Karneval macht coronabedingt für ein Jahr Pause. „Es ist seltsam, aber auch mal schön in dieser Zeit Freizeit zu haben“, sagte Heese im WR-Gespräch, ehe er zugibt, dass ihm etwas fehlt: „Die Vorfreude, die Stimmung und auch die Hektik in der Organisation wird nicht da sein.“ Bis in den Spätherbst habe er sich mit seinem Vereinskameraden noch draußen getroffen: „Da war schon klar, dass der Karneval ausfällt. Aufgrund der Auflagen hatten wir keine Möglichkeit zum Singen und Proben.“

Die 66-jährige Helga Kühnert ist seit 14 Jahren zweite Vorsitzende und stets mit den Damen der Hänselsänger auf der Bühne aktiv gewesen. „Die Eine hat die Idee, die Andere hat eine völlig andere Idee und so haben wir gemeinsam immer etwas spannendes und lustiges auf die Beine gestellt“, so Kühnert, die gerne an die Darbietungen von Rotkäppchen und Romeo und Julia zurückdenkt. Laut Kühnert seien das Miteinander und die positiven Rückmeldungen von Besuchern stets der Antrieb gewesen, weiter aktiv zu sein.

Die Hänselsänger 2020: (von links) Björn Walter, Bernhard Walter, Andreas Weichgrebe, Karsten Weißmantel, Holger Jakob, Michael Himpel, Günter Hesse, Lars Walter, Andreas Schindler. Es fehlt: Holger Reimold, Bernd Köcher.

Bernd Köcher ist seit 12 Jahren in verschiedenen Rollen als Redner und Sänger aktiv. Der 58-Jährige konnte durch seinen Lokalbezug stets die Lacher verbuchen. „Die meisten Ideen kommen von mir, wenn ich unterwegs bin. Beim Einkaufen, beim Autofahren oder an der Arbeit bekomme ich ganz spontan Gedanken, die ich dann festhalte und in Reden verarbeitete.“

Für 2021 hat er schon drei umgeschriebene Lieder am Schreibtisch ausformuliert. Aber verschont bleiben soll keiner. „Die Lieder werden wir hoffentlich 2022 oder 2023 nutzen können“, verspricht Köcher, der über die Absage des Karnevals sehr traurig ist: „2021 wäre mein Höhepunkt gewesen, weil ich genau am Rosenmontag Geburtstag habe, aber die Gesundheit geht vor.“

Auch seine Fahrt nach Köln zum Rosenmontag fällt aus. „Alles wurde storniert“, so Köcher, „hoffentlich ist der Karneval im kommenden Jahr wieder am Start. Wir sind froh, wenn wir dem Publikum endlich wieder was zeigen können, weil das fehlt auch uns.“

Erster Vorsitzende Bernhard Walter: Planung steht und fällt mit dem Corona-Jahr

Über den Ausfall der Karnevalssaison 2020/21 ist auch der Erste Vorsitzende der Hänselsänger, Bernhard Walter (66), betrübt. „Es ist eine traurige Lage, irgendwas fehlt uns allen“, sagt der erste Vorsitzende Bernhard Walter. Doch es sind nicht nur die abgesagten Veranstaltungen, die den Karnevalisten wehmütig werden lassen. „Das Vereinsleben leidet“, erklärt der 66-Jährige gegenüber unserer Zeitung.

Aktuell werde bei den Hänselsängern ausschließlich über WhatsApp kommuniziert. Einen Plan für dieses Jahr gibt es dennoch: Denn die Karnevalisten wollen ihr in diesem Jahr anstehendes 30-Jähriges-Jubiläum feiern. So sei geplant, am 15. Mai das Jubiläum zu feiern. „Dafür haben wir das Bürgerhaus reserviert. Wie es genau aussehen wird, wissen wir noch nicht“, sagt der Vorsitzende aber auch und erklärt „die Planung und die genaue Umsetzung steht und fällt mit der Entwicklung der Coronapandemie.“

So könne es sein, dass die Jubiläumsfeier wie schon der Karneval verschoben werden müsse. Dennoch zeigt sich Bernhard Walter positiv: „Aber nun haben wir erst mal eine Richtung vorgegeben und alle Mitglieder haben ein Ziel vor Augen. Das ist uns in der schwierigen Situation sehr wichtig.“ (Von Marvin Heinz)

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