Träger hatten Ministerium eingeschaltet

Keine Maskenpflicht für Kitapersonal - Kreisverwaltung nimmt Anordnung zurück

Unvermeidbar: Gerade im Krippenbereich, aber auch bei Kitakindern. ist körperliche Nähe zwischen Erzieherinnen und Kindern unvermeidlich.
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Unvermeidbar: Gerade im Krippenbereich, aber auch bei Kitakindern. ist körperliche Nähe zwischen Erzieherinnen und Kindern unvermeidlich.

Auf massive Kritik verschiedener Träger von Kitas und Krippen im Landkreis, darunter auch Bürgermeister, musste der Kreis jetzt eine Maskenpflicht-Anordnung zurücknehmen.

Werra-Meißner - Laut der Anordnung, hätte ab 1. Dezember eine durchgehende Maskenpflicht für Erzieherinnen und pädagogisches Personal in Kindergärten und Krippen gelten sollen.

Diese Anordnung hatte die Kitafachaufsicht des Kreises am vorigen Montag per E-Mail an alle Träger geschickt und aufgefordert, für ihr gesamtes pädagogisches Personal Maskenpflicht anzuordnen. Das geschah nach Informationen der WR nach Rücksprache der Fachaufsicht Kitas mit der Amtsärztin des Kreises, Dr. med. Annett Förste.

Die Ärztin entschied, dass auch Kindergärten als normale Arbeits- und Betriebsstätten anzusehen sind und damit auch dort Maskenpflicht für das Personal zu gelten habe. Im Landratsamt klingelten sich daraufhin die Telefone heiß. Kitaleitungen und Träger liefen Sturm.

Kein Hinweis auf derartige Auslegung in Verordnung

Bezogen hatte sich die Kita-fachaufsicht auf die inzwischen 22. Verordnung zur Bekämpfung des Coronavirus des Landes Hessen vom 30. November. In der ist allerdings kein Hinweis auf eine derartige Auslegung zu finden. Dennoch hatte Landrat Stefan Reuß zu Beginn der Bürgermeisterdienstversammlung am vorigen Montag noch vor Aufkommen einer Diskussion zum Thema klargestellt: Die Anordnung bleibt.

Allerdings hatten unterdessen Träger, die den Marschbefehl so nicht hinnehmen wollten, beim hessischen Sozialministerium um Klärung gebeten und diese erhalten. Die Landesbehörde hatte noch am Dienstag eine Hygieneempfehlung zum Schutz von Kindern und Beschäftigten in Kitas publiziert, in der zahlreiche Schutz- und Hygieneregeln aufgestellt sind, wozu aber keine Maskenpflicht für Erzieher gehört.

Gemeinde Meinhard: Weder Besuch noch Kunden kommen in Kita

Auch auf Anfrage der WR teilte das Ministerium mit: „Aus den Änderungen der Coronaverordnungen folgt keine solche Pflicht zum Tragen von Mund-Nasen-Schutz für Erzieherinnen und Erzieher. Die Kindertageseinrichtungen werden in § 1a der zweiten Coronaverordnung, wo für Gemeinschaftseinrichtungen im Sinne des Infektionsschutzgesetzes die Verpflichtung zum Tragen von MNS geregelt wird, nicht genannt“, heißt es aus der Pressestelle in Wiesbaden.

Widerstand gegen die Anordnung begründet beispielsweise die Gemeinde Meinhard als Träger mehrerer Kitas damit, dass in den Kitas weder Besuch noch Kunden kommen, selbst Eltern die Einrichtung nicht betreten dürfen, und die einzelnen Gruppen und Erzieher isoliert unterwegs seien.

Werra-Meißner-Kreis räumt unterschiedliche Interpretation ein

„Es besteht die Gefahr, dass das Personal sich gesundheitlich nicht in der Lage sieht, die Belastung durch eine achtstündige Maskenpflicht zu ertragen, und in den Krankenstand geht. Damit kommen wir in die Situation, dass Kindergärten wegen Personalmangels geschlossen werden müssen“, heißt es in einem Schreiben von Meinhards Bürgermeister Gerhold Brill an die hessische Staatskanzlei.

Ein Kindergarten sei auch seiner Auffassung nach nicht mit einer normalen Betriebsstätte zu vergleichen, auf die sich die Amtsärztin bezogen hatte. „Der Kontakt zu den Kindern dürfte sich mehr als schwierig gestalten, wenn die Erzieherinnen maskiert sind“, sagte Brill.

Nach der Rücknahme der Anordnung räumt auch der Landkreis ein, dass die 22. Coronaverordnung in mehreren Landkreisen „zu Irritationen und unterschiedlichen Interpretationen“ geführt habe, so der Sprecher des Kreises, Jörg Klinge.

Daher habe auch der Werra-Meißner-Kreis das Ministerium zur Klärung eingeschaltet. Von dort habe man klargestellt, dass die allgemeine, für alle Arbeits- und Betriebsstätten geltende Regelung der Corona-Kontakt- und Beschränkungsverordnung bei Kitaskeine Anwendung findet. (Stefanie Salzmann)

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