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Kinder finden Skelett in Grebendorf

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Von: Tobias Stück

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Die „Schätze“ der Kinder: Ein Oberschenkelknochen sowie Teile eines Schädels und eines Grabsteins.
Die „Schätze“ der Kinder: Ein Oberschenkelknochen sowie Teile eines Schädels und eines Grabsteins.  © Ulrike Käbberich

Grebendorf – Theo war begeistert. „Mama, ein Dinoknochen“, rief der Siebenjährige und hielt seiner Mutter am frühen Sonntagabend einen großen Knochen entgegen. Mit jedem Schritt, den der Junge seiner Mutter näher kam, wuchs in der jungen Frau die Gewissheit, dass es sich hierbei auf keinen Fall um einen paläontologischen Sensationsfund handeln konnte.

Das Fundstück ähnelte eher einem menschlichen Knochen.

Was war geschehen? Am Sonntagnachmittag spielte der Junge wie so oft mit Aaron (6) und Lennox (3), seinen Kumpels aus der Nachbarschaft, auf dem großen Erdhaufen, der am Sport- und Festplatz am Ziegelweg in Grebendorf aufgehäuft war. Neu dazugekommen war ein kleinerer Erdhaufen, den der Bauhof der Gemeinde wohl erst wenige Tage zuvor angefahren und abgeladen hatte. Auch hier buddelten die drei Jungs. Schon nach etwa 30 Zentimeter stießen sie auf den großen Knochen, der für die kleinen Forscher im besten Dinosaurier-Fan-Alter wie ein Reptilienknochen aus längst vergangenen Zeiten anmutete.

Eltern ordnen die Funde schnell ein

Als sie nach Hause kamen, präsentierten die kleinen Abenteurer stolz ihren Eltern ihre „Schätze“. Neben dem großen Knochen war es noch ein rundlicheres Stück und ein großer Stein. Die Eltern konnten die Funde schnell einordnen. Der große Knochen kam einem menschlichen Oberschenkelknochen sehr nahe, das runde Stück einer Schädeldecke. Und den großen Stein identifizierten sie als Teil eines Grabsteines. „Wir vermuteten, dass die Erde von einem Friedhof stammt“, berichtet die Mutter gegenüber unserer Zeitung.

Sicherheitshalber haben die Anwohner die Polizei gerufen. Die Beamten haben den Erdhaufen untersucht und die Funde sichergestellt. Am Montag haben sie Rücksprache mit der Gemeinde gehalten. „Bei den Knochenfunden handelt es sich tatsächlich um Reste von Erdarbeiten auf dem Friedhof“, bestätigt Polizeisprecher Jörg Künstler die Vermutung der Eltern. „Ein Straftatbestand liegt nicht vor“, so Künstler.

Entschuldigung bei allen Beteiligten

Meinhards Bürgermeister klärt die Umstände auf: Gemeindemitarbeiter hatten Ende vergangener Woche für ein neues Grab Boden ausgebaggert. Dabei müssen die sterblichen Überreste einer Begräbnisstätte, deren Liegezeit „schon lange abgelaufen war“, mitausgehoben worden sein. „Den Mitarbeitern ist das auf dem Friedhof nicht aufgefallen“, sagt Gerhold Brill, der sich bei allen Beteiligten entschuldigt. „Passieren darf das trotzdem nicht.“ Der Bauhof hat die zwischengelagerte Erde am Montagmorgen schon wieder eingesammelt. Die Knochen werden auf dem Friedhof wieder bestattet.

Von Tobias Stück

Rückgängig gemacht: Der Meinharder Bauhof hat den Erdhaufen am Montag wieder abgeholt.
Rückgängig gemacht: Der Meinharder Bauhof hat den Erdhaufen am Montag wieder abgeholt. © Foto: Anja Steinfeld/NH

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