Kinder in Not: Behörde verfolgt im Werra-Meißner-Kreis 74 Fälle

Werra-Meißner. Den Kindern geht es im Werra-Meißner-Kreis nicht immer gut. Nach Zahlen des Statistischen Landesamtes griff das Jugendamt 2016 in 74 Fällen ein, weil Kinder in Not waren.

„Kindeswohlgefährdungen“, wie das im Amtsdeutsch heißt, haben im Werra-Meißner-Kreis in den vergangenen beiden Jahren deutlich zugenommen. 2015 wurden gar 79 Fälle verfolgt, 15 waren es im Jahr 2012.

Die Anzahl der Verfahren hat sich nicht so deutlich verändert. 2012 waren es 225. Für 2015 verzeichnet das Landesamt 270 Fälle (laut Kreissprecher Jörg Klinge waren es 220) und 2016 dann 285 (Klinge: 227). Das Jugendamt habe in den vergangenen Jahren die Erfahrung gemacht, dass die Bevölkerung aufmerksamer ist und Auffälligkeiten schneller gemeldet werden, so Klinge.

Diese Erfahrung hat auch Birgit Schünemann-Homburg von der Frauenberatungsstelle gemacht. Diese wird ebenso wie Frauenhaus und Allerleihrauh, die Fachberatungsstelle bei sexueller Gewalt an Kindern und Jugendlichen, vom Verein Frauen für Frauen betrieben. Alle seien stärker sensibilisiert, sagt sie. „Und es gibt viel mehr standardisierte Verfahren.“ Heute sei klar: Lebt ein Kind in einer Familie, in der es häusliche Gewalt gibt, müsse eine Kindeswohlgefährdung vorliegen.

In Hessen stellten die Jugendämter landesweit im Jahr 2016 in 16 Prozent der Fälle eine akute und in 14 Prozent eine latente Kindeswohlgefährdung fest, erklärt Klinge. Insgesamt sei zu beobachten, dass Eltern zunehmend überfordert in der Erziehung und Versorgung ihrer Kinder seien, was zu Vernachlässigungen führe. Viele Eltern könnten auch nicht mehr auf ein sozial unterstützendes Netzwerk zurückgreifen.

Neben der Vernachlässigung haben die Behörden es laut Klinge auch zunehmend mit gewalttätigem Erziehungsverhalten, häuslicher Gewalt, deren Zeugen Kinder werden, oder sexueller Gewalt an Kindern zu tun. (nde)

Rubriklistenbild: © dpa

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