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Kinderfotos im Internet: Polizei warnt vor Gefahren für die Kleinen

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Von: Hannah Köllen

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Viele Kinderfotos landen in den Sozialen Medien. Das stellt eine Gefahr für die Kleinen dar.
Viele Kinderfotos landen in den Sozialen Medien. Das stellt eine Gefahr für die Kleinen dar. © Rainer Holz/dpa

Ob beim Schwimmen, Eis essen oder Radfahren: Viele Eltern fotografieren ihre Kinder und halten damit gemeinsame Momente als Erinnerung für später fest. Die Fotos landen aber immer häufiger nicht mehr nur im familieneigenenen Fotoalbum, sondern auch in den Sozialen Medien.

Werra-Meißner - „Sharenting“ nennt sich das Phänomen, wenn Eltern Fotos ihrer Kinder auf Facebook, Instagram oder anderen sozialen Netzwerken veröffentlichen. Der Begriff setzt sich aus den englischen Wörtern „to share“ für Teilen und „parenting“ für Erziehung zusammen.

Das leichtfertige Teilen der Fotos im Internet kann für die Kinder schnell zur Gefahr werden. „Insbesondere dann, wenn die Kinder in vermeintlich unverfänglichen Situationen und dann leicht bekleidet oder gar nackt zu sehen sind“, sagt Alexander Först, Polizeihauptkommissar der Polizeidirektion Werra-Meißner.

Nach solchen Fotos würden Menschen mit sexuellem Interesse an Kindern gezielt suchen, um diese Bilder dann „zu verwenden und anderen Personen zugänglich zu machen“.

Kinder mit einbeziehen

Först empfiehlt, die Kinder bei der Veröffentlichung von den Fotos mit einzubeziehen. „Das Veröffentlichen von Aufnahmen in peinlichen, unangenehmen oder gar unangemessenen Situationen sollte auf alle Fälle unterbleiben.“ Hier müsse man bedenken, „dass das Internet nichts vergisst und veröffentlichte Bilder immer wieder auftauchen können“. Först rät, die Privatsphäre-Einstellungen der sozialen Netzwerke so zu wählen, dass die Aufnahmen nur einem engen Bekanntenkreis angezeigt werden.

Ob sich Eltern beim Veröffentlichen von Kinderfotos strafbar machten, hänge immer vom Einzelfall ab. „Verboten ist alles, was in den Bereich der Kinder- und Jugendpornographie fällt.“

Mit dem Einverständnis aller Erziehungsberechtigten könnten normale und unverfängliche Kinderbilder „grundsätzlich veröffentlicht“ werden. „Zu beachten ist das Recht am eigenen Bild, das auch bei Kindern seine Anwendung findet.“ Wer sich dem widersetzt, müsse mit einer Freiheitsstrafe von bis zu einem Jahr oder mit einer Geldstrafe rechnen.

Veröffentlichung kann zur Gefahr werden

Ein Foto von den Kleinen am Strand oder im Pool: Viele Eltern knipsen ihre Kinder gerne und veröffentlichen die Fotos immer häufiger auch in den Sozialen Medien. „Sehr viele Kinder sind bereits vor ihrem zweiten Lebensjahr in der Social-Media-Welt präsent“, weiß Jörg Klinge, Pressesprecher des Werra-Meißner-Kreises.

Das Veröffentlichen der Fotos kann für die Kinder zur Gefahr werden. „Täter mit sexuellem Interesse an Kindern suchen gezielt solche Aufnahmen im Internet, um sie in pädosexuellen Netzwerken zu verbreiten“, sagt Klinge. Auch vermeintlich harmlose Bilder könnten „durch Nachbearbeitung oder veränderten Kontext die Personen auf dem Bild bloßstellen“. Dieses sogenannte Cyber-Mobbing können Täter nutzen, um den Kindern zu schaden. „In Verbindung mit persönlichen Daten und übermittelten Standortinformationen können auch reale Kontaktrisiken begünstigt werden“, sagt Klinge. Hier bestehe dann die Gefahr des Cybergroomings, wenn Erwachsene über das Internet ein Vertrauensverhältnis zu Kindern oder Jugendlichen aufbauen, um sie später zu sexuellen Handlungen zu bewegen.

Vielen Menschen sei zudem das Ausmaß der Verbreitung von Fotos im Internet nicht bewusst: „Obwohl ein Foto im Profil oder Blog gelöscht wird, können die Aufnahmen weiter kursieren. Andere können diese kopieren, verfremden und verbreiten“, sagt Klinge. Daher sei es wichtig, dass Erwachsene mit den Persönlichkeitsrechten der Kinder im Internet bewusst und rücksichtsvoll umgehen. „Es geht nicht darum, dass keine Kinderfotos im Internet gepostet werden, sondern, in welcher Art und Weise das geschieht.“

Peinliche oder unangemessene Bilder sind tabu

Klinge rät den Eltern, ihre Kinder in die Veröffentlichung ihrer Fotos mit einzubeziehen. Fotos von Kindern in peinlichen, unangenehmen oder unangemessenen Situationen sollten nicht ihren Weg ins Netz finden. „Denn was für Erwachsene im ersten Moment witzig erscheint, ist den Kindern in einigen Jahren vielleicht unangenehm“, sagt Klinge.

Zudem sollten sich Eltern gut überlegen, ob sie auf den Fotos das Gesicht ihres Kindes zeigen möchten. „Es gibt viele Alternativen, Kinderfotos zu posten, ohne die Persönlichkeitsrechte von Kindern zu verletzen.“ So könnte das Gesicht durch die Platzierung von Emojis oder durch eine Verpixelung unkenntlich gemacht werden.

Personenbezogene Daten wie Name, Alter oder Wohnort sollten beim Veröffentlichen der Fotos niemals genannt werden, damit die Bilder schwerer über die Suchmaschinen zu finden sind. Außerdem rät Klinge dazu, die Sicherheits- und Privatsphäre-Einstellungen in den Sozialen Netzwerken so einzustellen, dass nur ein möglichst kleiner Empfängerkreis auf die veröffentlichten Inhalte zugreifen kann.

Auf Risiken hinweisen

„Die Frage, wie viel vom Familienleben online preisgegeben wird, ist von Familie zu Familie unterschiedlich“, sagt Klinge. Wer ein problematisches Kinderfoto im Netz findet, könne in einem persönlichen Gespräch auf die Risiken hinweisen. „Letztlich bleibt es die Entscheidung der Eltern unter Einbeziehung ihrer Kinder, was und wie viel sie online mit der Welt teilen.“

Rat suchende Eltern können sich an „Click smart“ wenden. Das lokale Mediennetzwerk des Werra-Meißner-Kreises berät und unterstützt unter anderem Eltern in Online-Eltern-Talks zu verschiedenen Medienthemen.

Infos: clicksmart-wmk.de

Wie mit problematischen Fotos umgehen?

Wer im Netz auf solche Fotos stößt, der sollte den Urheber oder die Betroffenen auf die möglichen Gefahren aufmerksam machen. Bilder können bei Beschwerdestellen wie internet-beschwerdestelle.de oder jugendschutz.net gemeldet werden. „Darüber hinaus natürlich auch bei der Polizei“, sagt Alexander Först. Diese prüfe weitere rechtliche Schritte.

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