Bundesweite Aktionswoche

Kindern aus suchtkranken Familien eine Stimme geben

Häusliche Gewalt: Vor allem Kinder auch suchtkranken Familien werden jetzt noch stärker Opfer.
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Häusliche Gewalt: Vor allem Kinder auch suchtkranken Familien werden jetzt noch stärker Opfer.

Wenn Sorgen und Nöte im Alltag zur Belastung werden und Eltern zu Alkohol und Drogen greifen, dann leiden vor allem die Kinder. Ein Aktionswoche soll darauf aufmerksam machen.

Eschwege – Etwa drei Millionen Kinder und Jugendliche in Deutschland wachsen in einem Haushalt mit suchtkranken Eltern auf. Für sie stellten und stellen die Kontaktbeschränkungen der vergangenen Monate eine besondere Belastung dar. Der Stress in den Familien steigt und damit auch der Alkohol- und Drogenkonsum der suchtkranken Eltern.

Schon zu Beginn der Pandemie warnte die Weltgesundheitsorganisation vor erhöhtem Alkoholkonsum als Reaktion auf den zunehmenden Stress. Diese Befürchtung hat sich bestätigt.

Für Kinder aus Suchtfamilien bedeutete dies eine noch stärkere Bedrohung durch die Folgen der Sucht, etwa häusliche Gewalt. Mehrere Bundesländer meldeten eine deutliche Zunahme von entsprechenden Anzeigen. Gleichzeitig verstärkte die zeitweilige Schließung von Bildungs- und Freizeiteinrichtungen und die Beschränkung von Kontakten die Isolation der betroffenen Kinder und Jugendlichen. Zur inneren Isolation, die ihr Leben schon vor der Pandemie prägte, kam nun noch die äußere hinzu. Wesentliche Resilienzfaktoren, wie gesunde Beziehungen außerhalb der Familie und Möglichkeiten zur Distanz zum häuslichen Geschehen, fielen weg oder konnten nur sehr eingeschränkt aufrechterhalten werden.

Die Kinder und Jugendlichen litten zu Hause unter der zunehmend aggressiven Atmosphäre, Gewalt und sozialer Isolation. Sorgen um Infektionsrisiken und durchlebte Erkrankungen führten zu erheblichen psychischen Belastungen, nicht selten zu schweren Depressionen.

Die Auswirkungen der Pandemie fördern die Notwendigkeit eines flächendeckenden Netzes an Hilfeangeboten für Kinder und Jugendliche aus Suchtfamilien zutage. Sie brauchen Fachkräfte, die auch bei eingeschränkten Begegnungsmöglichkeiten den Kontakt halten, sensibilisiert sind für etwaige Gefährdungssituationen in den Familien und zumindest telefonisch oder über das Internet erreichbar sind.

In der Aktionswoche wird in der Öffentlichkeit auf die Situation von Kindern aus Suchtfamilien hingewiesen. Gefragt sind kreative Ideen und Wege, um dem Thema mehr Aufmerksamkeit zu verschaffen.

Alle Infos finden sich unter coa-aktionswoche.de. Ein direkter Kontakt ist über das Diakonische Werk Werra-Meißner, die Fachstelle für Suchthilfe und Prävention in Eschwege möglich: suchthilfe-eschwege.de  (salz)

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