Kinofilm untersucht Praktiken eines fragwürdigen Geschäftes

Christa Hecht Foto: Cortis

Witzenhausen. An verseuchtem Wasser sterben weltweit mehr Kinder als an den Folgen von Krieg, Aids, Malaria oder nach Verkehrsunfällen. Und wo sauberes Wasser Mangelware ist, muss man für anderthalb Liter, abgefüllt in Plastikflaschen, einen ganzen Tageslohn opfern, etwa in Regionen von Nigeria.

Allein diese beiden Feststellungen zeigen, wie brisant das Thema ist. Der preisgekrönte Dokumentarfilm „Bottled Life“ hatte Donnerstag nicht nur deutschlandweit, sondern auch im Capitol-Kino in Witzenhausen Premiere. Er blickt hinter die Praktiken eines fragwürdigen Geschäftes: wenn Wasser zur reinen Handelsware wird.

In dem 94-minütigen Streifen, der nochmals am Mittwoch um 20 Uhr im Capitol zu sehen ist, setzen sich der Schweizer TV-Journalist Res Gehriger und der Dokumentarfilmer Urs Schnell kritisch mit dem Schweizer Konzern Nestlé auseinander. Am Beispiel des größten Nahrungsmittelherstellers der Welt decken sie auf, wie sich Konzerne nicht nur in unterentwickelten Regionen zu einem Spottpreis den Zugriff auf wertvolle Quellen sichern oder durch Tiefbohrungen den Ärmsten der Armen buchstäblich das Wasser abgraben, um es anschließend als teures Lifestyleprodukt zu verkaufen.

Dass auch hierzulande „Bottled Life“ - übersetzt: das in Flaschen abgefüllte Leben - auf dem Vormarsch ist, begründete in der anschließenden Podiumsdiskussion der Chef der Stadtwerke Witzenhausen, Thomas Meil, mit dem Irrglauben vieler Menschen, Flaschenwasser sei besser und gesünder als Wasser aus der Leitung. Tatsächlich aber würden an die Qualität unseres Trinkwassers weitaus höhere Anforderungen gestellt als an Mineralwasserprodukte.

Jeder Mensch habe ein Recht auf sauberes Wasser, das als Gemeingut verstanden und so auch geschützt werden müsse, war die Kernaussage von Christa Hecht, Geschäftsführerin der Allianz der öffentlichen Wasserwirtschaft. Fachliche Erkenntnisse zur Wasserbelastung u. a. durch Nitrat steuerte der Landwirt und Diplom-Ingenieur Tom Raasch bei, der sich mit der Umsetzung der EU-Wasserrahmenrichtlinie im Werratal zwischen Ellershausen und Heldra befasst.

Moderiert wurde dieses lebhafte 38. Witzenhäuser Filmgespräch von Capitol-Chef Ralf Schuhmacher und Wolf von Bültzingslöwen. (zcc)

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