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Ostufer Werratalsee: Verbrannte Millionen und ein Kiosk

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Von: Stefanie Salzmann

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Immer häufiger bleiben die Badegäste am Ostufer des Sees wegen der Blaualgen und der ans Ufer geschwemmten Wasserpflanzen weg.
Immer häufiger bleiben die Badegäste am Ostufer des Sees wegen der Blaualgen und der ans Ufer geschwemmten Wasserpflanzen weg. © STEFANIE SALZMANN

Für das Ostufer des Werratalsees bei Schwebda wurden seit Jahrzehnten Ideen entwickelt, viel Geld für Planungen verbrannt. Passiert ist nicht viel, doch der Ort mit dem schönen Ausblick auf den Hohen Meißner ist zum Zankapfel widerstreitender Interessen geworden.

Schwebda – Dort, wo die Gemeinde Meinhard in den 1990er- und 2000er-Jahre eine Ferienhausanlage, vielleicht noch ein kleines Hotel bauen wollte, um endlich Schwung in den Tourismus rund um den Werratalsee und damit auch in die Kasse der Gemeinde zu bringen, gibt es heute einen Strand. Einen für Menschen und einen für Menschen mit Hunden. Es gibt einen Parkplatz für Ausflügler, der manchmal etwas, aber auch oft nichts kostet. Der Rasen des Badestrandes ist während der Badesaison gemäht, Schatten gibt es wenig, dafür einen Kiosk mit etwas spontanen Öffnungszeiten, dafür aber Pommes, Pulled Pork und Cocktails. Mit Letzterem in der Hand den Sonnenuntergang am Meißner zu genießen, gelingt nur selten, denn im Sommer geht die Sonne spät unter, der Kiosk schließt dafür aber so gegen 19 Uhr. Daneben liegt das Naturcamp mit Feuerstelle, Blockhütte, Tipis und Platz für Naturcamper.

Die Aussicht auf den Hohen Meißner und linkerhand die Leuchtberge ist wunderbar – wer ihn genießen will, muss halt was zu Trinken mitbringen und im Gras sitzen.

Fördermittel vom Land

1995 erhielten Eschwege und Meinhard zwei Millionen DM, um den Werratalsee touristisch zu entwickeln, ein Plan, den es bereits seit Mitte der 1969-Jahre für das ehemalige Kiesabbaugebiet gibt. Insgesamt elf Millionen Mark wollen die Kommunen für eine Fußgängerbrücke zur Eschweger Innenstadt, einen Radweg rund um den See sowie die Anlage von Gastronomie, Stellplätzen für Wohnmobile und Camping schaffen. Ein Ferienhauspark am Ostufer und ein kleines Hotel werden geplant. Meinhard beschließt einen Bebauungsplan für eine touristische Nutzung der Fläche. Investitionsvolumen seinerzeit elf Millionen DM.

Still ruht der See

Das Ostufer dämmerte die vergangenen Jahrzehnte vor sich hin, im Sommer kommen viele Badegäste – immer solange bis der Werratalsee umkippte und wegen der gesundheitsschädlichen Blaualgen gesperrt werden muss. Alternativ tuckerte aber das Fahrgastschiff Werranixe über den See, doch damit ist seit Anfang dieses Jahres auch Schluss. Der Kahn liegt vor Anker und hat einen Schaden.

Investorenansturm

Als plötzlich vor drei Jahren die paar hundert Meter Uferlinie vor den Türen des Meinharder Ortsteiles Schwebda für Investoren interessant wurden, schien es, als käme Bewegung in die Sache. Christian Mehler, der seinerzeit am Nordufer des Werratalsees die Heimatalm betrieb, bot der Gemeinde an, mit seiner Alm dauerhaft ans Ostufer zu ziehen, ebenso seinen Firmensitz nach Meinhard zu verlegen und eine ganze Reihe Arbeitsplätze zu schaffen.

Veto Ortsbeirat

Doch Mehler hatte dem Ortsbeirat sein Konzept noch nicht richtig vorgestellt, da wurden in Schwebda schon Unterschriften gegen das Projekt gesammelt. Kurz darauf gab der Ortsbeirat ein ablehnendes Veto gegen die Heimatalm ab.

Vier Interessenten

Mehler gab nicht auf, überarbeitete sein Konzept, gestaltete es familienfreundlich und nannte es „Heimathafen“. Wieder wurde er bei der Gemeinde vorstellig und mit ihm im vergangenen Jahr zwei weitere interessierte Investoren. Eine Unternehmerin aus Thüringen wollte Hausboote am Ufer, ein dritter Investor, die Familie Wiesmann aus Meinhard, wollte ähnlich wie Mehler eine Gastronomie, aber auch Stellplätze für Wohnmobile schaffen. Und Nummer vier im Bunde war Rainer Klippert, der mit einem Verein das Naturcamp betreibt. Jeder von ihnen ließ in immer wechselnden Konstellationen wissen, mit wem der Konkurrenten er sich eine Zusammenarbeit vorstellen könne. Die Ergebnisse dessen klangen irgendwann wie eine Schlacht um Schippe und Buddeleimer – waren aber wohl weniger harmlos gemeint.

Alle steigen aus

Denn im Herbst 2021 stieg die thüringer Unternehmerin überraschend aus, angeblich weil ihr der Zustand des Gewässers zu heikel war. Dann warf Christian Mehler endgültig das Handtuch und konzentrierte sich auf den Katharinenberg und Treffurt in Thüringen, wo er statt mit Widerstand mit offenen Armen empfangen wurde. Blieben noch Wiesmann und Klippert im Ring. Zwar hatte Wiesmann deutlich gemacht, dass das Naturcamp mittelfristig nicht in sein Konzept passt, doch am Ende wurde der Ton zwischen den beiden offenbar rauer. Dann wollte die Familie Wiesmann das Land kaufen, um Investitionssicherheit zu haben. Das aber lehnte die Gemeinde im Herbst dieses Jahres ab.

Naturcamp mit Vertrag

Dafür hat das Naturcamp nun einen langfristigen Pachtvertrag bekommen, was seine Existenz dort sichert. Bisher hatte das Naturcamp einen wilden Mix verschiedener Pachtverträge, zu deren Bedingungen unter anderem die Pflege des Badestrandes gehört. Mit dem neuen Vertrag, so hat es Klippert stets angekündigt, wolle er nun auch in das Ostufer investieren.

Außerdem hat die Gemeinde den Bebauungsplan für den Bereich überarbeitet, sodass dort in den nächsten Jahren das neue Feuerwehrgerätehaus des Ortsteiles Schwebda stehen soll. (Stefanie Salzmann) Fotos: privat/NH

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