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Kirche in Niddawitzhausen wird 500 Jahre alt

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Von: Tobias Stück

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Klein aber fein: Die spätgotische Kirche in Niddawitzhausen von 1521 steht seit einem halben Jahrtausend. Die Kanzel stammt aus der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts. Archivfoto: Tobias Müller
Klein aber fein: Die spätgotische Kirche in Niddawitzhausen von 1521 steht seit einem halben Jahrtausend. Die Kanzel stammt aus der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts. Archivfoto: Tobias Müller © Tobias Müller

Es war ein außergewöhnliches Ereignis, das im vergangenen Jahr in Niddawitzhausen hätte gefeiert werden sollen. Genau 500 Jahre – also ein halbes Jahrtausend – steht die Kirche des Ortes auf einer kleinen Anhöhe.

Niddawitzhausen – Sie ist nach wie vor das Zentrum des 949 Jahre alten, heutigen Eschweger Stadtteils. Weil sie so eine Bedeutung für den Ort hat, wird die Jubiläumsfeier am Pfingstmontag jetzt nachgeholt.

Wenn die Kirche erzählen könnte, hätte sie viel zu berichten: Wie kurz vor ihrem Baubeginn die Kirchenwelt im Umbruch war und die Gesellschaft aus ihren Angeln gehoben wurde, beispielsweise. Erst 1517 hatte Martin Luther seine Thesen veröffentlicht und damit die weitreichende Reformation der Kirche eingeleitet. Mit dem neuen Protestantismus wurde das Gotteshaus älter. Vielleicht würde sie als einzige Zeitzeugin auch über den Dreißigjährigen Krieg (1618 bis 1648) berichten.

Der Überfall der Kroaten sei das schrecklichste Ereignis in der Geschichte des Dorfes, heißt es in der Dorfchronik zum 900-Jährigen von 1973. Während dieses Krieges brannte unter anderem das Pfarrhaus nieder, was die Vernichtung vieler historischer Dokumente bedeutete.

Im Laufe der Zeit stieg die Zahl der Besucher des spätgotischen Baus von 1521. Im 18. Jahrhundert hatte das Dorf 44 Häuser, Mitte des 19. Jahrhunderts lebten 462 Menschen in 58 Häusern. Die kunstvoll verzierte Empore wurde weiter ausgebaut – einmal 1621, einmal 1707. Bemerkenswert sind die dreiflügelige, barocke Orgel und die Kanzel aus der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts.

Die Gemarkung Niddawitzhausen war bis zum Beginn des 20. Jahrhundert von Adelsgütern dominiert. Die Boyneburgs und Diedes, später die Baumbachs, herrschten hier. Verändert wurden die beruflichen und sozialen Strukturen durch den Bau der am Dorf vorbeiführenden Eisenbahnstrecke im Jahr 1876.

Der Kirchenbau wurde 1887 um einen Glockenturm erweitert. Die beiden Weltkriege im 20. Jahrhundert überstand die Niddawitzhäuser Kirche weitestgehend unbeschadet. Gerade in diesem Jahr haben die denkmalgeschützten Gebäude des Eschweger Stadtteils eine neue Beschilderung erhalten – allen voran die Dorfkirche. Heute gehört das Gotteshaus zu einem Kirchspiel mit vier Orten.

Nur noch alle vier Wochen wird hier ein Gottesdienst gefeiert. Am Pfingstmontag wird es wieder richtig voll auf der kleinen Anhöhe in Niddawitzhausen. Ab 11 Uhr findet hier ein Festgottesdienst zu Ehren des Gotteshauses statt.

Die Festpredigt hält Prälat i. R. Bernd Böttner. Nach dem Gottesdienst wird es einen kleinen Stehempfang geben. Außergewöhnliche Ereignisse müssen gefeiert werden – auch ein Jahr später.

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