Kirche will Sprache für Alltagwirklichkeit finden

60 Synodale in Werra-Meißner diskutierten auf einem Studientag über den künftigen Weg der Kirche

Kirche auf Identitätssuche: 60 Synodale des Kirchenkreises Werra-Meißner im Dialog um Zukunft.
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Kirche auf Identitätssuche: 60 Synodale des Kirchenkreises Werra-Meißner im Dialog um Zukunft.

In einem Online-Studientag haben 60 Synodale des Kirchenkreises Werra-Meißner über die Zukunft der Kirche diskutiert und Ideen entwickelt.

Werra-Meißner – „Wie wollen wir in Zukunft unseren Auftrag als Kirche wahrnehmen?“, fragte die Dekanin des evangelischen Kirchenkreises Werra-Meißner zusammen mit Ludger Arnold, Präses der Kreissynode. Über diese Frage, die ihnen die Bischöfin der Landeskirche, Dr. Beate Hofmann, aufgetragen hatte, sollten die über 60 Synodale am Samstag miteinander ins Gespräch kommen.

In einem Online-Studientag überlegten die Synodalen, was Kirche für sie bedeute, und was verändert werden müsse, um mehr Menschen zu erreichen. „Wir haben die gute Botschaft, die guten Inhalte“, brachte es etwa Wolf-Arthur Kalden vom Kirchenvorstand in Wanfried auf den Punkt. „Jetzt müssen wir es schaffen, dass die Menschen genauso verrückt nach Kirche sind, wie nach Fußball.“

 „Jetzt müssen wir es schaffen, dass die Menschen genauso verrückt nach Kirche sind, wie nach Fußball.“

Wolf-Arthur Kalden, Kirchenvorstand Wanfried

Die Bischöfin hatte den Synodalen dazu ein Modell mitgegeben, das alle Bereiche sichtbar machte, die Kirche ausmachten und als Handlungsfelder identifiziert wurden – von der Bewahrung und Vermittlung der christlichen Botschaft, über die Eröffnung von Räumen für Religion, Lebensbegleitung, Gemeinschaft, Diakonie, bis hin dazu, dass die Kirche ihre Stimme in der Gesellschaft erheben solle.

Dass sich die evangelische Kirche diese Fragen gerade jetzt stellt, hat auch mit der Corona-Krise als Zäsur zu tun. „Die Corona-Pandemie bedeutet für uns eine Unterbrechung des Gewohnten“, sagte Pröpstin Katrin Wienold-Hocke. „Die Frage lautet nun: Wie machen wir jetzt weiter?“ Patricia Haase vom Kirchenvorstand Reichensachsen fand es wichtig, aktiver auf die Menschen zuzugehen und außerdem – um auch Jüngere zu erreichen – eine Sprache zu finden, die sich an deren Alltagswirklichkeit orientiere. „Wir müssen die Botschaft zu den Leuten bringen, und zwar in der heutigen Sprache“, sagte sie. Damit solle möglichst schon im Kindergarten begonnen werden.

Angebote wie Open-Air-Gottesdienste haben sich bewährt

Kerstin Brandau vom Kirchspiel Schemmern stimmte zu, dass während des vergangenen Jahres kreative Angebote wie Open-Air-Gottesdienste oder Andachten „to go“ von mehr Menschen wahrgenommen worden seien, als zuvor der klassische Gottesdienst am Sonntag. Einzelne Gottesdienste auf Youtube hätten bis zu 800 Aufrufe bekommen, berichtete auch Pfarrer Armin Scheerschmidt. So viele Menschen hätten in seine Kirche in Laudenbach wahrscheinlich kaum hineingepasst.

Ein wichtiger Punkt war den Synodalen die Arbeit in den neu geschaffenen Kooperationsräumen. Ein Ziel des Reformprozesses der EKKW bis 2026 ist e auch, gut 25 Prozent ihrer Ausgaben zu reduzieren. Dazu wurden Pfarrstellen zusammengelegt. In den Kooperationsräumen heiße das nun, näher zusammenrücken.

Zentrale Kirchen

Pfarrer Reiner Koch etwa fragte sich, wie dass für Meinhard aussehen könne? Ob man künftig eine zentrale Kirche habe und sechs weitere, in denen hin und wieder Gottesdienste stattfänden. Sabine Agricola aus dem Kirchenvorstand Neuerode warb dafür, dass sich die Gemeinden untereinander besser kennenlernen sollten. „Die Stärke des ländlichen Raums ist seine Nähe“, sagt Dekanin Ulrike Laakmann.

Für Pfarrer Jochen Sennhenn bedeutete dies aber auch, künftig über die räumliche Identität des eigenen Dorfes hinauszudenken. So könnten in den Kooperationsräumen gemeinsame Angebote entwickelt werden, um möglichst viele Arbeitsbereiche zu erhalten.

Kirche soll sich auch politisch Gehör verschaffen

In einer Ergebnisrunde wurden alle Aspekte zusammengetragen. Diakoniepfarrer Lothar Kilian wies auf die Bedeutung der Diakonie hin sowie darauf, dass sich die Kirche als Stimme der Menschen auch in politische Prozesse einmischen solle.

Ute Bachmann, Mitglied des Kirchenkreisvorstands, forderte die Synodalen auf, die Diskussion in die Gemeinden mitzunehmen und die Kirchenvorstände zu ermutigen, sie weiterzuführen. Gedanken und Einsichten sollen dann in den kommenden Wochen an den Kirchenkreisvorstand übermittelt werden. (Kristin Weber)

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