Kreissynode online

Theologen finden bei der Taufe in Zukunft mehr Vielfalt gut

Die Aktion „Offen für Vielfalt – Geschlossen gegen Ausgrenzung“ stellten Dekanin Ulrike Laakmann und Präses Ludger Arnold auf der Wintersynode des Kirchenkreises Werra-Meißner vor. Die Schilder sollen an den Türen von Kirchen und Gemeindehäusern hängen.
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Die Aktion „Offen für Vielfalt – Geschlossen gegen Ausgrenzung“ stellten Dekanin Ulrike Laakmann und Präses Ludger Arnold auf der Wintersynode des Kirchenkreises Werra-Meißner vor. Die Schilder sollen an den Türen von Kirchen und Gemeindehäusern hängen.

Die Neufassung des Leitfadens für die Liturgie der Taufe will die Vielfalt der modernen Lebenswelten mit abbilden. Zum Entwurf sollen alle Kirchenkreise ihre Einschätzung geben.

Werra-Meißner – Die letzte Taufagende der Evangelischen Kirche von Kurhessen- Waldeck wurde 1972 erlassen, seither ist ein halbes Jahrhundert vergangen, die Gesellschaft hat sich weiterentwickelt. Deshalb stand dieses Thema im Mittelpunkt der Winter-Kreissynode des Evangelischen Kirchenkreises Werra-Meißner.

Dekanin Ulrike Laakmann hat in der Liturgischen Kammer der Landeskirche an der Entstehung des Entwurfs mitgearbeitet und stellte ihn den 100 Synodalen vor, die sich zum ersten Mal per Online-Konferenz trafen. „Die Erwartung an die Taufe hat sich seit 1972 verändert“, sagte die Dekanin. „Es werden heute nicht allein Säuglinge getauft, sondern immer öfter auch ältere Kinder, Konfirmanden oder Erwachsene.“

Auch die Lebenssituation von Familien haben sich verändert. Dass neben der klassischen Familie jetzt auch andere Modelle gelebt werden, wie die Patchwork-Familie oder Alleinerziehende, möchte die Taufagende mit einbeziehen und öffnet sich für unterschiedliche Formen des Taufgottesdienstes. Neben der klassischen Taufe im Gottesdienst am Sonntag nach dem Kirchenjahr gibt es nun auch Vorschläge für sonntägliche Themengottesdienste.

Manche Familien wollen die Taufe lieber im kleineren Kreis am Samstag feiern oder als Tauffest an anderen Orten, zum Beispiel im Garten. Neu sind die „Taufzeugen“. So sollen auch nichtkonfessionelle Teilnehmer in die Feier eingebunden werden. Letztere wurden auf der Synode am meisten diskutiert. Pfarrerin Sieglinde Repp-Jost stellte die Einschätzung des Arbeitskreises vor. Darin begrüßten die Theologen den Paradigmenwechsel hin zu mehr Vielfalt.

„Die neue Taufagende lässt Freiraum für liturgisches Handeln, das ist gut“, sagte Sieglinde Repp-Jost. Sie warnte aber auch: „Zu viele Wünsche können dazu verführen, es allen recht machen zu wollen.“ Der Arbeitskreis kritisierte, dass durch die Einführung der Taufzeugen die Funktion des Taufpaten-Amts untergraben werde, und warnte vor „Kundenorientierung“. Moderiert von Präses Ludger Arnold diskutierten die Synodalen in Kleingruppen. Eine Teilnehmerin sagte: „Ich habe ein bisschen Sorge, dass wir zu viel von dem preisgeben, was uns als Kirche wichtig ist.“ Kritik und Zuspruch flossen anschließend in die gemeinsame Einschätzung des Kirchenkreises ein. Die Aktion „Offen für Vielfalt – Geschlossen gegen Ausgrenzung“ wurde von den Synodalen bestätigt. Die Schilder sollen künftig an den Türen von Kirchen und Gemeindehäusern hängen.

Außerdem unterstützt der Kirchenkreis die Arbeit der Hilfsorganisation Lesvos Solidarity. „Viele von uns waren schockiert von den Bildern aus den Lagern in Griechenland und Bosnien“, sagte Ulrike Laakmann. Ein Appell an Kanzlerin Merkel soll diese zur Aufnahme der in Europa gestrandeten Flüchtlinge auffordern. Pfarrer Rolf Hocke stellte den Neubau der Kirche in der Partnergemeinde in Bellary in Indien vor. Aber auch Gäste nahmen auf digitalem Weg teil, wie Pröpstin Katrin Wienold-Hocke oder der katholische Pfarrer Mario Lukes. Superintendent Andreas Piontek überbrachte Grüße des Partner-Kirchenkreises Mühlhausen. (Kristin Weber)

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