Nach Beschwerde

Kirchturmuhr schlägt nachts nicht in Waldkappel

Hier herrscht Ruhe: zumindest zwischen 22 Uhr am Abend und 6 Uhr morgens. Weil sich ein Anwohner vom Glockenschlag gestört fühlte, muss die Turmuhr nun nachts schweigen. Archiv
+
Hier herrscht Ruhe: zumindest zwischen 22 Uhr am Abend und 6 Uhr morgens. Weil sich ein Anwohner vom Glockenschlag gestört fühlte, muss die Turmuhr nun nachts schweigen. Archiv

Das auch Stille ein störendes Geräusch sein kann, erleben gerade einige Bürger von Waldkappel und sind sauer.

Waldkappel – Was den einen in seiner Nachtruhe beeinträchtigt, raubt dem anderen den Schlaf, weil es plötzlich fehlt. Seit einigen Wochen schlägt die Waldkappeler Kirchturmuhr nachts nicht mehr. Zwischen 22 Uhr abends und 6 Uhr morgens schweigt die Glocke, die sonst zu jeder Viertelstunde mit einem Doppelschlag Laut gab und zur vollen Stunde der Zeit entsprechend häufig schlug.

Grund der seit Wochen herrschenden nächtlichen Stille ist die Beschwerde eines Anwohners, bestätigt Pfarrer Rolf Hocke. Die Beschwerde habe er gleich auf die Tagesordnung des Kirchenvorstandes gesetzt und man habe entschieden, die Glocke über Nacht stillzulegen.

Wenn sich ein Anwohner gestört fühlt, könne man sich auf einen langen Rechtsstreit einlassen. „Aber darauf hat keiner Lust“, sagt der Pfarrer. Doch ganz so einfach ist das Problem um den nächtlichen Glockenschlag nicht zu beheben. Denn irgendwann fiel den Waldkapplern auf, dass was fehlt.

„Dieses Läuten ist jahrzehntelanger Bestand der Kirche“, sagt Waldkappels Ortsvorsteher Peter Kniese, den zwischenzeitlich viele Anfragen zur Kirchturmuhr erreicht haben. „Es kann nicht sein, dass sich ein Einzelner hier durchsetzt“, schimpft er. „Wenn ich neben die Kirche ziehe, muss ich damit leben, dass da Glocken schlagen“, äußert er sein Unverständnis.

Mutmaßungen darüber, wer derjenige sein könnte, der sich durch den Glockenschlag gestört fühlt, gibt es einige und die werden auch vergleichsweise offen über soziale Netzwerke in der Stadt verbreitet.

Ein Umstand, der vor allem Pfarrer Hocke Sorge bereitet. „Die Stimmung in der Stadt schaukelt sich immer mehr hoch“, sagt Hocke. „Das ist sehr unangenehm.“ Die Mutmaßungen ebenso – die reichten von „Lynchfantasien“ bis zum „Haus anzünden“, berichtet der Pfarrer.

„Ich habe niemandem gegenüber gesagt, wer derjenige ist, der sich wegen der Glocke beschwert hat“, beteuert er im Hinblick auf die Diskussion. „Aber da wird schon mal gezündelt.“

Hocke hingegen weiß auch aus eigener Erfahrung, dass das nicht der erste Fall ist, wo sich Anwohner über das Läuten der Glocke beschwert haben.

Vor einigen Jahren gab es einen ähnlichen Fall in Friemen, wo einem Bürger das Fünf-Minuten-Läuten vorm Gottesdienst zu lang war. „Wir haben auf drei Minuten verkürzt und alle waren zufrieden“, so Hocke. Einen ähnlichen Fall gab es in Rodebach, auch hier fand man eine Lösung.

Jetzt hofft der Pfarrer, dass sich der Konflikt auch in Waldkappel wieder lösen lässt. Mitte Januar will der Kirchenvorstand auf seiner nächsten Sitzung erneut zum Glockenschlag beraten. Solange bittet der Pfarrer um Geduld.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.