Keine Einnahmen - "ein Desaster"

Kleine Einzelhandelsbetriebe im Werra-Meißner-Kreis sorgen sich um ihre Zukunft

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Alles geschlossen und abgesagt: In Bad Sooden-Allendorf darf beispielsweise die Hobby-Boutique von Inge Scharff wegen Corona nicht mehr öffnen. Auch viele andere kleine Einzelhändler im Kreis sind betroffen.

Seit Mittwoch müssen alle Läden, die nicht der täglichen Versorgung dienen, geschlossen sein. Schwere Zeiten also vor allem für die kleinen Betriebe, wie eine Rundfrage ergab.

Ihre Bastelkurse für kreative Kerzen zu Konfirmation und Kommunion waren schon abgesagt, seit Dienstag hat Inge Scharff auch ihre Hobby-Boutique am Marktplatz von Allendorf geschlossen – zunächst einmal bis 31. März, steht auf dem Zettel an der Eingangstür. „Das ist wohl die sinnvollste Variante, obwohl es schwierig ist“, entschied sie.

Erfreut ist die 55-jährige Geschäftsinhaberin darüber freilich nicht: „Die Einnahmen brechen weg und niemand weiß, wie es weitergeht.“ Konkret bedeutet dies zunächst, dass sie ihre Aushilfskraft nach Hause geschickt hat. Und ihre Halbtagskraft, die vor Ostern sonst ständig mit im Laden steht, soll die nächsten Tage mit Resturlaub überbrücken, ab April dann wohl für Kurzarbeit angemeldet werden.

Reserven habe sie nicht, anwortet Inge Scharff. Wie sie an Kredite komme, will sie demnächst mit ihrem Steuerberater besprechen. Schließlich müsse die Ware – derzeit viel speziell für Ostern und die kirchlichen Einsegnungsfeiern – ja auch bezahlt werden. Auf 8000 Euro beziffert die Badestädterin, die sich vor 20 Jahren selbstständig gemacht hat, ihren Umsatz, den sie sonst im Ostergeschäft macht.

Sein Ladengeschäft – TV & PC Store an der Poststraße in Hessisch Lichtenau – hat Fachhändler Günter Ullrich wie vorgeschrieben seit Mittwochmorgen geschlossen gelassen. Er will sich mit Reparaturen und Installationen von Fernsehern und Computern über Wasser halten, setzt auf das Rausfahren zu den Kunden, weil Dienstleister und Handwerker wegen Corona nicht eingeschränkt worden seien. Seine drei Mitarbeiter müsse und wolle er unbedingt halten, sagt Ullrich. Noch gebe es einige Aufträge abzuarbeiten, aber für nächste Woche will er mit seinem Steuerberater wegen Kurzarbeit für sie sprechen.

Große Rücklagen habe er nicht, sagt der 55-Jährige. Acht Wochen, so schätzt er, könnte er „mit großen Verlusten“ hinbekommen. Aber ihn sorgt auch, dass in der Zeit geschlossener Läden noch mehr online bestellt werde – und nach der Krise dann auch. Kleine, inhabergeführte Einzelhandelsbetriebe sieht er schon jetzt als Verlierer: „Die werden es künftig noch schwieriger haben“ im Kampf gegen die Online-Händler. Und was hält er von einem günstigen KfW-Kredit zum Überbrücken? Das sei für ihn nicht sinnvoll, winkt Ullrich ab. Den müsse er zurückzahlen und das Geld dafür auch erst mal verdienen.

„Irgendetwas muss ja kommen“, setzt Alexander Reuter vom Sportcenter Fürstenhagen auf Hilfe vom Staat, sonst müssten viele kleine Gewerbetreibende Insolvenz anmelden. Die Politik müsse, findet der Geschäftsführer, die Kosten noch ersetzen. Reuter will für seine zwei Mitarbeiter im Fitnesscenter ab nächster Woche wahrscheinlich Kurzarbeit beantragen, weil das seit Mittwochmorgen geschlossen ist. Zunächst wird noch die Gelegenheit zum Großreinemachen genutzt.

Bei vier Wochen ginge es „noch ganz glimpflich“ aus, sagt Kerstin Kairies. Bei zwei oder gar drei Monaten, in denen ihre Modeboutique „Stilecht“ an der Ermschwerder Straße in Witzenhausen geschlossen bleiben müsste, bräuchte sie aber finanzielle Unterstützung sagt die 43-Jährige, die sich 2016 selbstständig gemacht hat. Sie sieht, wie das Ostergeschäft wegbricht, wofür die neue Frühjahrskollektion gedacht war, ausgeliefert wurde – und von ihr auch schon bezahlt. Nun liegen die Textilien für Frau und Mann im geschlossenen Laden, derweil die Kosten weiterlaufen – „ein Desaster“, wie Kerstin Kairies sagt.

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