Zwei Frauen treffen beim Gassi gehen auf mehrere Wölfe

Kleines Wolfsrudel morgens am Ortsrand von Breitzbach

Drei Wölfe gesichtet: WR-Zustellerin Monika Heinze mit Hündin Maja am Ortsrand von Breitzbach.
+
Drei Wölfe gesichtet: WR-Zustellerin Monika Heinze mit Hündin Maja am Ortsrand von Breitzbach.

Erneut hat die aus dem Herleshäuser Ortsteil Breitzbach stammende WR-Zeitungszustellerin Monika Hinze in den vergangenen beiden Tagen Wölfe nahe am Ortsrand von Breitzbach – jeweils gegen 7.30 Uhr – gesichtet. Am Mittwochmorgen sieht sie 20 Meter vom Ortsrand zwei Wölfe, gestern Morgen sind es drei, die dort gemeinsam unterwegs sind.

Breitzbach - Die 63-jährige Zustellerin trifft sich jeden Morgen mit ihrer Freundin Edeltraud Gisselmann zum gemeinsamen Gassi gehen mit ihren beiden Hunden. „Als wir heute morgen los sind, haben wir noch Witze darüber gemacht, ob wir wohl einen Wolf treffen“, erzählt sie. Nur wenige Minuten und ebenso wenige Meter hinter der Ortslage von Breitzbach nahe eines Wäldchens treffen die beiden Frauen dann auf die drei Wölfe, die sich dort am Wegesrand aufhalten. Ihrer Schilderung nach lassen sich die Tiere von den Frauen mit Hunden auch nicht weiter stören. Erst als im nahe gelegenen Wald ein Schuss fällt, laufen die Tiere in ein kleines Wöldchen.

„Das ist jetzt doch ein bisschen haarig“, sagt Monika Heinze, die einen einzelnen Wolf in der Nacht zum Montag beim Zeitungen austragen mitten in Breitzbach getroffen hatte. „Das war jetzt zuviel des Guten und einfach viel zu dicht“, sagt sie.

Seit ihrer ersten Wolfsbegegnung vor einigen Tagen gucke sie jetzt beim Zeitung austragen ständig in alle Richtungen. Zur Not müsse sie, die immer unbewaffnet unterwegs ist, dem Wolf mit der Zeitung „eins überziehen“.

Weitere Wolfssichtungen bei Waldkappel

Auch nahe eines Waldkappeler Stadtteiles wurden in den vergangenen Tagen wieder Wölfe gesichtet – am Mittwochmorgen kurz vor 6 Uhr querte ein Wolf in 20 Metern Entfernung den Weg einer Radfahrerin. Bei Ludwigsau/Ahlheim im benachbarten Landkreis Hersfeld-Rotenburg werden am Abend gegen 18.15 Uhr zwei Wölfe dabei beobachtet, wie sie zwei Hirschkühe von einem insgesamt elf Tiere zählenden Rudel weiblichen Rotwildes absprengen und diese verfolgen.

In allen Fällen wurden die Sichtungen der Wölfe per Formular an das für das Wolfsmonitoring zuständige Hessische Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie (HLNUG) gemeldet. Am heutigen Freitag will die Landesregierung den neuen Wolfsmanagementplan für Hessen offiziell vorstellen.

Nabu: 80 Prozent der Hessen wollen Wolf

Unterdessen hat der Nabu-Hessen (Naturschutzbund) in einer Pressemitteilung erklärt, dass 77 Prozent der Menschen in Hessen es „erfreulich“ finden, dass wieder Wölfe in Hessen leben. Das Meinungsforschungsinstitut Forsa hatte im Auftrag des Nabu deutschlandweit 2360 Personen befragt, davon stammen 200 aus Hessen. Die bundesweit Befragten seien laut Umfrage der Ansicht, dass Wölfe genauso wie auch Füchse, Rehe oder Biber in unsere Landschaft gehören. In Hessen teilten sogar 80 Prozent der 200 Befragten diese Auffassung.

Dass sie die Lebensweise von Wölfen spannend finden, sagten laut Nabu bundesweit 75 Prozent und in Hessen 78 Prozent der Befragten. Zwei Drittel (65 Prozent) der Bundesbürger teilten die Einschätzung, dass die von Wölfen ausgehenden Risiken in den Medien übertrieben dargestellt würden, heißt es in der Nabu-Mitteilung.

Die Menschen seine zudem erstmals gefragt worden, ob es überhaupt Wölfe in ihrer Region gäbe.

28 Prozent der im gesamten Bundesgebiet Befragten geben an, dass es in der Region, in der sie wohnen, frei lebende Wölfe gibt. 52 Prozent sagen, dass dies nicht der Fall ist. Jedem fünften Befragten ist gar nicht bekannt, ob in der eigenen Region Wölfe leben.

Die Umfrage zeige, so die Einschätzung des Nabu, dass in Regionen mit Wölfen die Ablehnung der Tiere nur marginal höher sei als im Durchschnitt. Fast drei Viertel der Befragten begrüßen auch hier die Rückkehr von Wölfen und meinten, dass sie wie andere Wildtiere in unsere Landschaft gehören (73 Prozent).

Das sei auch bei Befragten der Fall, die im ländlichen Raum (Ortsgröße geringer als 20 000 Einwohner) leben. „Menschen in Wolfsgebieten sind zwar eher von der Rückkehr der Tiere betroffen – ein steiles Meinungsgefälle zwischen Stadt und Land oder Wolfsgebiet und Nicht-Wolfsgebiet ist aber nicht erkennbar“, erklärt die Nabu-Wolfsexpertin Ingeborg Till.

76 Prozent der Befragten gaben an, dass Wölfe selbst dann in Deutschland leben sollen, wenn es zu Problemen kommt. Der Nabu werte das als ein klares Votum für die grundsätzliche Daseinsberechtigung von Wölfen in Deutschland. Stefanie Salzmann

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.