Klima heizt Eisheiligen ein

Meteorologe Torsten Rost geht Bauernregeln auf den Grund

Ein Mann steht neben einer Wettersation.
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Die Wetterstation von Torsten Rost misst die Temperaturen in Eschwege. Ein Computerprogramm zeichnet die Daten auf und der Hobby-Meteorologe sieht so Regelmäßigkeiten und Wetterveränderungen.

Auch wenn es sich im Werra-Meißner-Kreis noch nicht so anfühlt, aber seit dem 20. März ist meteorologischer Frühlingsanfang. Und der interessiert auch Hobby-Meteorologe Torsten Rost.

Eschwege - Der 49-Jährige verfolgt das Wetter im Kreis schon seitdem er 13 Jahre alt ist und mit seiner Familie in der Küche seiner Eltern saß. Damals fürchtete er sich vor einem tobenden Sommergewitter und entschied: „Es kann doch nicht sein, dass ich Angst vor Gewitter habe.“ Er las von da an jede Zeile, die er über Wetterphänomene bekommen konnte und auch seine Ausrüstung wurde professioneller.

Heute hat Torsten Rost zwei Wetterstationen, eine in der Kernstadt von Eschwege und eine im Stadtteil Eltmannshausen, mit denen er das Wetter im Kreis aufzeichnet. Die Beobachtungen, die er über die Jahre gemacht hat, haben ihm eines gezeigt: Bauernregeln lassen sich nicht beweisen. „Bauernregeln taugen für die Wettervorhersage nichts“, sagt Rost.

Veraltete Weisheiten

Die sich reimenden Weisheiten zur Wetterprognose, seien veraltet, sagt der Hobby-Meteorologe. Ein Grund dafür sei die Klimaerwärmung, durch die sich Wetterphänomene verschieben würden, so Rost. „Es kommt auch ganz drauf an, wo die Bauernregel herkommt, denn dort herrschten andere Bedingungen als bei uns im Kreis“, erklärt er weiter. Generell seinen Bauernregeln Beobachtungen einzelner über einen vergleichsweise kurzen Zeitraum gewesen, sodass eine Regelmäßigkeit auch für vergangene Zeiten nicht bewiesen seien.

Statt auf Bauernregeln, wie „Viel Regen im November, viel Wind im Dezember“, zu vertrauen, seinen die sogenannten Lostage ein verlässlicheres Indiz für Wetterprognosen. „Das ist keine Weiterentwicklung der Bauernregeln, aber ein auf Anlässe bezogener Prognoseversuch“, erklärt der Hobby-Meteorologe die nach dem Volksglauben für die weitere Wetterentwicklung und die Verrichtung bestimmter landwirtschaftliche Arbeiten bedeutsamen Lostage.

Gastspiel der Eisheiligen

So gelten die Fröste, die auch als Eisheilige bezeichnet werden und in der Zeit vom 11. bis 15. Mai erwartet werden, als die letzten Frostnächte des Frühjahrs. Und bei dem Blick auf seine Aufzeichnungen sieht Torsten Rost: Die Maifröste sind in dieser Zeit zwar nachzuweisen aber bleiben auch manches Mal aus.

„Die Eisheiligen geben mal häufiger, mal seltener ein Gastspiel“, sagt Torsten Rost. Schuld daran seien sich wiederholende Kaltlufteinbrüche aus Nordosteuropa und Nachtfröste nach warmen Hochdruckwetterlagen.

„Bis Mitte Mai ist das nicht ungewöhnlich, denn oft liegt nördlich von Mitteleuropa noch viel Kaltluft, die je nach Lage der Druckgebilde relativ schnell angezapft werden kann“, sagt der Meteorologe. Weil wiederkehrende Hoch- und Tiefdruckgebiete entscheidend für das Auftreten oder Ausbleiben der letzten Maifröste sind, ließen sich Lostage wie die Eisheiligen eher belegen, als Bauernregeln. Aber die Zeiten ändern sich auch hier, sagt Torsten Rost. „Die Eisheiligen werden durch den Klimawandel seltener“, sagt er. Heute seien die noch verbliebenen Kaltlufteinbrüche nicht mehr so kalt wie vor 20 bis 30 Jahren, sagt Rost.

Regen statt Schnee

Außer den Lostagen seien die sogenannten Singularitäten ein Hinweis auf kommendes Wetter, sagt Rost. „Das sind sogenannte Witterungsregelfälle, die von der Durchschnittskurve abweichen und mehr oder weniger regelmäßig an bestimmten Kalendertagen auftreten“, erklärt er.

Aber auch hier beobachtet der Hobby-Meteorologe Veränderungen: Ein Beispiel für eine Singularität, die sich durch den Klimawandel verändert sei das noch bis vor einigen Jahren regelmäßig auftretende Weihnachtstauwetter. „Das war der typische Regelfall. Anfang Dezember gab es Frost und dann Tauwetter an Weihnachten.“ Aber wenn der Schnee aufgrund des Klimawandels ausbleibe, gäbe es auch kein Tauwetter, stellt Rost fest. „Jetzt haben wir im Winter eher Regen als Schnee.“ Kim Hornickel

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