Ausgleichszahlungen wurden eingestellt

Kliniken im Werra-Meißner-Kreis leiden unter Corona

Krankenhaus Witzenhausen Klinikum Werra-Meißner
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Krankenhaus Witzenhausen Klinikum Werra-Meißner

Die Kliniken im Werra-Meißner-Kreis leiden finanziell unter der Corona-Pandemie.

Werra-Meißner – Im Klinikum Werra-Meißner sind im vergangenen Jahr 13 Prozent weniger Fälle behandelt worden. Das setzt sich 2021 fort. „Daher ist es schade, dass Ausgleichszahlungen zunächst abgesenkt und jetzt eingestellt worden sind“, sagt Kliniksprecher Florian Künemund. „Es ist ein Wunschgedanke, dass Krankenhäuser zwischen den Covid-Wellen im Normalbetrieb arbeiten können.“

Patienten seien zögerlich, ins Krankenhaus zu gehen. Das sei besonders am Standort Witzenhausen spürbar, der Pandemie-Krankenhaus war.

Durch Ausgleichszahlungen in der ersten Welle war die Bilanz 2020 mit einem Überschuss von 160 000 Euro noch ausgeglichen, so Künemund. „Ernüchternd waren die abgesenkten Pauschalen für freigebliebene Betten nach der zweiten und dritten Welle.“ Dabei sei es zeitweise gesetzliche Vorgabe gewesen, verschiebbare Operationen zu verlegen. „Wir haben das auch selbst getan, da es bei hoher Belegung zu Drei-Bett-Zimmern gekommen wäre, was aus Hygiene-Gründen nicht möglich war.“ Zudem seien so Intensiv-Kapazitäten für Covid-Patienten vorgehalten worden.

Eine weitere Belastung sei gewesen, dass ganze Stationen unter Quarantäne gestellt worden seien, wie 2021 in der Psychiatrie. „Ausgleichszahlungen gibt es dafür nicht“, so Künemund. Dazu kämen Materialpreisanstiege wie bei medizinischen Handschuhen: Ein Päckchen koste jetzt 20 statt vor der Pandemie 2 Euro. „Zu Buche schlagen auch im sechsstelligen Bereich gestiegene Labor-Kosten, wegen Covid-Tests.“

Die Pandemie ist auch in der Orthopädischen Klinik in Hessisch Lichtenau spürbar, berichtet Sprecherin Anna Walter. Vor allem zu Beginn wurden verschiebbare Eingriffe von Mitte März bis zum Frühsommer 2020 ausgesetzt. Damals habe die Auslastung maximal 50 Prozent betragen, was durch Ausgleichszahlungen abgefedert und kompensiert werden konnte. Während der ersten Welle habe es 560 Euro pro leerem Bett gegeben, im Anschluss 660 Euro. „Während der zweiten Welle haben wir Covid-19-Patienten aus dem Krankenhaus Witzenhausen übernommen, aber keine Ausgleichszahlungen mehr erhalten“, berichtet Walter. Weitere finanzielle Belastungen als Folge der Pandemie ergäben sich etwa durch die Belegung der Zimmer, Einrichtung einer Fieberambulanz, regelmäßige Tests von Patienten und Besuchern und die Beschaffung persönlicher Schutzausrüstung, für letztere würde es Zuschüsse geben.

Laut Florian Künemund gab es diese Ausgleichszahlungen: je freigebliebenes Bett pro Tag vom 16. März bis 12. Juli 2020 560 Euro, vom 13. Juli bis 30. September 2020 460 Euro, vom 18. November 2020 bis 15. Juni 2021 414 Euro im körperlichen Bereich. In der Psychiatrie: vom 16. März 2020 bis 12. Juli 2020 auch 560 Euro, vom 13. Juli bis 30. September 2020 280 Euro, ab dem 1. Oktober nichts mehr. Richtmaß waren die Belegungen 2019.

Für Unsicherheit sorge, dass das Klinikum weitere Wellen wohl ohne finanzielle Unterstützung überstehen müsse, obwohl weniger Fälle behandelt werden könnten, sagt Florian Künemund, Sprecher des Klinikums. Das werde dadurch verstärkt, dass sich Parteien und Kanzlerkandidaten beim Thema Krankenhaus-Finanzen sehr bedeckt hielten. Wie das Klinikum 2021 finanziell abschließen werde, sei daher noch unklar. Hinzu komme, dass Budget-Verhandlungen mit Krankenkassen wegen Corona ausgesetzt worden seien. Der Trend sei aber deutschlandweit negativ, die Mehrheit der Kliniken rechne mit einem Defizit.

Für mögliche künftige Defizite habe der Kreis als Träger 2020 die Kredit-Bürgschaft für das Klinikum erhöht. „Das verleiht uns etwas Sicherheit“, so Künemund. Ansonsten werde weiter versucht, gut zu wirtschaften. Kurzarbeit und Entlassungen stünden nicht im Raum.

„Die Pandemie hat erwartungsgemäß nicht zu einer Verbesserung beigetragen, die sich aufgrund fehlender Ausgleichszahlungen in 2021 deutlich stärker auswirkt. Auf Grund der stabilen Ergebnisse aus den letzten sieben Jahren ist die Orthopädische Klinik jedoch stabil aufgestellt“, berichtet Pressesprecherin Anna Walter.

Kostenintensive Schutzmaßnahmen, damit das Coronavirus weder in die Klinik getragen wird, noch sich dort ausbreiten kann, würden voraussichtlich noch längere Zeit im aktuellen Maß nötig sein. Hier gebe es nur „ganz oder gar nicht“, wobei letzteres für das Klinikum als Gesundheitsversorger keine Option sei – der maximale Schutz von Patienten und Mitarbeitern sei alternativlos. „Im Bereich der Notfallversorgung bieten wir vermehrt unsere Kapazitäten an. Zudem haben wir mit dem Aufbau von neuen Leistungen am Standort begonnen, wie der Etablierung der roboter-assistierten Wirbelsäulenchirurgie sowie der Allgemeinchirurgie“ sagt Walter.

Vorbereiten könne sich die Klinik auf eventuelle künftige finanzielle Belastungen durch die Pandemie nur begrenzt. „Der Fokus liegt auf einem verantwortungsvollen Umgang mit den vorhandenen Ressourcen, um so im Notfall auf Liquiditätsreserven zurückgreifen zu können.“

Zudem treibe die Geschäftsführung vor allem auch die Belastung des Personals um. „Die Pandemie hat erneut die Bedeutung aller im Gesundheitswesen Arbeitenden herausgestellt“, erklärt Walter.

Hier Entlastung zu schaffen, Nachwuchs zu generieren und die Arbeit mit Wertschätzung zu honorieren sei Aufgabe des Managements und der Gesamtgesellschaft – „auch über die Pandemie hinaus“. (fab/nde)

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