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Zu teuer: Knut John (SPD) kritisiert höhere Kosten für Klassenfahrten von bis zu 900 Euro

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Von: Tobias Stück

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Jugendherberge Korbach
Obergrenze für Klassenfahrten: Für Auslandsreisen können nun bis zu 900 Euro (vorher 450 Euro) pro Kind fällig werden, im Inland sind Kosten bis 600 Euro (vorher 300 Euro) möglich. © STEFANIE RÖSNER

Der Landtagsabgeordnete Knut John (SPD) kritisiert die Entscheidung von Kultusminister Alexander Lorz (CDU), die Obergrenze für Klassenfahrten verdoppelt zu haben.

Werra-Meißner– Für Auslandsreisen können nun bis zu 900 Euro (vorher 450 Euro) pro Kind fällig werden, im Inland sind Kosten bis 600 Euro (vorher 300 Euro) möglich. „Die Obergrenzen für die Kosten von Klassenfahrten und Schulexkursionen müssen zwingend wieder gesenkt werden“, fordert John Kultusminister Lorz auf.

Eine Klassenfahrt, die fünf Tage lang dauere, könnte damit bis zu 120 bzw. 180 Euro pro Person am Tag kosten. Das seien Beträge, die die meisten Menschen für den eigenen Jahresurlaub nicht ausgeben könnten, sagt John. „Für die Mehrheit der Familien mit schulpflichtigen Kindern sind derartige Kosten für Klassenfahrten schlicht nicht bezahlbar – erst recht nicht, wenn es mehrere Kinder in der Familie gibt.“

Knut John, Landtagsabgeordneter der SPD aus dem Werra-Meißner-Kreis.
Knut John, Landtagsabgeordneter der SPD aus dem Werra-Meißner-Kreis. © SPD Eschwege

Das Kultusministerium habe mit der Erhöhung auf Hinweise von Elternvertretungen reagiert und „den schulischen Handlungsspielraum erweitert“, schreibt Lorz in einer Pressemitteilung. Bei der Planung von Klassenfahrten sei darauf zu achten, dass niemand aus finanziellen Gründen ausgeschlossen würde. Die Gesamtkosten müssten sich an den finanziellen Möglichkeiten der Eltern orientieren. Voraussetzung sei außerdem, dass das Geld über einen längeren Zeitraum angespart würde, so das hessische Kultusministerium. Die Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft (GEW) nennt die Erhöhung der Obergrenzen einen „längst überfälligen Schritt“. Es sei für Lehrkräfte in den vergangenen Jahren stets schwieriger geworden, „lehrreiche und interessante Fahrten“ zu organisieren.

So oft finden Ausflüge und Klassenfahrten statt

Innerhalb eines Schuljahres können in den Klassen 1 bis 10 an allgemein bildenden Schulen bis zu acht Tage für Wanderungen und Fahrten genommen werden (maximal fünf Tage am Stück). Das schreibt das Kultusministerium. Im Hinblick auf finanzielle Belastungen wird im Laufe eines Schul- und eines Kalenderjahres nur eine mehrtägige Veranstaltung angeboten. Jedem Schüler soll der Ausflug finanziell möglich sein. Bei Sozialleistungsempfängern springt das Jobcenter ein. (ts)

Der Elternbund Hessen unterstützt Johns Forderung und warnt: „Kinder aus finanzschwachen Familien haben eh schon schlechtere Bildungschancen.“ Mit der Erhöhung sei zu befürchten, dass immer weniger Kinder an Klassenfahrten teilnehmen könnten. Schulen wie die Johannisbergschule in Witzenhausen oder das Berufliche Gymnasium in Eschwege wollen die Maximalgrenze nicht ausnutzen. (Tobias Stück)

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