Stadthalle: Immer höhere Planungskosten – Magistrat beschloss Sanierungsgutachten

Die Kostenlawine rollt

Schon seit Jahresbeginn dicht: Ende 2009 schlossen schon Hotel und Restaurant, der Aufgang ist mit Flatterband abgesperrt. Die letzten Veranstaltungen im großen Saal gab es im Januar. Und jetzt tut sich gar nichts mehr in der Stadthalle. Es wird nur weiter geplant und begutachtet. Foto: sff

Eschwege. Die Sanierung der Stadthalle in Eschwege entwickelt sich mehr und mehr zum Desaster. Nachdem festzustehen scheint, dass sich die Kreisstadt die umfängliche Sanierung, Modernisierung und den im Zuge der angestrebten Neuausrichtung geplanten grundlegenden Umbau finanziell nicht leisten kann, häufen sich immer höhere Kosten für die Planung des Luftschlosses an.

Nach unseren Informationen sind bereits 375 000 Euro ausgegeben worden, ohne dass es zu einer einzigen baulichen Veränderung gekommen wäre. Und die Kostenlawine rollt weiter auf die Kreisstadt zu.

Die Verträge mit zwei Architekturbüros in Fulda sowie in Eschwege – sind nach Einschätzung der Verwaltung nicht ohne weiteres kündbar. Die erbrachten Leistungen bis zur Entwurfsplanung müssen danach in voller Höhe bezahlt werden. Für die weiteren Arbeiten muss die Stadt 60 Prozent der Architektengebühren überweisen, auch wenn sie storniert werden sollten.

Mehr als 550 000 Euro

Allein das Fuldaer Büro hat mit zwei Abschlagzahlungen bereits 180 000 Euro bekommen. Mehr als 550 000 Euro stehen dem Unternehmen laut Gebührenordnung zu, ohne dass darin zusätzliche Entwurfsleistungen enthalten wären. Die wurden zwar von der Stadt in Auftrag gegeben – ohne allerdings zu vereinbaren, was dafür zu bezahlen sein wird.

Bürgermeister Alexander Heppe (CDU) geht davon aus, dass diese Summen verhandelbar und mit einer Abfindung ausgeglichen werden können, wenn es zur Kündigung des Vertrages kommt. Nicht verhandeln über eine geänderte Vertragsgestaltung möchte aber offenbar die Eschweger Bauplanungsgesellschaft.

Die Planungskosten sind in den Sand gesetzt, wenn es nicht zur Umsetzung kommt. Und danach sieht es momentan aus. Die Stadt rückt nämlich von ihren Plänen ab, die Stadthalle grundlegend zu modernisieren und in ihrer Funktion neu auszurichten. Anfang der Woche beschloss der Magistrat, eine Architekten-Arbeitsgemeinschaft in Eschwege mit einem Sanierungsgutachten zu beauftragen – für gut 37 000 Euro. Ziel ist, eine kostengüstnigere Lösung zu finden. Ob das Gebäude allerdings letztendlich lediglich im Bestand saniert oder ob doch ein weitergehender Umbau angestrebt wird, ist völlig offen.

„Wir benötigen eine solide Datenbasis, um einen Überblick über die Kosten zu haben“, begründet Bürgermeister Alexander Heppe den Magistratsbeschluss. Die Verwaltung hatte bereits voriges Jahr geschätzte knapp vier Millionen Euro für die reine Bauunterhaltung veranschlagt.

Eine Entscheidung dürfte angesichts der völlig verfahrenen Situation in weite Ferne gerückt sein. Gegenüber potenziellen Veranstaltern nennt die Stadt jedenfalls aktuell keinen Termin, zu dem damit gerechnet wird, dass die Veranstaltungshalle wieder verfügbar ist.

Von Harald Sagawe

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