Radioaktive Abgälle lagern

Endlagersuche für Atommüll auch im Werra-Meißner-Kreis und Grenzgebiet

Gelbe Tonnen mit dem Zeichen für Radioaktivität.
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Kleine Teile des Werra-Meißner-Kreises könnten für eine Endlagerung radioaktiver Abfälle in Frage kommen. 

Kleine Teile des Werra-Meißner-Kreises könnten für eine Endlagerung radioaktiver Abfälle in Frage kommen. Die Bundesgesellschaft für Endlagerung sucht bundesweit nach geeigneten Gebieten.

Werra-Meißner – Kleine Teile des Werra-Meißner-Kreises könnten für eine Endlagerung radioaktiver Abfälle in Frage kommen. Das hat eine deutschlandweite Untersuchung der Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE) ergeben, die Gebiete hinsichtlich ihrer geologischen Eignung geprüft hat. Bundesweit kommen 90 potenzielle Standorte in Frage, ein Teilgebiet fällt ins hessisch-thüringische Grenzgebiet.

Betroffen wären die Gemeinde Weißenborn bis zur Grenze der Gemeinde Ringgau, Wanfrieds Stadtteil Heldra und über die hessische Grenze hinaus zum benachbarten Treffurt, Großburschla, Schnellmannshausen und Teile des Südeichsfeldes. Während der Landkreis dabei eher einen Randbereich bildet, wären die thüringischen Nachbarn stärker betroffen.

Teile des Werra-Meißner-Kreises könnten für eine Endlagerung radioaktiver Abfälle in Frage kommen: bei der Gemeinde Weißenborn bis zur Grenze der Gemeinde Ringgau, Wanfrieds Stadtteil Heldra und über die hessische Grenze hinaus zum benachbarten Treffurt, Großburschla, Schnellmannshausen und Teile des Südeichsfeldes.

Die BGE war in den vergangenen Jahren deutschlandweit auf der Suche nach möglichen Gebieten, die sich geologisch für eine Endlagerung von Atommüll eignen. Die entsprechenden ersten Daten haben die zuständigen Landes- und Bundesbehörden der BGE zur Verfügung gestellt, teilt die BGE auf Nachfrage unserer Zeitung mit. Weitere und konkrete Untersuchungen stehen nun aus.

Nicht sicher, ob Landkreis tatsächlich betroffen sein wird

Der aktuelle auf Aktenstudien basierende Zwischenbericht, betont Erster Kreisbeigeordneter, Dr. Rainer Wallmann, bilde lediglich grob ab, welche Gebiete überhaupt „abstrakt“ als Endlagerstandpunkte in Frage kommen könnten. Ob der Landkreis tatsächlich betroffen sein wird, sei nicht absehbar. Das Verfahren zur Atommüll-Endlagersuche wird durch die Bundesregierung initiiert und abschließend durch den Bundestag entschieden. Die Kreisverwaltung könne den Verlauf des Verfahrens derzeit nur fachlich-kritisch begleiten. Eine gerichtliche Überprüfung vor dem Bundesverwaltungsgericht ist erst möglich, wenn die Standortregionen feststehen, die dann unter Tage erkundet werden sollen.

Bürgermeister kritisieren Informationspolitik

Die Ergebnisse dieser Endlagersuche der BGE sind in einem 444 Seiten langen Zwischenbericht festgehalten, der bereits vor einem Jahr erschienen ist. Im benachbarten Wartburgkreis war die Endlagersuche bereits im Sommer Thema im Parlament. Im Werra-Meißner-Kreis hörten die Bürgermeister der betroffenen Gebiete im Werra-Meißner-Kreis dagegen nun zum ersten Mal davon. „Ich war völlig überrascht, ich hatte dazu noch keine Infos, dass wir ein potenzieller Endlagerungs-Standort wären“, sagt Weißenborns Bürgermeister Thomas Mäurer. So ging es auch Wanfrieds Bürgermeister Wilhelm Gebhard.

Beide kritisieren die Informationspolitik der Verantwortlichen. „Wir sind davon ausgegangen, dass der Bund alle betroffenen Kommunen gleichermaßen informiert und beteiligt“, sagt Vize-Landrat Dr. Rainer Wallmann. „Wir bearbeiten das Thema seit einem Jahr eigenständig mit unserer Rechtsabteilung. Wir begleiten und beobachten das Verfahren intensiv.

BGE bietet Vor-Ort-Gespräche an

Auf Nachfrage unserer Zeitung sagt BGE-Pressesprecher Sven Petersen, dass sich jeder jederzeit auf der Webseite der Bundesgesellschaft informieren könne, – tatsächlich gibt es dort umfassende und gut strukturierte Informationen – zudem gebe es jeden Monat digitale Veranstaltungen zur Endlagersuche. Im Umkehrschluss bedeutet das, dass sich jeder selbstständig informieren muss, selbst wenn man das Thema gar nicht vor Augen hat.

Im Sinne der Transparenz hätten sich die Bürgermeister von Anfang an eine offenere und proaktivere Kommunikation gewünscht. „Wir bieten immer gerne Gespräche vor Ort an. Sollte der Bedarf bestehen, kommen wir gern in die Region“, sagt Petersen. „Darauf werden wir zurückkommen, damit wir genau wissen, was dahinter steckt“, kündigen Mäurer und Gebhard an. Grundlegend gelte, so Petersen, dass für die Endlagersuche eine umfassende Bürgerbeteiligung gesetzlich vorgesehen sei. Zuständig dafür ist das Bundesamt für die Sicherheit der nuklearen Entsorgung (BASE).

Wie geht es jetzt weiter?

Nach der Auswahl möglicher Standorte folgt Phase 2 mit Erkundungen über Tage. Für jedes Gebiet werden nun „sozioökonomische Potenzialanalysen“ erstellt. Damit werden die wirtschaftlichen und sozialen Auswirkungen eines Endlagers auf die Regionen abgeschätzt und verglichen. Kriterien sind etwa der Arbeitsmarkt, regionale Investitionen und der Tourismus. Auch der Grundwasserkreislauf wird berücksichtigt. Gebiete werden weiter herausgefiltert. In Phase 3 werden die ausgewählten Standorte unter Tage erkundet, es folgen Sicherheitsuntersuchungen und Umweltverträglichkeitsprüfungen. Auf Grundlage der Erkenntnisse schlägt das Bundesamt für die Sicherheit der nuklearen Entsorgung (BASE) den Standort für die Endlagerung vor. Das Standortauswahlgesetz sieht eine Lagerung in sehr tiefen Gesteinsschichten vor. Das eigentliche Endlager würde 300 Meter tief unter die Erde liegen. Die Abschirmung der Abfälle werde durch die Einlagerung in ein „Wirtsgestein“ gewährleistet. jes

Weitere Informationen

Nächster digitaler Infoabend ist am 14. Dezember: bge.de/de/aktuelles/veranstaltungen

Von Jessica Sippel

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