Vortrag über rechte Bünde und die Verbindung zu Anastasia-Bewegung

Auch der Werra-Meißner-Kreis ist Ziel völkischer Siedler

Journalistin Andrea Röpke ist eine renommierte Publizistin zu neu-rechten Strömungen. Dem Vortrag folgten mehr als 80 Interessierte.
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Journalistin Andrea Röpke ist eine renommierte Publizistin zu neu-rechten Strömungen. Dem Vortrag folgten mehr als 80 Interessierte.

Auch der Werra-Meißner-Kreis ist Ziel völkischer Siedler, berichtete die renommierte Journalistin Andrea Röpke in einem Vortrag.

Werra-Meißner – Hessen – und damit auch die nordhessische Region und der Werra-Meißner-Kreis – ist schon länger das Ziel völkischer Siedler. Das wurde aus dem Online-Vortrag deutlich, zu dem für Donnerstag die fünf nordhessischen Fachstellen für Demokratieförderung und phänomenübergreifende Extremismusprävention (DEXT) eingeladen hatten. Als Referentin konnten sie die renommierte Journalistin Andrea Röpke gewinnen, die bereits seit vielen Jahren bundesweit zu rechtsextremen Strukturen forscht.

So berichtete sie zum Beispiel von der 100-Jahr-Feier des Freideutschen Jugendtags auf dem Hohen Meißner im Jahr 2013. Für diesen hatten sich die teilnehmenden Bünde, zum Beispiel Wandervögel und Pfadfinder, darauf geeinigt, rechte Gruppierungen nicht zuzulassen. Diese hatten sich dann zu einer eigenen Meißnerfahrt zusammengeschlossen, so Röpke. „Das Selbstbewusstsein dieser Szene ist erstaunlich gewesen.“

Gerade über völkische und rechtsbündische Strukturen gebe es kaum Informationen in Deutschland, berichtete die Journalistin. Dabei habe es seit 1945 immer entsprechende Organisationen für Kinder- und Jugendarbeit gegeben: erst die Wiking-Jugend und nach ihrem Verbot die Heimattreue Deutsche Jugend (HDJ), die sich beide an der Hitlerjugend orientierten. Nach dem Verbot der HDJ übernahm unter anderem der Sturmvogel – Deutscher Jugendbund, der sich 1987 in Lippoldsberg (Landkreis Kassel) gegründet hatte, die Arbeit.

Eben dieser Sturmvogel veranstaltete laut Dokumentationen von Röpke ein Sommerlager im brandenburgischen Grabow – einer der bekanntesten Sitze der Anastasia-Bewegung, die auf zehn Büchern basiert. Diese schwappte in den Jahren 2013/2014 von Russland nach Deutschland. Sie bilden Familienlandsitze, identifizieren sich über völkisches Brauchtum und hängen rechter Esotherik und Verschwörungsmythen an. „Antisemitismus zeichnet sich stark ab in den Büchern.“ Zudem gehe es in der Bewegung auch immer um Wehrhaftigkeit, so Röpke. So hätten sich zwei führende Protagonisten der Bewegung, Iris und Markus Krause, 2015 für die Gründung einer Bürgerwehr in Grabow gegen Flüchtlinge ausgesprochen.

Ein Jahr vorher, 2014, feierte die Anastasia-Bewegung ihr erstes bundesweites Festival auf der Jugendburg Ludwigstein. „Die Burg, die sich sonst immer wieder gegen Rechts distanziert, hat dieses Treffen zugelassen“, so Röpke. Weitere Treffen fanden 2016 in Poppenhausen (Rhön) sowie, wie unserer Zeitung bekannt ist, 2018 und 2019 bei Sontra statt. Dass man zu diesem Zeitpunkt nicht erkenne, welche politische Gesinnung die Teilnehmer haben, sei nicht realistisch, sagte Röpke auf Nachfrage. Wer kritisch sei und hinterfrage, merke relativ schnell, welche Töne im Hintergrund zu hören sind.

Was aber, wenn jemand mit völkisch-rechter Gesinnung in den Ort ziehe? Dann rät Röpke dazu, sich nicht einschüchtern zu lassen und sich zu vernetzen.

Eben dies haben die Protagonisten von „Wesertal ist bunt“ getan, wie eine Aktive berichtete, als mit Meinolf Schönborn 2020 ein bekannter Rechtsextremer ein Hotel in Gieselwerder gekauft hatte. (nde)

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