Netra

Ringgau: Kosten für Kinderbetreuung explodieren – Anteil liegt ab 2022 bei fast einer Million

Bobbycars stehen unter Jacken von Kindern, die an einer Garderobe einer Kindertagesstätte (Kita) hängen
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Kinderbetreuung wird an Auslastungsgrenze stoßen: Geburtenstarke Jahrgänge in Ringgau sorgen für volles Haus. (Symbolfoto)

Die Krippe im Ringgauer Ortsteil Netra soll erweitert werden. Damit sollen in der Gemeinde langfristig Plätze für Kinder unter drei Jahren zur Verfügung stehen.

Netra – Die Kinderkrippe im Ringgauer Ortsteil Netra soll dauerhaft um eine dritte Gruppe erweitert werden. Damit sollen in der Gemeinde auch langfristig 36 Plätze für Kinder unter drei Jahren zur Verfügung stehen. Eine entsprechende Empfehlung gab der Haupt- und Finanzausschuss der Gemeinde am Mittwochabend ab.

Das bedeutet, dass die dritte Krippengruppe, die die Kommune zunächst von Anfang dieses Jahres bis Ende Juli als Übergangslösung geplant hatte, bestehen bleiben soll. Das Parlament muss darüber noch abschließend entscheiden.

Die Betreuungskapazitäten für Krippen- und Kitakinder in Ringgau werden in den kommenden drei Jahren ziemlich knapp werden. „Wir werden mit der Auslastung der Krippe und der Kita in Röhrda an der Obergrenze sein“, sagt Bürgermeister Mario Hartmann. Dennoch wäre es jetzt „fatal“, in etwas komplett Neues zu investieren, was in einigen Jahren gar nicht mehr gebraucht werde.

Die Kita in Röhrda, die 100 Plätze hat, werde den Prognosen nach zu Beginn des Jahres 2023 mit 13 Kinder überfüllt sein. Allerdings kämen dann auch zwei besonders geburtenstarken Jahrgänge in die Einrichtung. 2016/17 wurde in der Gemeinde 29 Kinder geboren, 2017/2018 waren es 30. „Und 100 Prozent der Kinder werden spätestens mit drei Jahren für den Kindergarten angemeldet“, so Hartmann.

Daher sprach sich der Hauptausschuss für einen generellen Aufnahmestopp für Kinder aus anderen Kommunen sowie für die zu schaffende Übergangslösung bei der Kinderbetreuung aus. Zu möglichen Lösungen zählen vor allem die Akquirierung von Tagesmüttern mit denen Engpässe in den kommenden Jahren überbrückt werden sollen.

In einer exakten Bestandsanalyse hat Hartmann dargelegt, dass im Durchschnitt seit dem Jahr 2005 24 Kinder pro Jahr in Ringgau geboren werden. Zugleich sei die Trendlinie der Menschen, die in den nächsten Jahren noch Kinder bekommen, fallend.

Die Kosten für die dritte Krippengruppe in Netra belaufen sich in diesem Jahr auf 70 000 Euro. Ab dem kommenden Jahr allerdings werden die Kosten für die Kinderbetreuung sowohl im Krippen- als auch im Regelbereich explodieren. Denn dann ist die Gemeinde verpflichtet, den Anforderungen des Gute-Kita-Gesetzes nachzukommen. Dazu gehört unter anderem die Schaffung einer eigenen Leitungsstelle für die dann dauerhaft dreizügige Krippe in Netra. Mit dem Gesetz sollen höhere Qualitätsstandards in der Kinderbetreuung gesetzt werden.

Der Anteil der Gemeinde für den Kindergarten in Röhrda wird laut Kämmerin Manuela Mönkemeyer ab 2022 355 000 Euro betragen, für die Krippe in Netra 450 000 Euro. Für die geforderte Leitungsstelle kommt noch mal eine Summe von etwa 60 000 bis 70 000 Euro hinzu. „Wo soll das Geld denn herkommen?“, fragte Ausschussvorsitzender Dirk Wieditz. Hartmann sagte, man habe die Situation bereits dem Regierungspräsidium geschildert und dass die Kommune eine langfristige Perspektive brauche. Dazu soll es Gespräche auf anderen Ebenen geben. (Von Stefanie Salzmann)

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