Kritik aus dem Kreis am EuGH-Urteil: Online-Handel setzt Apotheker unter Druck

Auf dem Weg zum Kunden: Patienten können künftig auch verschreibungspflichtige Medikamente günstiger aus dem EU-Ausland bestellen. Foto: Daniel Reinhardt/dpa

Werra-Meißner. Besorgnis unter Apothekern im Werra-Meißner-Kreis: Der Europäische Gerichtshof (EuGH) hat die Preisbindung für rezeptpflichtige Medikamente für unzulässig erklärt.

Der Grund: Sie erschwere Anbietern aus anderen EU-Ländern den Zugang zum deutschen Markt.

Das Urteil könnte verheerende Konsequenzen für die Apotheken haben, denn Internet-Händler aus dem europäischen Ausland können Arzneien jetzt billiger verkaufen als Apotheken in Deutschland.

Laut Michael Schäfer von der Rübezahl-Apotheke in Witzenhausen entsteht durch das Urteil aber kein Wettbewerb, dem sich deutsche Apotheker stellen können. „Für uns gilt ja die Preisbindung weiterhin.“ Er verweist darauf, dass Apotheken viele Service-Leistungen, wie Notdienste oder das Anmischen von Rezepturen, nur anbieten können, weil sie über die festgelegten Preise für rezeptpflichtige Medikamente querfinanziert würden. Gerade die Beratung der Patienten und bei Bedarf auch die Rücksprache mit Ärzten bei Fragen zur Medikation nehme täglich viel Zeit in Anspruch, sei aber sehr wichtig. „Das gebietet die Verantwortung unseres Berufs.“ Es sei fraglich, ob Online-Händler diesen Service mit gut ausgebildetem Personal auch bieten könnten. Schäfer fürchtet zudem, dass die Krankenkassen - um Kosten zu sparen - ihre Patienten dazu bewegen könnten, rezeptpflichtige Medikamente künftig beim günstigeren Internethändler zu bestellen. Miriam Eisenberg, Inhaberin der Schloss-Apotheke in Eschwege, sorgt sich, dass die Preisbindung nun ganz fallen könnte. Dann könnten Krankenkassen Medikamente ausschreiben und der Patient könne dann nur noch in der Apotheke sein Rezept einlösen, die den Zuschlag bekommen habe.

Auch die deutschen Apothekerverbände sehen die Gesundheitsversorgung auf dem Land gefährdet und versuchen, den Versandhandel für rezeptpflichtige Medikamente verbieten zu lassen. (mad/fst/dir)

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