Krötensammler gesucht

Amphibienbestand im Werra-Meißner-Kreis zuletzt drastisch eingebrochen

Engagieren sich seit Jahren für den Amphibienschutz: Andrea Emde (von links), Susanne Aigner und Hans-Jörg Winkler.
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Engagieren sich seit Jahren für den Amphibienschutz: Andrea Emde (von links), Susanne Aigner und Hans-Jörg Winkler.

Ermschwerd – Für den Schutz von Amphibien werden im Werra-Meißner-Kreis dringend Helferinnen und Helfer gesucht.

Einen Krötenzaun will die Obere Naturschutzbehörde im Frühjahr am Ortsrand von Ermschwerd aufstellen. Die Bedingung: „Wir müssen bis Ende November ausreichend Aktive finden, die uns morgens und abends beim Hinübertragen der eingefangenen Tiere auf die andere Straßenseite helfen“, sagt die Projektinitiatorin Andrea Emde.

Zusammen mit Susanne Aigner und Hans-Jörg Winkler engagiert sie sich seit Jahren für die Rettung der bis zu elf Zentimeter großen, mit Warzen übersäten Amphibien. Jedes Jahr im Frühjahr machen sich die ausgewachsenen Erdkröten, die in krautreichen Laub- und Mischwäldern heimisch sind, auf den Weg zu Laichgewässern. Die Burgberg-Kröten zieht es zu den drei Freudenthaler Kiesteichen auf der anderen Seite der Werra. „Die Mehrheit der Tiere wartet auf die erste milde, feuchte Frühjahrsnacht“, erläutert Aigner. Dann machen sich viele hundert der dämmerungsaktiven Kröten auf den Weg. In solchen Nächten fallen sie in großer Zahl dem Verkehr zum Opfer.

Die vielen toten Tiere auf der Straße brechen Projektinitiatorin Emde das Herz. Sie will aktiv Artenschutz betreiben. „Es ist ein tolles Gefühl, einen Eimer voller Kröten sicher hinüberzutragen“, ergänzt Aigner. Von 2010 bis 2015 stellte die Ermschwerder Gruppe selbst einen fast 500 Meter langen Krötenzaun auf. „Das war sehr arbeitsaufwendig“, erinnert sich Agrarjournalistin Aigner. Am Ende fehlten Helfer, um das Vorhaben fortzusetzen. Seither laufen die verbliebenen Tierfreunde abends die Straße ab, um Kröten einzusammeln. „Das ist angesichts des hohen Tempos, mit dem viele Autofahrer trotz Geschwindigkeitsbeschränkungen unterwegs sind, nicht ungefährlich“, weiß Winkler.

Noch schlimmer als in Ermschwerd ist das Krötensterben auf der anderen Seite des Tals. Die Bundesstraße 80 ist viel stärker befahren. „Dort herrscht nach Massenwanderungen Verwesungsgeruch“, berichtet Winkler. Die Ermschwerder Gruppe entschloss sich im Frühjahr 2020, in Freudenthal aktiv zu werden. Auf ihr Bitten hin stellte Hessen Mobil dort im Frühjahr 2021 einen 880 Meter langen Krötenzaun mit 45 Falleimern auf. An die 20 Krötensammler retteten im Laufe von vier Wochen im März und April 1900 Amphibien, darunter auch einige wenige Molche und Grasfrösche.

Angespornt von dem Erfolg will die Gruppe nun einen Neuanfang in Ermschwerd wagen. Dort ist der Krötenbestand nach ihrer Beobachtung seit 2010 um 90 Prozent gesunken. „Vielleicht liegt es an den zunehmend trockeneren Sommern“, mutmaßt Emde. Einen Einfluss könnte das Verschwinden der Fliegenschwärme im Bereich des Kompostwerks haben. Das Werk nimmt seit 2015 keine Bioabfälle mehr an, sondern nur noch Grünschnitt.

„Seither hat der Burgberg auch für Rabenvögel an Interesse verloren“, ergänzt Wolfgang Maronde, Witzenhausens Ortsbeauftrager für Vogelschutz. Der Rückgang könnte zudem mit dem landwirtschaftlichen Pflanzenschutzmittel-Einsatz in Verbindung stehen. „Einige Kröten laichen zudem in Ermschwerder Gartenteichen“, weiß Emde.

Kontakt: per E-Mail an susanne.aigner@wunet.org oder Telefon 05542/3039151.

Von Michael Caspar

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