Kulturinitiative Hängnichrum

Michael Feindler stürzt das Publikum lyrisch in die Welt der Kontroverse

Fein eingestreute Gitarren-Einlagen mit Ohrwurm-Potenzial lockerten den Abend auf
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Fein eingestreute Gitarren-Einlagen mit Ohrwurm-Potenzial lockerten den Abend auf

Im Saal der Kneipe Öx entführte Michael Feindler unter dem Programmtitel „Ihr Standort wird neu berechnet“ in allerlei gesellschaftliche Diskussionen.

Frankershausen - „Beim Schreiben des Programms fiel mir auf, dass ich gar nicht genug Antworten habe.“

Seine Markenzeichen sind dabei poetische Einlagen und eine Publikumsinteraktion, die den ein oder anderen Zuschauer fast schon beängstigen konnte. Fein eingestreute Gitarren-Einlagen mit Ohrwurm-Potenzial lockerten den Abend auf – und lieferten in kürzester Zeit bei bemerkenswertem Rap-Tempo gleich noch mehr Fragen. Feindler präsentiert sich mit einem sympathischen, dezenten Auftreten, das dafür jedoch charakterliche Prägnanz vermisst. Erwartungsabhängig war es somit jedem selbst überlassen, wie stark er sich von dem Programm fesseln ließ.

Das Programm selbst war gekennzeichnet durch einen stetigen Wechsel aus Small Talk und Kunsteinlagen, die einem Poetry-Slam ähnelten. „So, Kabarett haben Sie sich auch anders vorgestellt?“, fragte Feindler mit einem Hauch von ironischem Sarkasmus.

Denn im Rampenlicht gilt genauso wie in der Politik: Was einem an Markanz fehlt, muss man mit Scharfsinnigkeit wettmachen – oder natürlich kompetenter Ahnungslosigkeit. Beim groben Aufarbeiten aller Brennpunktthemen unserer Zeit unternahm Feindler auch ein paar tiefsinnige Reisen unter die Oberfläche, welche die Zuschauer mit Denkanstößen heimschickten: „Fehlt es Ihnen, in Restaurants vom Nachbartisch zugequalmt zu werden? Vermissen Sie den Kick, ohne Sicherheitsgurt im Auto zu fahren?“, fragt er mit Blick auf gesetzliche Verbote. „Wenn wir die Innenstädte komplett autofrei gestalten würden, wüssten wir in zehn Jahren nicht mehr, was sie dort einmal gemacht haben.“

Nach all den Diskussionen zeigte er in einer kurzen Anti-Gesprächs-Schulung, wie man jede sachliche Diskussion im Keim erstickt, um die Zuschauer ihr eigenes Verhalten hinterfragen zu lassen - und blickte auch damit wieder kritisch in Richtung Politik: Man müsse jedes Gespräch komplett themenfremd auf die persönliche Ebene bringen und „im Idealfall entgegnet man ‚Kommt ihr erst mal in mein Alter’“. Bemerkenswert glänzt Feindlers Publikumsinteraktion: Neben Umfragen spricht er regelmäßig Zuschauer namentlich an und greift sie kontinuierlich wieder auf.

Doch nach all den Fragen und Problemen, die angesprochen wurden, besänftigt er zum Abschluss des Abends: „Aber es tut sich was!“ Wir haben eine Demokratie, einen Rechtsstaat und öffentliche Diskussionen, die Mut zur Hoffnung machen. Fazit: Feindler präsentiert kreative Nüchternheit, die sowohl kontroverse Tiefe als auch philosophische Lyrik touchiert. (Lorenz Schöggl)

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