Kurzumtriebsplantagen im Kreis: Hier werden schnellwachsende Hölzer zum Heizen angebaut

+
Hier wächst neues Heizgut: Experte Christian Siebert vom Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen (LLH) in einer Kurzumtriebsplantage bei Unterrieden, in der sowohl Pappeln (rechts) als auch Weiden (links) wachsen.

Witzenhausen. Die Nachfrage nach Holz für die Energieerzeugung wird auch künftig weiter massiv ansteigen. Um den Bedarf zu decken, könnten Kurzumtriebsplantagen (KUP) eine wichtige Rolle spielen, erklärt Christian Siebert vom Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen (LLH).

„Kurzumtriebsplantagen bestehen aus schnell wachsenden Gehölzen wie Weide und Pappel und können bereits nach drei bis fünf Jahren geerntet werden.“ Siebert hat von 2008 bis 2011 an einem bundesweiten KUP-Projekt (ProLoc) mitgearbeitet und war als Koordinator in Witzenhausen Ansprechpartner für 22 deutsche Institute mit ihren 35 Versuchsflächen.

Eine dieser Flächen bei Unterrieden wird auch nach Ende des Projekts weiter von der Universität Kassel wissenschaftlich betreut. „Der Clou an Kurzumtriebsplantagen ist, dass man auf landwirtschaftlichen Ackerflächen in kurzen Ernteabständen Holz produzieren kann, ohne auf die landwirtschaftliche Betriebsprämie verzichten zu müssen“, erklärt Siebert. Eine KUP gilt als landwirtschaftliche Kultur, wenn sie spätestens alle 20 Jahre beerntet wird.

Während in den einzelnen Pflanzreihen die Bäume im Abstand von nur rund 50 Zentimetern gepflanzt werden, muss zwischen ihnen genügend Platz für die Erntemaschine bleiben. „Bei einem Reihenabstand von zwei bis zweieinhalb Metern kommt man auf eine stolze Zahl von 8000 bis 10 000 Pflanzen pro Hektar, während es bei einer normalen Anpflanzung im Wald etwa bei Ahorn weniger als die Hälfte sind“, so Siebert.

Für eine KUP werden speziell gezüchtete Pappeln und Weiden verwendet. Diese sind besonders leistungsfähig und garantieren einen guten Ertrag. „Gleichzeitig haben sie aber auch eine hohe Widerstandskraft“, so Siebert. Nach drei Jahren haben die Bäume auf geeigneten Standorten eine Höhe von etwa neun Metern und eine Stärke von mindestens acht Zentimetern erreicht. „Nach dem Abernten treiben sie neu aus und bilden dabei sogar noch stärkere Triebe als vorher, so dass die höchsten Erträge meist erst nach drei Ernten erzielt werden.“

Neben der „Mini-Rotation“, bei der das Holz nach drei bis fünf Jahren geerntet und zu Holzhackschnitzeln verarbeitet wird, gibt es weitere KUP-Methoden: die „Midi-Rotation“ (Pflanzabstand ein Meter, Ernte alle sechs bis acht Jahre, Höhe der Bäume etwa 14 Meter, Stärke rund 15 Zentimeter) und die „Maxi-Rotation“ (Pflanzabstand vier Meter, Ernte nach 15 bis 20 Jahren, Baumstärke rund 40 Zentimeter, auch als Industrieholz nutzbar). „Der Trend geht derzeit zur Midi-Rotation, weil dort der Holzanteil in den Hackschnitzeln höher und der Rindenanteil geringer ist und man Kosten beim Pflanzen spart“, sagt Siebert. Die Gesamtgröße der in Hessen bislang für die Betriebsprämie gemeldeten KUP-Flächen beziffert er mit 319 Hektar. „Diese Zahl wird durch den steigenden Holzbedarf aber noch beträchtlich zunehmen.“ (per)

 

Die Vor- und Nachteile des Heizens mit Holz und weitere umweltfreundliche Heizmethoden stellen wir Ihnen in der gedruckten Donnerstagsausgabe der HNA-Witzenhäuser Allgemeine vor. Dort finden Sie auch einen Artikel zum Online-Handel mit Brennholz.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.