Bauernverband regt die „Pille“ für das Schwein an

Landwirtschaft im Werra-Meißner-Kreis klagt: Steigende Wildbestände sorgen für Schäden

Wildschwein mit weiteren Wildschweinen im Hintergrund
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Immer mehr Sauen: Die Zahl der Wildschweine „explodiert“ regelrecht, meint Uwe Roth, der Geschäftsführer des Kreisbauernverbands Werra-Meißner.

Rehe, Hirsche und Wildschweine profitieren vom großen Fichtensterben, für das der Borkenkäfer sorgt. Die Wildbestände wachsen – nicht zuletzt aufgrund des Klimawandels – seit Jahren kräftig.

Werra-Meißner – „Rehe sind keine Waldtiere, sondern bevorzugen freie Landschaften mit einzelnen Baumgruppen“, sagt Gerhard Hilwig, Vorsitzender des Jagdvereins Hubertus Witzenhausen.

In dichten Fichtenbeständen suchten sie lediglich Deckung, wenn sie sich bedroht fühlten. „Für Rehe verbessert sich derzeit die Futtergrundlage“, ergänzt Forstamtsleiter Matthias Dumm aus Hessisch Lichtenau. Auf den großen Kahlflächen sprießen nun Kräuter und Gräser. „Rehe finden heute ohnehin viel mehr Futter als früher“, beobachtet Hilwig. Stickstoffhaltiger Regen lasse den Nitratgehalt im Boden steigen. Aufgrund dieser Düngung gediehen heute selbst auf eigentlich mageren Kalkböden die Pflanzen.

„Überall in der freien Natur stehen mittlerweile Brennnesseln, die viele Nährstoffe benötigen“, ergänzt der Forstamtsleiter. Seit einigen Jahren würden Wälder zudem stärker durchforstet als früher, wodurch mehr Licht auf den Boden gelange. Das rege das Pflanzenwachstum ebenfalls an. Rehe, aber auch Hirsche und Wildschweine entwickelten sich daher prächtig. „Wir haben heute kapitale Hirsche, wie wir sie einst nur aus Ostpreußen kannten“, freut sich Hilwig. „Auf vielen Kahlflächen wachsen jetzt junge Fichten nach“, berichtet Dumm. Diese würden bald dichte Bestände bilden, in denen Rehe und Hirsche Deckung fänden – anders als in den lichten Fichtenwäldern, die dem Borkenkäfer zum Opfer fielen.

„Die Wildschweine werden in einigen Jahren davon profitieren, dass derzeit viele Eichen gepflanzt werden“, sagt Jäger Hilwig. Die Eichen, die aufgrund ihrer tief in den Boden reichenden Wurzeln besser mit trockenen Sommern klar kämen als Fichten, sorgten im Herbst für Eicheln – Leckerbissen für das Borstenvieh. „Dass die Wildbestände kräftig wachsen, hat auch mit den milden Wintern der vergangenen Jahre zu tun“, sagt Forstamtsleiter Dumm. Selbst schwache Tiere überlebten.

Unter der zunehmenden Zahl an Wild leiden auch die Landwirte. „Die Wildschweine sorgen nicht zuletzt in den Maisfeldern für Schäden“, sagt Uwe Roth, Geschäftsführer des Kreisbauernverbands Werra-Meißner. „Schon heute explodieren die Bestände geradezu“.

Eine Bache könne im Laufe eines Jahres bis zu drei Würfe mit jeweils vier Jungtieren großziehen. Die weiblichen Tiere seien nach nicht einmal einem Jahr selbst wieder fruchtbar, so Roth. Um die Bestände konstant zu halten, müssten die Jäger jedes Jahr 80 Prozent der Tiere schießen, sagt er. Roth begrüßt es daher, dass das Land im März den Einsatz von Nachtsichtgeräten erlaubt hat. Er fordert zudem die „Pille für das Schwein“, die sich den Tieren über Maiszufütterungen zuführen lasse. Dabei täten die Jäger eine Menge, um dem steigenden Wildbestand Herr zu werden.

Wie Pressesprecher Jörg Klinge vom Landkreis berichtet, ist indes die Zahl der im Werra-Meißner-Kreis geschossenen Hirsche in den vergangenen 20 Jahren von 319 auf 854 Tiere gestiegen. Bei den Rehen habe die Zahl von 3402 auf 5024 und bei Wildschweinen von 2537 auf 4582 Tiere zugenommen. (von Michael Caspar)

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