Kunden stürmen die Apotheken

Lange Warteschlangen im Werra-Meißner-Kreis wegen kostenfreier FFP2-Masken

Die Warteschlange vor der Rübezahl-Apotheke wird von Michael Schäfer (Zweiter von rechts mit Weihnachtsmütze) betreut.
+
Anstehen für die Masken: Die Warteschlange vor der Rübezahl-Apotheke wird von Michael Schäfer (Zweiter von rechts mit Weihnachtsmütze) betreut. Er hat für alle Fragen der Kunden ein offenes Ohr.

Die Kunden stehen Schlange vor den Apotheken. Auch im Werra-Meißner-Kreis war der Ansturm auf die kostenlosen FFP2-Masken groß. Apotheker aus der Region berichten.

Werra-Meißner – „Ich habe einen solchen Ansturm erwartet“, sagt Michael Schäfer von der Rübezahl-Apotheke in Witzenhausen. Deshalb hat Schäfer für Dienstag, dem ersten Tag, an dem FFP2-Masken kostenfrei an Menschen aus den Risikogruppen ausgegeben werden, einen Infostand vor der Apotheke aufgestellt.

Zusätzlich geht der Apotheker zu jedem Anstehenden in der Schlange, die sich zeitweise bis über den ganzen Marktplatz erstreckt.„Reine Prävention“, erklärt Schäfer. „In der Schlange stehen hauptsächlich Menschen, die zur Risikogruppe gehören.“ Daher sei es wichtig, die Schlange möglichst zu entzerren. Und das gehe vor allem dadurch, den Wartenden ihre Fragen zu beantworten.

Die häufigste Frage? „Wer darf die FFP2-Masken denn bekommen?“ Dafür hat Schäfer ein Formular vorbereitet. Menschen über 60 Jahren oder mit genau definierten Vorerkrankungen wie Asthma bronchiale bekommen die Masken ausgehändigt. Dass er viele seiner Kunden und ihre jeweiligen Erkrankungen kennt, helfe natürlich.

Immer wieder weist Schäfer darauf hin, dass es auch in den nächsten Tagen noch genug Masken für alle geben wird, um die Warteschlange nicht zu lang werden zu lassen. Die Kunden zeigen Verständnis. Währenddessen arbeiten die Mitarbeiter von Schäfer und seiner Frau Carla in der Apotheke auf Hochtouren, um die Kunden mit je einem Dreier-Päckchen der Schutzmasken zu versorgen.

Ein ähnliches Bild bietet sich in Bad Sooden-Allendorf. „Wir werden überrannt“, sagt Dr. Meike Schöniger, die mit ihrem Team die Hirsch-Apotheke in der Innenstadt von Allendorf betreibt. Dort hält man sich streng an die Vorschrift, dass vor der Ausgabe der FFP2-Masken eine entsprechende Veröffentlichung im Bundesanzeiger erfolgen muss.

Die war für den Vorabend erwartet worden, lag aber gestern Vormittag noch immer nicht vor, weshalb mit der Ausgabe des extra-wirksamen Mund-Nasen-Schutzes erst am Nachmittag begonnen wurde.

Das sei „mal wieder typisch für Deutschland“, brummt ein Kunde missmutig in seinen Bart, als er unverrichteter Dinge die Apotheke wieder verlassen muss. Tatsächlich werde man in Einzelfällen auch „angefeindet“, ärgert sich die Pharmazeutin über die Nachlässigkeit in Berlin.

Für ihre Stammkunden habe sie „einige tausend Masken“ bestellt, für die sie finanziell auch noch in Vorleistung gehen müsse. Und es sei noch nicht klar, wie am Ende abgerechnet werde. Ungeachtet der Vorschrift, beginnt in Sooden die Brunnen-Apotheke ummittelbar nach der Öffnung am Morgen mit der Ausgabe der Masken und ist schon um kurz nach 11 Uhr „abgebrannt“, weil nur ein geringes Kontingent angeliefert worden ist.

Bei verschiedenen Lieferanten habe er 1500 Masken bestellt, die aber nur „kleckerweise“ einträfen, sagt mit kritischem Unterton Apotheker Klaus Rhenius. Die Schutzmasken lägen „irgendwo auf Halde“, ordnet er die von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn veranlasste Aktion in die Kategorie „holterdiepolter“ ein. Einige Kunden, die zunächst nicht bedient werden konnten, seien verärgert gegangen, die meisten zeigten aber Verständnis für die schleppende Ausgabe. (William Abu El-Qumssan/Chris Cortis)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.