Laura Nino aus Kolumbien macht Forstpraktikum im Ringgau

Immer gut gelaunt: Laura Nino, die 21-jährige Studentin der Forstwissenschaften aus Bogota, schwärmt für die Ruhe und Sicherheit ländlicher Nächte in Deutschland. Dafür verzichtet sie auch auf Schlaf.
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Immer gut gelaunt: Laura Nino, die 21-jährige Studentin der Forstwissenschaften aus Bogota, schwärmt für die Ruhe und Sicherheit ländlicher Nächte in Deutschland. Dafür verzichtet sie auch auf Schlaf.

Im April hat die Kolumbianerin Laura Nino ihr Praktikum beim Forstamt Wehretal begonnen. Sie wohnt jetzt in Netra. An der Region liebt die Südamerikanerin die Sicherheit.

Netra – Laura Nino schläft wenig – vier Stunden irgendwann zwischen zwei Uhr und sechs Uhr morgens. Denn nach der Arbeit im Forst im Ringgau lernt die 21-jährige Studentin aus Kolumbien für ihre C1-Deutschprüfung und ihr Studium der Forstwissenschaften. „Ich habe wenig Zeit“, sagt Laura und strahlt dabei, als sei das die kleinste aller irdischen Sorgen.

Im April hat Laura ihr Praktikum beim Forstamt Wehretal begonnen, sie wohnt in Netra und wird betreut von Ringgaus Revierförster Ekkehard Rogée. Sie, die in der Nähe von Kolumbiens Hauptstadt Bogota aufgewachsen ist und in der Millionenstadt studiert, liebt das kleine Dorf im Ringgau. „Es ist toll hier. Ganz ruhig und dunkel und nachts kann man die Sterne sehen“, schwärmt sie. Aber am schönsten sei es, dass es hier „so sicher ist.“ „In Kolumbien würde ich nie allein oder mit einem anderen in den Wald gehen“, sagt Laura, die beschreibt, dass sie viel Zeit in ihrem Leben mit Angst verbracht habe. In Göttingen, wo sie im vorigen Oktober ankam, habe sie sich erst daran gewöhnen müssen, dass sie ihr Handy auf der Straße in der Hand haben könne, ohne dass es einer klaue und dass Busfahren nicht gefährlich sei. Aber Laura ist eine Kämpferin.

Um das Stipendium für ein Jahr Deutschland zu bekommen – ihre Familie hätte ihr den Auslandsaufenthalt nicht finanzieren können – hat sie acht Monate jeden Tag Deutsch und Englisch gelernt, zusätzlich zu ihren Aufgaben als Studentin der Forstwissenschaften. Um sechs Uhr morgens beginnt in Bogota der Unterricht an der Uni, vorher muss sie täglich drei Stunden Bus fahren, um zur Uni zu kommen. Nicht nur gute Sprachkenntnisse und Glück zählten bei der Auswahl, sondern vor allem gute Noten. Mit viel Willen und wenig Schlaf erhielt sie das Stipendium.

Als sie dann im Oktober vorigen Jahres in Göttingen ankam, war ganz kurz noch alles normal, dann kam der Lockdown. „Fast alles fand nur online statt und ich habe wenig Menschen kennengelernt“, sagt sie. Auch einen Praktikumsplatz zu finden, war nicht einfach, denn Laura hat weder Führerschein noch Auto. Über einen privaten Kontakt vermittelt, klappte es dann beim Forstamt Wehretal.

Extrem sind die Unterschiede von Forstwirtschaft in Südamerika und Europa. „Während wir hier so 20 Baumarten haben, gibt es in Kolumbien um die 1000 Arten“, sagt Rogée. Und proportional gibt es ebenso viele Tiere. „Wir haben eine riesige Artenvielfalt“, sagt Laura, aber die müsse auch geschützt werden. Während das Land versuche, große Waldschutzgebiete möglichst unberührt zu lassen, wird Holzwirtschaft auf Plantagen betrieben. Die Bäume wachsen in dem tropischen und jahreszeitlosen Klima am Äquator viel schneller – braucht eine Fichte in Europa hundert Jahre, um genutzt werden zu können, sind es in Südamerika nur etwa 30. Die Gefahr droht jedoch auch hier vom Menschen durch illegale Rodungen zur Gewinnung von Holz oder landwirtschaftlicher Nutzflächen. Ein Problem, das in dem riesigen Land schwer zu kontrollieren ist.

Im Ringgauer Forst tut Laura all das, was anliegt: junge Bäume freischneiden, Holzeinschlag, Jagd, Beratung von Privatwaldbesitzern, verschiedene Naturschutzprojekte betreuen, Borkenkäfer-Monitoring. In zwei Jahren will sie gern noch mal nach Deutschland zurück, um ihren Master zu machen. „Und dann soll sie“, so Rogée, „zurück nach Kolumbien, um den Regenwald zu retten.“ Um das zu schaffen, braucht sie wieder ein Stipendium – das heißt, Bestnoten und wenig Schlaf. (Stefanie Salzmann)

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