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33. Ausgabe der Eschweger Geschichtsblätter erschienen

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Von: Kristin Weber

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Bei der Vorstellung in der Eschweger Buchhandlung Heinemann: York Egbert König und Dr. Karl Kollmann.
Bei der Vorstellung in der Eschweger Buchhandlung Heinemann: York Egbert König und Dr. Karl Kollmann. © kristin weber

Pünktlich zum Johannisfest ist nun die 33. Ausgabe des Eschweger Geschichtsblätter erschienen.

Eschwege – Pünktlich zum Johannisfest ist sie wieder fertig: die neueste Ausgabe der Eschweger Geschichtsblätter, die 33. seit Beginn der Reihe. Herausgegeben wurde das Heft von Dr. Karl Kollmann und York Egbert König im Verlag des Eschweger Geschichtsvereins. In der Buchhandlung Heinemann in Eschwege stellten beide den Band, der vollgepackt ist mit 160 Seiten Geschichte auch vor. Im ersten Beitrag geht es gleich gut 1000 Jahre in die Vergangenheit zurück: Damals gehörte Herleshausen zum Königsgut Kaufungen, das Kaiser Heinrich II. seiner Ehefrau Kunigunde als Witwengut schenkte, wo sie ein Kloster gründete. Zur Verwaltung des Besitzes und der Lagerung der Erträge wurde in Herleshausen ein steinernes Haus errichtet und später auch eine Befestigung zum Schutz des Dorfes sowie die „Burgkirche“.

Alexis Prinz von Hessen berichtet über die Geschichte der „Familie der Landgrafen von Hessen Philipstal-Barchfeld in Herleshausen und Schloss Augustenau“, die im 17. Jahrhundert die Güter zu Lehen erhielt und im 19. Jh. das Gut zur Residenz ausbaute. Bis heute lebt die Familie in dem Schloss, das Prinz Alexis 1816 den Namen seiner Ehefrau gab.

Der zweite Beitrag führt uns ins 20 Jahrhundert. Im Eschweger Stadtarchiv fand York-Egbert König die Erinnerungen des in Eschwege geborenen Studienrats Herbert Krieger. Dieser schrieb ebenso detail- wie lehrreich und unterhaltsam das Leben während seiner Jugend in den 1920ger-Jahren in Eschwege auf.

Dieses Essay wurde damit erstmals veröffentlich und erzählt, wie die Eschweger Bürger sich von ihren kleinen Äckern damals selbst versorgten, über Opernaufführungen im Saal des Stadtparks oder vom Schwimmen in der Werra bei 18 Grad.

Pünktlich zum Johannisfest: Die 33. Ausgabe der Eschweger Geschichtsblätter ist erschienen

Auch das Johannisfest ist ein Thema: „Der (Johannisfest-)Zug war nach Schulen und Klassen gegliedert“, schreibt Krieger. „Jede Schule hatte eine Schulfahne, jede Klasse ein hölzernes Transparent. Fast jedes Jahr trug ich diese Klassenfahne, wie wir sie nannten, geschmückt mit bunten Bändern, welche Mutter und Schwestern gewaschen und gebügelt hatten. Schild und Stange waren mit Blumengirlanden umwunden. Die Jungen marschierten in ihren besten Anzügen. Die Mädchen trugen helle Kleider und hatten Kränze im Haar. Auf dem Werdchen ging es dann für die Schüler zuerst zum Tanzplatz, wo ausgiebig getanzt wurde.“

Anschließend wurde auch der Rummel mit Schiffschaukel und Kettenkarussell besucht. Nach diesem Einblick in ein bürgerliches Leben in Eschwege zwischen 1920 und 1931 (dann machte Herbert Krieger Abitur und verließ Eschwege zum Studium), erinnert Dr. Martin Arnold in seinem Artikel an den „Geretteten Rest“. Jüdische Überlebende des Holocaust wurden direkt nach dem Zweiten Weltkrieg in sogenannten „Displaced-Persons-Lagern“ (heimatlose Personen) untergebracht, um ihnen eine sichere Zuflucht zu geben. Von 1946 bis 1949 wurde ein solches Lager in Eschwege am ehemaligen Flugplatz eingerichtet, in den gut 3700 Menschen lebten. Nicht immer funktionierte die Beziehung zwischen Lager und Stadtbevölkerung konfliktfrei.

Am Schluss stellt Dr. Karl Kollmann die Ergebnisse der archäologischen Untersuchung an der Marienkirche in Sooden vor. Als in dieser der Zugangsbereich erneuert wurde, konnten die Archäologen in den Boden blicken. Neben neuzeitlichen Münzen wurden Gegenstände früherer Bestattungen gefunden, die man heute nicht mehr zuordnen kann.

Insgesamt umreißen die Beiträge der 33. Ausgabe der Eschweger Geschichtsblätter einen Zeitraum von gut 1000 Jahren, in denen die Historiker wieder spannende Geschichten aufgetan haben und uns durch das Schlüsselloch in die Vergangenheit schauen lassen. Erhältlich sind die Geschichtsblätter unter anderem beim Geschichtsverein und in der Buchhandlung Heinemann.

Von Kristin Weber

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